Margrit und Nicole

 

 

“Zeitlebens SCHULDIG“

 

 so nenne ich meine Geschichte, da mir gefühlsmäßig so zu Mute ist.

 

1973 lernte ich den „Erzeuger“ meiner Tochter kennen.“ Nicht „standesgemäß“ für Dich meinten die fürsorglichen „Eltern“ und was will ein 20 Jähriger von einer „geraden 13jährigen? Dass ich ihn lieb hatte, davon wollte niemand „etwas hören“. Meine „Eltern haben „alles“ verboten, die „Eltern meines Freundes „alles“ gefördert, geduldet und für gut befunden! Sehr moderne Eltern mit großem Verständnis für unsere „heimliche Liebe“. Der Stress zu Hause war vorprogrammiert. Damals, habe ich meine Eltern zu keinem Zeitpunkt verstehen „wollen“ bzw. können! Da ich von Tag zu Tag mehr entglitten bin, baten die „besorgten „Eltern“ um „Hilfe durch das „Jugendamt!!!!

 

Eines Tages wurde ich einfach „so abgeholt“ „VOM JUGENDAMT“ zum Wohle „meiner Person“, Diese brachten mich in eine „fremde „Stadt“, damit ich Abstand gewinne, wieder einen „klaren Kopf“ bekomme und nun endlich anfange meinen Freund zu vergessen. Das war nicht möglich, da ich schon schwanger war!! Mein Kind wollte ich behalten, das stand fest. Einen „Vormund“ bekam ich und meine Eltern hatten nun auch keinen Einfluss mehr auf meinen kommenden „Werdegang“. Zu meinen Eltern bestand nur brieflicher Kontakt, hin und wieder durften „sie mich auch besuchen“. Ihre Ratlosigkeit stand ihnen buchstäblich im Gesicht geschrieben und wir alle waren „traurig“ bei den Besuchen und die Frage stellte sich, ob meine Familie „Richtig „im Sinne meiner Person mit dem Kind im Bauch entschieden hat.

 

Trotz der unschönen Umstände freute ich mich so sehr auf mein Kind und große Hoffnung und „Zuversicht“ waren meinerseits stets vorhanden. Der Kontakt zu meinem Freund blieb verboten, seitens Eltern, seitens Jugendamts. Eine sehr schwere Situation für mich. Es gelang mir stets „schlechtes, negatives aus meinem Kopf zu verbannen, damit nur Freude „aufs „Kind zugegen war. Dass es alles nur ein „Verdrängen“ der Probleme war wusste ich. Aber ich vertraute meinen Eltern und dem „Jugendamt“. Einerseits hatten meine Eltern mit dem hiesigen Jugendamt zu tun (obwohl es meinen Vormund gab, in der anderen Stadt).und als meine geliebte Tochter geboren wurde, bekam sie wiederum einen „eigenen „Vormund. Niemals habe ich „irgendeinen Vormund gesehen, noch gesprochen!! Da ich in einem „Mutter (Kinderheim) untergebracht war, sah ich „optimistisch“ in meine „Zukunft.“ Das es sehr „traurig war,“ alleine schwanger zu sein, ohne „Hilfe“ der Familie und Freund, ist wohl jedem Betroffenem klar. Als „Nicole“ geboren wurde war ich 15 Jahre alt und noch Schülerin. 4 Monate versorgte ich als „LIEBEVOLLE (junge Mutter) meine Tochter  Und „eines Tages komme ich von der Schule zurück und mein Kind ist weg“! Am liebsten wäre ich auf der Stelle „Tot gewesen“.

 

 

 

 

