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Der nachfolgende Bericht wurde aus den Erfahrungen von Müttern und Kindern, die sich wieder gefunden haben, zusammengestellt. Er soll ein wenig Hilfestellung geben für alle, die überlegen, sich auf die Suche zu begeben.

 

 

Der erste Kontakt  - Adoptierte

 

In den meisten Fällen finden Adoptierte ihre leiblichen Mütter. Sei es über das Jugendamt, durch Unterlagen der Adoptiveltern oder aus den Einträgen im Personenstandsbuch bzw. der Personenstandsurkunde, aus welcher die Abstammung ersichtlich ist.

 

In vielen Adoptionsratgebern steht, dass Adoptierte vielfach nur daran interessiert sind zu erfahren, wem sie ähnlich sehen, welche Erkrankungen es in der leibl. Familie gibt und welche Gründe zur Adoption führten. Wenn Sie darüber hinaus den Wunsch oder die Hoffnung haben, dass sich aus dem ersten Kontakt vielleicht ein positives Verhältnis zu Ihren leiblichen Eltern entwickelt, möchten wir Ihnen nachstehend aus unseren Erfahrungen heraus einige Tipps und Ratschläge geben.

 

-          Suche über das Jugendamt

 

Beim Weg über das Jugendamt, schreibt dieses die leiblichen Eltern an, in der Regel ist es die Mutter und gibt den Wunsch nach der Kontaktaufnahme weiter. In vielen Fällen beginnt jetzt für die Adoptierten das Warten, was sehr nervenzehrend sein kann. Bitte bedenken Sie dabei, dass Ihre Mutter sich nicht auf den Zeitpunkt Ihrer Suche einstellen konnte. Diesen Vorteil hat immer derjenige auf seiner Seite, der die Initiative übernimmt.

 

Beispiel für das Anschreiben eines Jugendamtes:

 

Sehr geehrte Frau ....

dieser Brief wird Sie sicherlich überraschen, denn er bezieht sich
auf Andrea - das Kind, das vor 21 Jahren zur Adoption freigegeben
wurde.

Sie hat sich sehr positiv entwickelt und es ist immer wieder der
Wunsch gekommen, etwas über ihre Wurzeln zu erfahren. Andrea - heißt heute Jana. Sie hat sich mit diesem Wunsch jetzt an uns gewandt. Falls es möglich ist, möchte sie ihre leibliche Mutter und ihren leiblichen Vater kennen lernen.

Ich kann mir vorstellen, dass dieses Anliegen sehr vieles in Ihnen
aufwühlt. Es ist sicher nicht ganz einfach, sich dieser Begegnung zu
öffnen. Wenn sie es wünschen, können wir vorher über alles sprechen
und sie haben natürlich die Entscheidungsfreiheit.
Ich würde mich freuen bald von Ihnen zu hören.

MfG
Im Auftrag

 

Berücksichtigen Sie bei der nun folgenden Wartezeit auch, dass es neben persönlichen Gründen, an ganz alltäglichen Dingen liegen kann, wenn die Antwort Ihrer Mutter länger dauert, z.B. Urlaub, Umzug, Krankenhausaufenthalt, etc.

 

Wenn das Jugendamt nicht kooperativ ist, bleiben Sie hartnäckig. Die Behörden sind gesetzlich verpflichtet, Sie bei der Suche nach Ihrer Herkunft zu unterstützen.

siehe:

§ 9 b AdVermiG (Aufbewahrungsfrist und Einsichtsrecht)

§ 25 SGB X (Akteneinsicht)

§ 61 PStG (Einsicht)

 

 

 

-          Suche ohne Vermittlung des Jugendamtes

 

Sie haben (über ihre Adoptiveltern / Personenstandsurkunde (Abstammungsurkunde)/ sonstige Unterlagen) den Namen und die Adresse Ihrer Mutter in der Hand. Jetzt stellt sich die Frage, wie geht man vor?  Telefon – Brief – oder Besuch?

 

Wir würden immer empfehlen, den ersten Kontakt per Brief herzustellen. Bedenken Sie bitte, auch wenn das Gefundenwerden für Ihre Mutter positiv ist, erlebt sie i.d.R. eine tiefe Erschütterung, die verkraftet werden muss. Einen Brief kann man sich immer wieder durchlesen und dann antworten, wenn sich die ersten Gefühlsstürme etwas gelegt haben.