Man hat mir nicht „mein Stofftier“ genommen, sondern mein geliebtes Kind. Hilfestellung war das, damit ich „wieder „Frei“ leben darf, ohne mütterliche „Verpflichtungen“. Und ich sei doch noch so „jung“. Es kommt ein neuer Mann in mein Leben und ich kann doch noch „Neue Kinder“ bekommen. “Später“ wenn ich erwachsen bin. Mein Kind wurde „zwangsadoptiert“ unter „positiven Aspekten“, für Mutter und Kind.“ Mein „Vormund“ hat „So“ über unsere menschliche „Katastrophe“ entschieden. Meine Eltern wären mit einer vorübergehenden „Pflegefamilie“ einverstanden gewesen. Doch „Niemand“ vom „Jugendamt“ meldete sich jemals bei meinen Eltern!!! Das Jugendamt sagte. “MEINE ELTERN“ wollten es so mit der „Adoption“ durchsetzen. Das stimmt nicht!!! „Meine Eltern meinten, das „Jugendamt“ hilft mir weiter, da es ja „Meinen Vormund“ gab! Das Jugendamt wollte mir niemals helfen, sie wollten nur mein Kind. Niemals haben „Amt und Eltern“ „Zusammengearbeitet“!!! Und ich konnte mir mit 15 Jahren „leider“ nicht helfen. Kannte keine „Rechte“ aber meine mütterlichen Verpflichtungen aus „Liebe zum Kind“. Es war niemand für mich „persönlich“ zuständig der „Hilfestellung“ gewährte. Nicole und ich hatten „niemals“ einen „kompetenten Ansprechpartner“ für unsere „SO WICHTIGEN BELANGE“ !!

 

2 Jugendämter, Nicoles „Vormund“, mein „Vormund“ „Keiner“ hat mit „Keinem“ nach Lösungen gesucht“! ALLES ist einem „Jedem entglitten“. Alle haben sich „versündigt“, ein Kind von der Mutter zu trennen. In unserem „Fall“ können wir niemanden „anklagen“, da ein jeder „sein Bestes“ für „uns“ getan hat!!! An dem Morgen als mein Kind abgeholt wurde hat es „fürchterlich geweint“. So, als ob sie es schon gespürt hat was gleich passieren wird. Andere Mütter erzählten es mir. Darunter litt ich zeitlebens. Die „Schreie“ vom Kind zu hören und nicht „helfen können“. Ich stand unter Schock nachdem man mir mein Kind genommen hatte.

 

Meinen Realschulabschluss habe ich noch in der „fremden Stadt“ beendet. Dann bin ich wieder „Nach Hause“. Es war nicht mehr mein Elternhaus, ich war ja auch nicht mehr der „gleiche Mensch“ und mein Kind fehlte mir so so sehr. Ein „menschliches Wrack“ war ich innerlich. Nur nach außen hin führte ich ein so genanntes „normales“ Leben mit “grausamer„ Vergangenheit. So habe ich eine Ausbildung zur „Krankenschwester“ angefangen, da mir der „Beruf“ der Hebamme unmöglich erschien. Es war mal mein Berufswunsch. Doch nun bin ich selbst eine Mutter „ohne Kind“ und es war mir nicht möglich „Kinder auf die Welt zu bringen“. Es tat jeden Tag gleich weh, “Die Trennung vom Kind“. So besann ich mich, mir meine eigenen „Regeln“ in Sachen „Adoption“ zu verordnen. Ich habe versucht „die Adoptiveltern“ über das „Jugendamt“ anzuschreiben, um „eventuell“ Antwort zu erhalten, um in Erfahrung zu bringen, wie mein Kind sich entwickelt. Den Adoptiveltern teilte ich mit, wie sehr mir meine Tochter fehlt und dass sie ein Kind großziehen, welches wirklich vermisst wird.

 

Ob jemals meine Briefe „weitergeleitet“ wurden, wurde zu keinem Zeitpunkt seitens des Jugendamts bestätigt. “Meine Zeilen“ an die „Adoptiveltern“ waren stets mit persönlichen Empfindungen umschrieben. Meine Adresse und Telefonnummer waren den „Eltern“ stets bekannt. Und eines Tages, da war Nicole 2 Jahre alt, meldeten sich die Eltern telefonisch. Bei dem Telefonat liefen die Tränen in Strömen „bei mir“ und zum Ende des Gespräches, bat ich um „Bilder „von meinem Kind“. Am Schluss des Telefonates „“kam meine kleine Tochter ans Telefon und sang ein Liedchen „für mich“, Tagelang war ich so „tief betroffen, dass ich wieder an Selbstmord dachte!! Doch es keimte auch wieder „Hoffnung in mir, dass eines Tages „vielleicht“ “Alles Gut“ wird! Kurze Zeit später erhielt ich „neue Bilder meiner Tochter“, da war ich so richtig fertig mit den Nerven. Tagelang habe ich die Bilder angeschaut mit „Trauer“ und größter „Wehmut im Herzen“. Diese „zwei Leben“ zu führen kostet enorme „emotionale“ Kräfte.

Die vier Bilder, die ich Laufe der Jahre von der A- Mutter erhielt waren briefmarkengroß. Man konnte erkennen das Leute darauf abgebildet waren, aber sonst nichts!!! Über einer Person war immer ein Kreuz, dass war dann wohl meine Tochter. Ich konnte nur ihre Umrisse erahnen!!!

 

Zwischenzeitlich habe ich meinen Ehemann kennen und lieben gelernt. Mit ihm konnte ich „ALLE MEINE SORGEN“ teilen. Meine Schwiegereltern hatten sehr großes Verständnis für „MEINE PERSÖNLICHE SITUATION!“ „Vorsichtig“ teilte ich mit, dass mir mein Beruf „sehr wichtig“ sei und Kinder momentan „KEIN THEMA“!! Jeden Tag lebte ich in Gedanken mit meinem Kind,“ beneidete die Adoptiveltern, das sie“ mein Kind haben! „Sie erlebten ihr Glück“, durch „MEIN UNGLÜCK! Eine furchtbare Situation. Als Nicole 4 Jahre alt war, meldeten sich die A“ Eltern „wieder“, Das Gespräch war grauenhaft, Sie teilten mit, das Nachbarskinder meiner „Kleinen sagten: “DEINE „RICHTIGE MAMA „WOLLTE DICH „NIE“ HABEN ! Das war eine harte Zeit für mich, da ich mir ausmalte „wie mein Kind litt (manchmal dachte ich, “bald“ bekomme ich mein Kind bestimmt zurück).

 

Bis zum nächsten Telefonat mit den „A- Eltern“ musste ich viele Jahre warten. Nun war Nicole 8 Jahre alt. In Therapie sei mein Kind bezüglich der Adoption“ ansonsten sei die Entwicklung sehr gut. Das waren große Niederlagen für mich. Meine Gedanken kreisten nur um mein Kind und um „diese Therapie. Irgendwie habe ich mich „stark“ gemacht für mein Kind, habe „Hoffnung und den Glauben“ an das „Gute“ in mir getragen. Auch das „Beten“ hat mir geholfen, meine „Zuversicht“  nicht zu verlieren. Im 7. Ehejahr wurde unser Sohn geboren. Diese Schwangerschaft war gepaart mit „Freude und Leid“. Ich habe zu „Gott gebetet“, dass  „es ein Junge“ wird. Eine „Tochter“ hätte mir „moralisch“ erneut „das Herz“ beschwert. Nun „durfte ich eine „glückliche Mutter sein. Das war ich auch, doch hat mein 2. Kind mich niemals für „MEINE  ERSTGEBORENE“ entschädigt.

 

Die Gedanken waren „immer“ bei meiner Tochter. Mittlerweile war Nicole 16 Jahre alt. Bei dem nächsten „Anruf“  „WAR  SIE“ mein Gesprächspartner!!“ Völlig fertig war mein Kind, (ich auch)und das Telefonat sehr, sehr „traurig!!!    Nun hatte ich die Adresse und Telefonnummer der „Adoptiveltern“. Doch mir wurde „wieder so schwer“ ums „Herz“. Sie hatten es nicht „verdient“, dass ich nun ihre „heile“ Welt zerstöre. Natürlich habe ich angerufen, teilte aber mit, mich sehr „loyal“ zu verhalten „aus DANKBARKEIT“ da mein Kind es gut „angetroffen hatte.“ DAS war so eine schwierige „Sachlage“ am liebsten hätte ich mein Kind zu mir geholt. „Ich wusste, dass die Zeit“ für mich arbeitet. Doch es sollte „fair“ bleiben um niemandem „weh“ zu tun. Als Nicole 19 Jahre alt war, trafen wir uns das „ERSTE  MAL.“ Keinen klaren Gedanken hatte ich mehr in meinem Kopf. „Unser Treffen“ war anders als man es sich so vorgestellt hätte. “Wir waren so stark“ gefühlsmäßig „betroffen, dass wir gar nichts „realisieren“ konnten.