 

Sollten Sie den Telefonweg wählen, würden wir in jedem Fall davon abraten z.B. auf den Telefonanrufbeantworter zu sprechen:

 

„Guten Tag, Frau …, mein Name ist …, bitte rufen Sie mich zurück.“

 

Und wenn Frau … dann zurückruft und am anderen Ende erfährt, dass sie nach 25 Jahren ohne es zu wissen, ihre/n eigene/n Tochter/Sohn angerufen hat, fällt sie vor Schock erst einmal in Ohnmacht (oder je nach Verfassung tot um ;-).

 

Von einem persönlichen Besuch für die erste Kontaktaufnahme raten wir ab. Sie wissen normalerweise nichts oder wenig über Ihre Mutter und es kann für Sie evtl. zu einer unerfreulichen Begegnung werden, die sie sich selbst ersparen sollten. In ihrer Überraschung könnte Ihre Mutter vielleicht ganz anders reagieren, als sie es nach einer Phase der Vorbereitung tun würde.

 

Unserer Meinung nach ist die erste Kontaktaufnahme über das Telefon nur bedingt, ein persönlicher Besuch meistens aber nicht geeignet, um die erste „Hürde“ zu nehmen.

 

 

 

Der erste Kontakt - Mütter

 

Mütter haben nur zwei Möglichkeiten nach ihren Kindern zu suchen. Über das Jugendamt oder über verschiedene Suchdienste. In beiden Fällen gibt es i.d.R. nur den schriftlichen Weg.

 

-          Über das Jugendamt

 

Sie wenden sich an das Jugendamt mit der Bitte um Kontaktaufnahme zu ihrem Kind. Ist das Jugendamt kooperativ wird es versuchen, den Aufenthaltsort der/s volljährigen Adoptierten zu ermitteln und ihr/ihm Ihren Kontaktwunsch weiterleiten.

Häuft schreibt das Jugendamt aber zunächst die Adoptiveltern an. Geben die Adoptiveltern ihr Einverständnis, nehmen diese oder das Jugendamt Kontakt mit ihrem Kind auf. Evtl. können Sie auch einen persönlichen Brief beilegen.

 

Verweigern die Adoptiveltern die Kontaktaufnahme, haben Sie je nach Einstellung der Jugendamtsmitarbeiter kaum eine Möglichkeit etwas dagegen zu unternehmen, egal wie alt Ihr Kind mittlerweile auch sein mag. Sie können es lediglich nach einiger Zeit nochmals versuchen und darauf hoffen, dass sich die Einstellung geändert hat oder dass Sie auf eine/n aufgeschlossenere/n Sachbearbeiter/in stoßen.

"Regula Bott: Als Begründung für die Vorab-Anfrage (der Jugendämter) bei den Adoptiveltern wurden und werden unterschiedliche Argumente herangezogen, die allesamt nicht überzeugen können. So wird manchmal schlicht die eigene Arbeitserleichterung als Grund genannt, weil die aktuelle Adresse der erwachsenen Adoptierten auf diesem Wege schneller zu erfahren sie. Oder es wird auf die natürlichen Rechte und Pflichten der Adoptiveltern nach Art. 6 Grundgesetz verwiesen. Solange nicht bekannt sei, ob eine Aufklärung über die Adoption erfolgt ist, wäre die direkte Ansprache der erwachsenen Adoptierten ein unzulässiger Eingriff in die adoptiv-elterlichen Rechte. Dieses Argument durfte und darf allenfalls für minderjährige bzw. heutzutage nur noch für unter 16-jährige, auf keinen Fall aber für erwachsenen Adoptierte gelten! Tatsächlich scheint wesentlich für die Vorab-Anfrage die ungebrochene und unreflektierte Identifikation der Vermittlerinnen und Vermittler mit den Adoptiveltern zu sein, denen eine absolute elterliche Verantwortung und Entscheidungsbefugnis quasi unendlich und unbegrenzt zugestanden wird. Ein derartiges lebenslanges Veto-Recht von Eltern ist bei keiner anderen Familienkonstellation vorgesehen oder auch nur vorstellbar!"*