 

Ein Kind sieht „seine „leibliche „Mutter.“  eine Mutter sieht ihr Kind nach 19 Jahren wieder!!! „Wir waren beide „wochenlang“ todkrank!!!

 

Es vergingen viele Monate, bis wir wieder voneinander hörten. Nicole wurde nun selbst „Mutter“. Wir besuchten sie noch im Krankenhaus, da hielt ich vom „Ursprung gedacht“ mein Enkelkind im Arm, da war „CHAOS“ im Kopf. und ich war mit den Nerven echt am „Ende“. Wir  telefonierten nochmals, dann beendeten wir unseren „Kontakt“. Die Adoptivmutter hielt mich auf dem „Laufenden“! Ich meldete mich überhaupt nicht mehr, da ich „ÜBERFORDERT“ war. Mit mir und der gesamten  Situation kam ich nicht mehr klar. Und in „dem normalen Leben“ musste ich ja auch noch „funktionieren“. Wir waren einfach nicht in der Lage unser Glück miteinander festzuhalten.

 

November 2004 war auf meinem Anrufbeantworter eine Nachricht von meiner Tochter, mir den Worten “Mutti, melde dich bitte bei mir! Mittlerweile ist Nicole 29 Jahre alt. Es folgten intensive, lange Gespräche bis tief in die Nacht hinein. Wir gleichen uns sehr. Haben die gleiche Einstellung zum „Leben“, fühlen und empfinden gleich. Wir sind „Seelenverwandte“ in jeder Hinsicht. Alle Gefühle kann man nicht beschreiben, aber als mir meine Tochter in einem Gespräch sagte, “Danke“ Mutti für mein Leben „welches du mir in so „jungen Jahren geschenkt hast“, da war ich sehr ergriffen. Als Nicole ihre Anna auf die Welt brachte, setzte sie sich mit mir nochmals „intensiv“ auseinander und mit unserer Trennung. Heute weiß mein Kind, dass ich sie immer „GELIEBT und VERMISST“ habe. Wir sind sehr vertraut miteinander, gehen ehrlich mit unserer“ Geschichte um. Meine Tochter hat mir in allen Belangen verziehen, das war ein „befreiendes Gefühl. Dass wir 30 Jahre Trennung niemals aufarbeiten können, wissen wir, aber wir wollen unsere Zeit „glücklich“ miteinander verbringen.

 

Vor Wochen war Nicole beim Jugendamt um etwas über uns in Erfahrung zu bringen. Der Sachbearbeiter war sehr nett und höflich.“ In meiner „Akte“ stand geschrieben, “DASS ich trotz „junger Jahre“ eine „Starke BINDUNG“ zum KIND habe!!! Es stand auch geschrieben“, DASS ich unter unserer „TRENNUNG“ sehr stark leide! Diese „Tatsache hat „MICH und mein „KIND sehr „Verletzt“. Da fragen wir uns, “WARUM“ es überhaupt zu einer „ADOPTION“ kommen musste. “Heute wissen wir, dass ein „Kostenträger für unseren damaligen „UNTERHALT“ gesucht  wurde. Da ich „Den Erzeuger“ namentlich  nicht nannte (obwohl beim Jugendamt „bekannt“) begann „UNSERE  menschliche“ KATASTROPHE!“ so nenne ich das. Keine „Hilfe für eine junge Mutter mit Kind. Die Ämter haben sich an uns „versündigt“. Keine Mutter gibt „freiwillig“ ihr „Liebstes“ her. Vor kurzem lernte Nicole ihren „Erzeuger“ kennen. Ihr war das wichtig für ihren „SEELENFRIEDEN“. Nun fühlt sie sich etwas befreit. Kontakt zu ihm lehnt sie ab. Da seine „Lebensumstände nicht mit den „unseren“ übereinstimmen. Hier in meiner „Familie ist Nicole voll „integriert“, versteht sich super gut mit ihrem Bruder, diese Tatsache macht mich zu einem sehr glücklichen Menschen. Erstmalig in meinem Leben bin ich „rundum glücklich und zufrieden“!