 

 

-          Über Suchdienste

 

Sofern es professionellen Suchdiensten gelingt, den Namen und die Anschrift Ihres Kindes zu ermitteln, wird dieses angeschrieben und gefragt, ob es Kontakt haben möchte. Ist die Antwort positiv, erhält es Ihre Zugangsdaten und kann Sie anschreiben. Ist die Antwort negativ, haben Sie keine weitere Möglichkeiten einer Kontaktaufnahme Ihrerseits. Beachten Sie bitte, dass Sie in jedem Fall die Gebühren bezahlen müssen, wenn der/die Gesuchte gefunden wurde. Die meisten Suchdienste verlangen sogar in jedem Fall eine Bezahlung, egal ob der/die Gesuchte gefunden wurde oder nicht.

 

Eine weitere Suchmöglichkeit gibt es über verschiedene private Homepages, die oft eine Kartei für Suchende eingerichtet haben.

 

Sinngemäß gilt für die erste Kontaktaufnahme durch Mütter das Gleiche wie für Adoptierte. Rechnen Sie von vorneherein mit einer mehr oder weniger langen Wartezeit nach der ersten Kontaktaufnahme, damit Sie nicht zu sehr frustriert sind, wenn wieder keine Antwort im Briefkasten liegt.

 

-          Über Google (Internet)

"Über Google" steht hier in dieser Aufzählung zwar als letzter Weg, es könnte aber auch der erste und erfolgsversprechende sein.

 

* Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle (Hrsg.):

"Die Unterstützung bei der Suche von und nach Adoptierten

ist eine Frage der Einstellung

und nicht ein Problem von – fehlenden – Paragraphen."

Zu bestellen ist die Handreichung unter: Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle, Regula Bott, Zentrale Behörde für Auslandsadoption, Südring 32, 22303 Hamburg, Tel.: 040/428635005,

E-Mail: gza@bsf.hamburg.de

 

Zu den rechtlichen Grundlagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen sind zuallererst das Persönlichkeitsrecht und die Menschenwürde zu nennen (Art. 2 in Verbindung mit Art 1 Grundgesetz). Sie erfordern, dass ein Mensch Kenntnis von seiner Abstammung erhalten kann – Bundesverfassungsgericht: Beschluß v. 18.01.1989, FamRZ 1989, 147; Urteil v. 31.01.1989, FamRZ, 1989, 225.

 

Darüber hinaus sind zu beachten: die „UN-Kinderrechtskonvention“ Art. 7 und 8 sowie das „Haager Übereinkommen über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption“, Art. 30.

 

Im Adoptionsvermittlungsgesetz gibt es mit dem neuen § 9 B AdVermiG in der Fassung vom 1. Januar 2002 erstmalig eine klare Vorgabe für die Aktenaufbewahrungsffrist und das Akteneinsichtsrecht. Einzubeziehen sind außerdem SGB X § 25, BGB § 1758 (mit Einschränkung) sowie PStG § 61.

 

Und schließlich ist noch darauf hinzuweisen, dass:

 

  • die Vormundschaftsakten im Zusammenhang mit Adoption grundsätzlich unbegrenzt aufbewahrt werden müssen; Adoptionen werden vom Vormundschaftsgericht beschlossen, so dass in den dortigen Unterlagen die persönlichen Daten über die von der Adoption betroffenen Personen vorhanden sind. Die unbegrenzte Aufbewahrung von Vormundschaftsakten im Zusammenhang mit Adoptionen ist von besonderer Bedeutung für Anfragen, bei denen die Daten über die gesuchte/n Person/en nur unvollständig bekannt sind bzw. die Unterlagen in der Vermittlungsstelle des Jugendamtes vernichtet wurden oder verloren gegangen sind. Auch bei der Auskunftsverweigerung von Standesämtern mit Bezug auf den § 61 PStG können die Vormundschaftsakten weiterhelfen.
  • die Meldebehörden grundsätzlich Auskünfte erteilen müssen über den aktuellen Wohnort einer im Melderegister verzeichneten Person, ohne dass es einer besonderen Begründung bedarf. Wichtig sind dabei die Informationen über den Vor- und Nachnamen, das Geburtsdatum und den Geburtsort sowie möglichst eine frühere Adresse. Auskünfte werden nur dann nicht gegeben, wenn bei einer Person aus Gründen der Sicherheit ein Sperrvermerk vorhanden ist, was aber sehr selten vorkommt. Für Behörden sind Auskünfte aus dem Melderegister gebührenfrei, private Anfragen sind kostenpflichtig. Die Gebühren werden von den Bundesländern selbst festgelegt und können daher unterschiedlich hoch sein. In Hamburg (Stand: 1/2005) beläuft sich die Gebühr für eine einfache Antwort auf 6,00 €, für eine Archivauskunft auf 16,50 €.

 

 

 

Allgemeines

 

Jede Inkognitoadoption hat im Leben der Betroffenen tiefe Spuren hinterlassen. Auf beiden Seiten gab es einen Verlust. Jeder verarbeitet das anders, aber kaum einer der Beteiligten hat dies ohne seelische Schäden überstanden.

 

Bevor Sie sich auf die Suche machen, werden Sie sich klar darüber, was Sie zu finden hoffen und wie weit Sie dazu bereit und in der Lage sind, einen anderen Menschen in Ihr Leben einzulassen. Informieren Sie sich  v o r  der Suche über die „andere Seite“. Über Adoptierte gibt es reichlich Lektüre, mittlerweile aber auch einige Publikationen über abgebende Mütter. Versuchen Sie, für die seelischen Verletzungen der anderen Seite Verständnis aufzubringen.

 

Nehmen Sie sich Zeit und gehen Sie behutsam miteinander um.

 

Als Adoptierte/r bedenken Sie bitte, dass, je länger die Adoption zurückliegt, die abgebenden Mütter früher in den meisten Fällen von allen alleine gelassen und oftmals von ihrer Umgebung geächtet wurden. Wenn Sie den Kontakt hergestellt haben, kann es sein, dass Ihre Mutter erst einmal ihr eigenes Adoptionstrauma aufarbeiten muss. Möglich ist auch, dass der Ehemann, Geschwister und das gesamte Umfeld nichts von der Adoption wissen, wodurch die gefundene Mutter sich in einer Ausnahmesituation befindet, mit der sie häufig zunächst nicht zurechtkommt. Gespräche über die Vergangenheit sollten vorsichtig angegangen werden. Haben Sie zuerst Kontakt mit dem Vater aufgenommen, bedenken Sie bitte, dass viele Mütter von den Vätern häufig wegen der Schwangerschaft verlassen wurden und dadurch erst der Weg in Richtung Adoption führte.

 

Müttern sollte vor der Suche bewusst sein, dass sie kein Kind mehr vorfinden werden sondern einen erwachsenen Menschen, der eine Entwicklung hinter sich hat, von der sie nichts wissen und an der sie nicht teilhatten. Vielfach werden sie zumindest vorübergehend Schuldzuschreibungen erleben oder den Vorwurf hören, dass sie ihr Kind weggeben haben, weil sie es nicht wollten. Auch wenn Sie alle Umstände und Gründe darlegen, machen Sie sich darauf gefasst, dass Ihr Kind es nicht versteht oder anders sieht. Das muss nicht so sein oder es kann sich im Laufe der Zeit wandeln. Manchmal verstehen sich Mütter und Kinder auch vom ersten Moment an.

 

Adoption ist ein Vorgang der tief in das elementarste Empfinden eines Menschen eingreift. Sowohl während der Suche, als auch später beim kennen lernen, wird es auf beiden Seiten viele Höhen und Tiefen geben. Adoptierte und Mütter sollten sich vor und während der Suche die Unterstützung anderer Menschen sichern, in der Familie, bei Freunden und/oder durch eine Selbsthilfegruppe. In einer Selbsthilfegruppe haben Sie Kontakt zu anderen Menschen mit gleichem Schicksal, die sich gegenseitig unterstützen, bei Problemen helfen oder sich auch ganz einfach mit Ihnen freuen.

Wir drücken Ihnen die Daumen für eine erfolgreiche Suche und wünschen viel Glück für die Zeit danach.