 

Die Adoption hat uns viele Sorgen und Probleme bereitet. Es gibt so viele „Betroffene“(all die Familienangehörigen „beider Familien“) es ist ja niemals eine „normale“ Situation in unser „aller“ Leben. Und das wir heute immer noch „viele Nöte“ haben, ist doch auch verständlich (momentan ist die Adoptivmutter sehr enttäuscht über Nicole da sie mit mir Kontakt aufrecht hält), aber gemessen an DEM WAS hinter uns liegt werden wir auch hier nach „angemessenen“ Lösungen suchen. Es wird uns nicht gelingen „Alle“ „glücklich“ zu stimmen. Und es ist ein wirklich „grauenhaftes“ Gefühlschaos in einem jeden von uns. „Eine Adoption“ ist das „härteste LOS“ für „Mutter und Kind“. „Niemals mehr dürfte eine Adoption durchgeführt werden.“ Die Adoption sollte „Probleme“ lösen, aber „Sie hat“ „ALLEN Betroffenen“ nur „größtes Herzeleid“ bereitet. Von den „SEELISCHEN Qualen“ kann ja ein jedes betroffene Kind und jede betroffene Mutter „ein Liedchen“ singen. Mein  ganzes Leben habe ich zutiefst  gelitten, manchmal bin ich sprachlos darüber „DASS ich ES“ überlebt habe. Die Angst von meinem eigenen Kind gehasst zu werden, hat mich immer verfolgt.

 

Die „Geschichte „meines Kindes“ werdet ihr demnächst auch lesen können, und da wird das „erbärmliche Ausmaß“ einer Adoption ja noch so „anders „empfunden“ und dargestellt. Wir sind seelische Krüppel, versuchen aber noch „positiv“ in die Zukunft zu blicken. Ich freue mich sehr auf die glückliche Zeit mit meinem Kind. Meine Tochter ist meine Vergangenheit, meine Gegenwart, meine Zukunft! PS ; Es erfüllt mich mit großem „Stolz“ eine so erwachsene Tochter zu haben, und jede noch so kleine „Ähnlichkeit“ die wir feststellen, macht uns wirklich „glücklich“. Was ich noch „unbedingt“ mitteilen möchte ist folgendes: mein „zweites Kind“ ist um 09:14 Uhr geboren. Nicoles zweites Kind ist auch um 09:14 „geboren“!!! Gemessen an einem 24 Stunden Tag ist dies eine „bedeutsame Übereinstimmung“!!!

 

Allen suchenden Kindern, allen wartenden Müttern und auch wartenden Eltern wünsche ich weiterhin viel Kraft und Mut. Ich danke meiner Tochter für Ihre vorhandene Zuneigung zu meiner Person. Für all Ihre Liebe die sie in sich trägt, für Ihren Mut, erneuten Kontakt zu mir aufgenommen zu haben. Ich bedanke mich bei meiner Tochter für alles Liebe, Gute und Schöne was wir bisher erfahren haben und was wir noch zusammen erfahren werden. Du bist einfach wunderbar, meine Große, ich liebe Dich von Herzen Nicole. In Liebe, Deine Mutter.

 

* * * * *

 

Im November 04 sprach meine Tochter Nicole mir folgendes auf den AB.: Mutti, bitte melde dich doch mal bei mir. Dieses „Muttiiiiii habe ich mir immer wieder angehört. Und es tat so gut von meinem Kind so angesprochen zu werden. Umgehend meldete ich mich bei Nicole. Es folgten Telefonate bis tief in die Nacht hinein, Schlaf fand ich zu diesem Zeitpunkt kaum. Mein Befinden glich dem der „Frischverliebten“. Voller Adrenalin und so ein gesteigertes Gefühl des Wohlbefindens. So so „Euphorisch“.