 

* * * * *

 

Literatur

 

Lifton, Betty Jean – „Adoption“
„Woher komme ich? – Wer sind meine Eltern?“
Das sind die Fragen, die sich jedem Adoptierten aufdrängen, und es sind auch die Fragen, aus denen die Probleme seiner Adoptiveltern und seiner natürlichen Eltern entstehen. Betty Jean Lifton gibt Antworten und begründet sie mit den Erfahrungen, die sie aus ihrem eigenen Schicksal und den Schicksalen vieler anderer Adoptierter gewonnen hat. Ihr Buch ist eine Hilfe für alle die Wege aus dieser Not suchen.



Lifton, Betty Jean – „Zweimal geboren“
Betty Jean Lifton ist eine Adoptivtochter, die sich dazu entschloss, ihre biologischen Eltern wiederzufinden. Sie erzählt die spannende Geschichte ihrer Suche und schildert, was sie empfand, als sie ihr Ziel erreicht hatte. Ihr Buch ist zu einer Art Bibel geworden für viele Adoptierte, die nach ihren verborgenen Ursprüngen suchen.



Harms, Edda / Strehlow Barbara – „Adoptivkind – Traumkind in der Realität“
Psychoanalytische Einblicke in die Probleme von adoptierten Kindern und ihren Familien. Adoptierte Kinder sind zumeist in besonderer Weise Wunschkinder, erträumte und herbeigesehnte Kinder von Eltern, die auf natürliche Weise keine Kinder bekommen können. Dabei sind gerade die Probleme dieser Familien nicht geringer, sondern eher größer als in so genannten Normalfamilien, wie die überdurchschnittliche Zahl der psychotherapeutischen Behandlungen von Adoptivkindern zeigt. Hilfe kann ihnen nur angeboten werden, wenn die inneren Gründe und Gesetzmäßigkeiten ihrer Situation erkannt werden. Das Buch enthält eine sorgfältige Auswahl von psychoanalytischen Arbeiten, die Einblick gewähren in die verborgenen Fantasien und Ängste dieser Kinder und Erwachsenen.



Swientek, Christine – „Ich habe mein Kind fortgegeben“
Tausende von Elternpaaren wünschen sich ein Adoptivkind, warten darauf, dass eine Frau so sehr in Not gerät, dass sie ihr Kind fort geben muss. Vermittlungsstellen bemühen sich, die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen. Das Wohl der leiblichen Mutter spielt dabei nur eine Rolle, bis sie das Kind abgeliefert, den Vertrag unterschrieben hat. Ob sie den Verlust überwindet? Ob sie ein Leben lang darüber schweigen muss? Ob sich nicht auch Wege hätten finden lassen, um das Kind selbst aufzuziehen? Diese Fragen werden leichthin beantwortet, indem man die Mutter für unmoralisch oder unfähig erklärt, zu ihrer Not also noch Verachtung fügt. Die Frauen können sich nicht wehren. Und ihre Kinder? Die meisten wissen nicht viel über ihre Mütter, über deren Zwangslage, ihren Verzicht, ihr Bedauern oder Vergessen. Christine Swientek, Sozialarbeiterin und Diplom-Pädagogin, hat nach mehrjähriger Arbeit in einer Adoptionsvermittlungsstelle ihre Erfahrungen, ihre Kritik und ihre Gespräche mit abgebenden Müttern aufgezeichnet.
(Anmerkung: Dieses Buch ist nur noch im Antiquariat erhältlich.)


Swientek, Christine – „Die „abgebende Mutter“ im Adoptionsverfahren“
Theorie und Praxis der Frauenforschung. Eine Untersuchung zu den sozioökonomischen Bedingungen der Adoptionsfreigabe, zum Vermittlungsprozess und den psychosozialen Verarbeitungsstrategien.
„Nach der Adoption ist alles vorbei. Alles in Körper und Seele schreit nach dem Kind – Adoption ist Amputation!
(Anmerkung: Dieses Buch ist nur noch im Antiquariat erhältlich.)



Swientek, Christine – „Adoptierte auf der Suche …“
Was passiert, wenn Adoptivkinder ihre leiblichen Eltern suchen? Wie können Adoptiveltern dazu beitragen, damit ihre geliebten Kinder sich ihrer Herkunft vergewissern und sich produktiv mit ihrer besonderen Geschichte auseinandersetzen können? Was ist bei Auslandsadoptionen zu beachten? Christine Swientek hat über lange Jahre sowohl Adoptierte wie Adoptiveltern und auch die abgebenden Mütter betreut: Sie nimmt die Gefühle aller Betroffenen ernst – und plädiert für Offenheit, von Anfang an.

 

Wendels, Claudia – „Mütter ohne Kinder“
Wie Frauen die Adoptionsfreigabe erleben. 
Während Adoptiveltern und Adoptivkinder in den letzten Jahren verstärkt an die Öffentlichkeit getreten sind, verharren Mütter, die ihre Kinder zur Adoption freigegeben haben, weiterhin in der Anonymität. Wenn sich solche Frauen zu Wort melden, müssen sie noch immer Anfeindungen befürchten. Gelten sie doch vielfach als Rabenmütter, die ihr Kind im Stich gelassen haben, um ein unbeschwertes Leben führen zu können. - Wer bringt schon Verständnis auf für eine Mutter, die ihr Kind weggibt und später darüber klagt, dass sie es vermisst? In diesem Buch gibt Claudia Wendels diesen Frauen erstmals Gelegenheit, offen über ihre Motive und Empfindungen zu sprechen. Sie zeigt, wie wir ihre Sorgen und Nöte besser verstehen können, wenn wir ihre Reaktion als Trauer um ihr abgegebenes Kind begreifen. Darüber hinaus gibt das Buch wertvolle Hinweise dazu, wie solchen Müttern effektiver geholfen werden kann.



Smentek, Günter – „Die leiblichen Eltern im Adoptionsprozess“
Neue Wege in der Adoptionsvermittlungspraxis – gegenseitiger Respekt, Achtung und mehr Offenheit zwischen Adoptiv- und leiblichen Eltern. Die Besonderheit dieses Buches besteht darin, das Thema „Adoption“ aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Ja nach Standort und Rolle der Beteiligten wird der Adoptionsprozess anders erlebt. Fachkräfte der Adoptionsvermittlungsstellen unternehmen den Versuch, die Beweggründe der Mütter/Eltern, die ihr Kind zur Adoption gegeben haben, zu benennen und die „seelische Not“, die damit verbunden ist, zu beschreiben. Betroffene Eltern schildern, wie sie die Abgabe des Kindes erlebt haben. Engagierte Vertreter und Vertreterinnen von Interessenverbänden beschreiben ihre Sicht des Adoptionsprozesses.


Rolf P. Bach – „Gekaufte Kinder – Babyhandel mit der Dritten Welt“

Kindermangel in der Ersten Welt, Kinderüberschuss in der Dritten Welt; fast zwangsläufig kommt es zu einem massenhaften Kinder-Transfer von Süd nach Nord. Das jahrtausendealte Recht auf Adoption dient dabei als zivilisatorisches Transportvehikel, um die Unmenschlichkeit solcher Aktionen nicht zu offenkundig werden zu lassen. Das Wohl der Kinder, das alle im Munde führen, bleibt auf der Strecke, denn die selbsternannten „Wohltäter“ sind überwiegend kriminelle Geschäftemacher.


Schreiner, Haro – „Adoption – warum nicht offen?“
Offene Adoption heißt, die Geburtsmutter sucht zusammen mit dem Jugendamt die Adoptiveltern aus und verbleibt im Kontakt mit der Adoptivfamilie – nicht als Mutter sondern als gute Bekannte. Erbrechtorientierung, biologisches Familienmodell und die „Machtergreifung der Experten SozialarbeiterInnen“ führten zur heutigen Praxis der Inkognitoadoption – d.h. das Kind verschwindet im „schwarzen Loch“.