 

Nun verblieben wir so, dass wir uns schreiben wollten und uns neue Bilder zusenden würden. Als ich meine Post in den Händen hielt, zitterte ich. Und ich musste mich zwingen den Brief nicht noch im Hausflur zu öffnen. Dann betrachtete ich die Schrift meiner Tochter „identisch“ mit meiner. Dann das darauf geklebte „Herzchen“ „identisch mit meinem Brief an Nicole, aber wie der Brief durch einen Tacker zusätzlich geschützt war verschlug mir meine Sprache, denn ich hatte es genauso gemacht!!!! Als Nicole meinen Brief erhielt, lachte sie und sagte es sei ein Wahnsinn, diese verblüffenden Zufälle!!!!! Als mein Mann den Brief von Nicole sah sagte er „Genau wie Du es machst mein Schatz. Und der Ehemann von Nicole war „baff“ über unsere Eigenschaften.

 

Die Bilder von Nicole und Familie schaute ich mir permanent an. Ach, das Herz war erfreut und dann auch wieder unendlich „traurig. Manchmal konnte ich gar nicht begreifen, so eine erwachsene Tochter „Mein“ zu nennen. Wir verblieben, uns im März 05 treffen zu wollen. Die Zeit des Wartens begann. Kontakt hielten wir übers Telefon, per Handy, SMS und per Mail. Und immer wieder schrieben wir uns. In der letzten Nacht vor unserem Treffen telefonierten wir nochmals, und unsere Freude war so groß. (Ich hatte Nicole zu uns eingeladen damit wir ungestört sind in all unseren Emotionen.) Und hier bei mir ist ja das Zuhause von Nicole. Es war soweit, Nicole schellte (und rannte die Treppe hoch obwohl wir einen Fahrstuhl haben) sie sagte „der Fahrstuhl war mir nicht „schnell genug um zu dir zu kommen, Mama!! Wir lagen uns in den Armen und drückten uns fest. Mein Mann begrüßte Nicole herzlich, nahm sie in den Arm und sagte „herzlich willkommen bei uns“. Man hat gemerkt wie gut ihr das tat. Nun kam Marcel aus seinem Zimmer, beide strahlten sich an, liefen sich in die Arme. Nicole sagte „hallo kleiner Bruder, Marcel äußerte “sei willkommen große Schwester“. Und diese Begrüßung untereinander meiner beiden Kinder vergesse ich mein Leben nie. Harmonie pur, aus Zuneigung untereinander, zueinander. Super stolz bin ich auf meine beiden Kinder. So ein Verhältnis hätte ich mir immer als Mutter gewünscht, aber niemals so grundsätzlich erwartet (von beiden nicht). Auch “Glücksgefühle“ ohne Ende.

 

Als Nicole sich an den Tisch setzte “seufzte sie“ „ENDLICH:DAHEIM“;“ENDLICH ZU HAUSE“! Gegrinst hat meine Tochter dabei es war nicht zu übersehen, dass sich Nicole „SAUWOHL“ bei uns allen fühlt. Das war einer der schönsten Momente in meinem Leben. (Mein Mann und unser Sohn zogen sich diskret zurück. Und so begann eine wunderbare Geschichte - vom sich wieder finden zwischen Mutter und Tochter. (Und dem Rest der Bande!!!) Die Ansprache war an mich stets „Mutti“, oder „Mama“ und mit einer Leichtigkeit kam es über Nicoles Lippen die mich sehr „faszinierte“. Genossen habe ich ihre Stimme, ihre Worte, ihre Anrede meiner Person. Und vorsichtig habe ich mein Kind gefragt ob es nicht fremd sei „MICH“ mit Mama anzusprechen. Tief schaute Nicole mir in die Augen und sagte schon „schnippisch “NÖÖÖÖÖ, MUTTER“; du bist doch meine MAMA NEEEEEE, und ich habe nur „EINE“ richtige Mutter auf dieser Welt. Und das bist „DUUUU“, meine liebe Mama. Und nun kann ich dich endlich „mit Mama ansprechen. (Die A- Mutter wurde von Nicole nicht mit Mama gerufen, dieses Wort hat Nicole stets vermieden.) Tja und nun kann sie erstmalig in ihrem Leben so ganz bewusst „mich als ihre Mutter ansprechen. Ein so befreiendes, erlösendes super schönes Gefühl, voller Liebe zu meiner „GROßEN“!!