 

Paulitz, Harald – „Offene Adoption – ein Plädoyer“

Offene Adoption - was ist das? Im Gegensatz zur noch vorherrschenden Inkognito-Adoption kennen sich leibliche Eltern und Adoptiveltern. Sie tauschen Informationen, Briefe und Fotos aus, haben vielleicht auch persönlichen Kontakt. Die teils schwerwiegenden Folgen der Inkognito-Adoption sind in der breiten Öffentlichkeit weithin unbekannt. Sie reichen von Identitätsproblemen über psychosomatische Beschwerden bis hin zu Suizidversuchen. Obwohl bereits zwei Drittel der SozialarbeiterInnen in der Adoptionsvermittlung die offene Adoption befürworten und auch in Politik und Wissenschaft die inhumanen Aspekte der Inkognito-Adoption zunehmend erkannt werden, wird jedoch nur ein knappes Drittel der Adoption offen durchgeführt. Dieses Buch führt den Widerspruch des Inkognito-Systems zum Streben nach Transparenz, Kooperation und Partizipation in der modernen Gesellschaft vor Augen. Gleichzeitig beschreibt es sehr anschaulich und sensibel die Chancen und Vorteile der offenen Adoption: Hier soll niemand benachteiligt oder ausgegrenzt werden. Zahlreiche Beispiele belegen dies auf anschauliche Weise und machen Mut, der offenen Adoption zum Durchbruch zu verhelfen.Harald Paulitz, Dipl.-Sozialpädagoge, leitet die Zentrale Adoptionsstelle des Landeswohlfahrtsverbandes Baden - Landesjugendamt -, Karlsruhe.

 


Krolzik, Volker – „Pflegekinder und Adoptivkinder im Focus“
Der dritte Band der „Wittlaerer Reihe“ wendet sich an Pflege- und Adoptiveltern, Fachkräfte in Pflegekinder- und Adoptionsdiensten freier und öffentlicher Träger, Studierende und Lehrende der Sozialen Arbeit und der Psychologie. Er bringt Beiträge renommierter Autorinnen und Autoren zu verschiedenen Aspekten des Zusammenlebens mit Kindern und Jugendlichen, die von ihrer bisherigen Lebensgeschichte belastet sind.
In den vier Hauptkategorien
-                     Familienpflege als Hilfe zur Erziehung
-                     Elternschaft und Familie
-                     Adoption: Annahme des eigenen Schicksals
-                     Medizinische Aspekte der Pflege- und Adoptionsvermittlung
werden insgesamt zwölf Beiträge veröffentlicht, die allesamt die betroffenen Kinder und ihr Wohl in den Mittelpunkt stellen.



Wiemann, Irmela – „Ratgeber Adoptivkinder“
Adoptivkinder brauchen besonders viel Verständnis und Hilfe bei der Bewältigung ihrer besonderen Lebenssituation. Dieses Buch gibt Orientierung für alle, die planen oder sich wünschen, ein Kind anzunehmen. Es gibt Impulse, Anregungen und Hilfen für das adoptierte Kind und für alle, die mit Adoption zu tun haben: Adoptiveltern, abgebende Eltern, Großeltern, Verwandte und Nachbarn. Ebenso wichtig ist das Thema für Jugendämter, Rechtspflege, Gerichte, Schule und Kindergarten. Dieses Buch macht allen am Adoptionssystem beteiligten Menschen Mut, den Adoptionsprozess bewusst und dem Kind gegenüber ehrlich und konstruktiv zu gestalten.



Ulrich, Holde-Barbara – „Schattenmütter“
Hanna, Irene, Nicole, Larissa, Doris, Inge … sie alle haben ihre Kinder zur Adoption gegeben. Als sie es taten, waren sie in größter Not. Noch viele Jahre danach quälten sie sich mit Selbstanklagen und der tiefen Sehnsucht nach den „verschollenen“ Kindern. Einigen gelang es, sie wiederzufinden. Andere hatten das große Glück, von ihnen gesucht und gefunden zu werden. Zwölf intime Porträts über Mütter, Töchter, Söhne. Und über neu gewonnene Eltern.

 

Sieber, Ursel / Stamer, Sabine – „Rabenmütter?“
Frauen geben ihr Kind zur Adoption frei. Welche Lebenssituation, welche Gründe bringen sie dazu? Fast alle Mütter zweifeln ein Leben lang an ihrer Entscheidung und leiden darunter, doch auf Mitgefühl und Verständnis können sie nicht bauen. Selbst Freunde und Verwandte wenden sich vorwurfsvoll ab von der „herzlosen Rabenmutter“. Mütter, die ihr Kind weggegeben haben, erklären, wie sie mit dem folgenreichsten Entschluß ihres Lebens fertig werden. Adoptivkinder und Adoptiveltern antworten aus ihrer Sicht.



Kowalczyk, Charly - Immerhin hatte ich Eltern
ist ein Buch, das Schicksale von inzwischen erwachsen gewordenen Adoptiv- und Pflegekindern sammelt. Die Geschichten sind vielseitig, grausam, schön, ins Herz treffend. Sie sind auch ein Stück Zeitgeschichte. Für fast alle Adoptiv- und Pflegeeltern war es schwierig, mit der Herkunft der Kinder zurechtzukommen. Das Verschweigen oder die Verteufelung der leiblichen Eltern hinterlassen Spuren im Leben der Kinder. Dieses Buch kann einen Beitrag dazu leisten, Probleme von Adoptiv- und Pflegekindern besser zu verstehen.



Kowalczyk, Charly – „Mama und Papa sind meine richtigen Eltern“
14 Pflege- und Adoptivkinder erzählen ihre Geschichte. Mit Mut berichten sie von ihren Erlebnissen, die manchmal dramatisch und traurig, manchmal heiter und spannend sind. Viele sind zerrissen von den Gefühlen, die sie ihren „doppelten Eltern“ entgegenbringen. Manche sehnen sich nach einem Kontakt zu ihren leiblichen Eltern, andere brechen die Beziehung zu ihnen ab oder wollen sie erst gar nicht aufnehmen. Manche müssen sich auch aus ihrer Pflegefamilie befreien. Jeder der 14 Geschichten ist einzigartig, aber alle zeigen, dass Kinder auch in scheinbar aussichtslosen Situationen nicht verloren sind. Das Buch möchte Adoptiv- und Pflegeeltern auffordern, ihren Kindern zuzuhören. Es soll Kindern und Jugendlichen Mut machen, ihre Geschichte zu erzählen.

 

Claudia Guderian – „Wo komm ich eigentlich her?“
Eine Adoptierte auf der Suche nach ihren eigenen Wurzeln – Nachwort von Christine Swientek

 

Wer bin ich? Wo komm ich eigentlich her? – Jedes Kind stößt irgendwann, ob früher oder später, auf diese Fragen. Als Claudia sie stellt, weil sie sich endlich von rätselhaften Unsicherheiten und quälenden Ahnungen befreien will, löst sie damit eine Lawine aus. Es lässt sich nicht mehr verheimlichen: Claudia ist adoptiert. Eine junge Frau findet auf der spannenden Suche die Wahrheit – und vor allem: sich selbst.

 

Josef Faltermeier – „Verwirkte Elternschaft?“
Fremdunterbringung – Herkunftseltern – Neue Handlungsansätze

 

Soziale Arbeit soll lebensweltbezogen, klienten- oder kundenorientiert sein. Wohin die Ansprüche einen führen, wenn man sie ernst nimmt, zeigt Josef Faltermeiers Arbeit über „Herkunftseltern“. In sorgfältiger qualitativer Sozialforschung, über lange biographische Interviews eröffnet er einen Zugang zu den Lebensgeschichten und subjektzentrierten sozialen Welten einer Gruppe von Eltern, vor allem Müttern, die unter dem bürokratischen Begriff „Herkunftseltern“ bislang auch aus dem fachlichen Diskurs eher ausgeblendet worden sind. Er führt die LeserInnen an belastende Lebensgeschichten heran, an die dramatischen, tragischen Prozesse, die zur Inpflegegabe von Kindern führen; er macht deutlich, welche Erfahrungen die Eltern mit Helfern, so dem Jugendamt und seinen Fachkräften gemacht haben – Erfahrungen, welche den Selbstdeutungen der HelferInnen oft kräftig entgegenstehen. Eindrücklich ist der Nachweis, dass und wie Frauen auch in widrigsten Umständen versuchen, ihren Kindern aus ihrer Sicht gerecht zu werden. Das Buch gibt so vielfältige, sehr konkrete Einblicke in fremde Wirklichkeiten; es zeigt sozialwissenschaftlich Prozessverläufe und deren Kontexte auf, die empirisch gesättigte theoretische Einsichten erlauben, und: es führt exemplarisch vor, durch welche Anstrengungen methodisch angeleiteten Forschens es Fachkräften möglich wird, die Grenzen des eigenen Vorhabens zu erweitern. (Prof Dr. Werner Schefold, München)