 

Wir zwei haben uns so „grundehrlich“ rundum ausgesprochen und in allen Belangen verzieh mir mein Kind. Nicole sagte: Mama, du bist genau so ein Opfer wie ich. Du bist kein Täter sondern der Staat hat sich versündigt, indem er uns trennte und dir als „junge Mutter“ keinerlei Hilfe anbot. (Damals wusste ich nicht, dass mir Sozialhilfe und das Kindergeld zugestanden hätte.) Auch mir wurde so was Wichtiges „niemals erörtert“. Noch schlimmer „es wurde verschwiegen!!!! ABER, es muss noch andere Gründe gegeben haben um eine Adoption durchgesetzt zu haben. Mein Vater hat immer sehr gut verdient. ABER zu dem Zeitpunkt meiner Schwangerschaft war mein geliebter Vater schon sterbenskrank. Und eventuell hätten auch meine Eltern für Nicole und mich „finanziell Sorge tragen müssen. Und um meine Eltern schon aus Krankheitsgründen entlasten zu wollen, wurde eine Adoption in Erwägung gezogen. Meine Eltern wollten aber diese Adoption nicht!!!! (und wären auch mit einer vorübergehenden „Pflegefamilie“ einverstanden gewesen!!!!! DAS ALLES wurde niemals vom Jugendamt berücksichtigt!!!!!! Niemals hat dieses Jugendamt zu meinen Eltern Kontakt aufgenommen. Und wie gesagt, mein Vater war todkrank, und die Sorgen meiner Mutter verschmolzen mit Ängsten und Sorgen um mich. Mit dem Kind im Bauch und die Gedanken waren auch bei ihrem sterbenden Mann. Meine Geschwister waren damals 8 und 10 Jahre alt. Da hatte meine Mutter eine Menge zu bewältigen. Heute kann ich es besser verstehen und ermessen, wie hart auch das Los meiner Mutter war. So jung Witwe zu werden. 

 

Und mich hat man ferngehalten von meinen Eltern. Eine so genannte Kontaktsperre wurde mir verordnet, um so zur „Besinnung“ zu kommen. Also mit 15 Jahren wurde auch „ich“ (meinen Eltern geraubt) vom Jugendamt (und Monate später raubten sie mir mein Kind) und an so viele unglückliche Zufälle, mag ich nicht mehr glauben. Das ganze „Handeln“ drehte sich um mein Kind, um es zu erhalten für „Neue“ kinderlose Eltern. „MEINE“ Belange wurden völlig ignoriert. Und da ich erst 15 Jahre alt war, hatten sie keinen starken Gegner zu erwarten!!!! Und die Floskeln „es gut zu meinen“ war „blanker Hohn und Spott“!!! Auch eine junge Mutter liebt ihr Kind. Und unmenschlich war, ist und bleibt der Satz: “Dass ich Jaaaaaaaa noch neue Kinder bekommen könne (und damit solle ich mich „trösten“!!!!!!!).

 

So, zogen nun 30 Jahre ins Land.

 

Es war ein langer steiniger emotionsgeladener Weg. Stets in großer Sehnsucht nach meinem Kind. Uns verbindet zeitlebens, dass wir Mutter und Kind sind. So wie es vom Ursprung auch erwünscht und gedacht war. Uns interessiert nicht, dass wir offiziell nicht verbunden sein sollen.

„WIR SIND ES“!!!

Wir beide haben eine harte Zeit durchlebt und sind dankbar unser Glück miteinander erleben zu dürfen. Nicole hat wie ich immer gebetet und es hat uns Kraft und Mut vermittelt. Mein Kind „denkt wie ich“, „fühlt wie ich“, „spricht wie ich“ (gleiche Stimme ist auch vorhanden) „handelt wie ich“ und es wäre optisch nicht zu leugnen, dass Nicole zu mir gehört. Und es ist bei uns beiden „LIEBE“!

 

 

August 2005

 

Diese Woche war wieder einmal emotional sehr schwierig. Meine Tochter Nicole meldete sich bei ihrem früheren Psychologen, um eventuell Einblick in ihre Akte zu erhalten. Was sie dort las ist einfach „menschenunwürdig. Dem Psychologen wurde seitens der Adoptiveltern verboten über die Adoption zu sprechen!!! Und gerade bezüglich „der Adoption“ war Nicole in der Behandlung. Das Wort Adoption durfte niemals erwähnt werden.  Der Therapeut hielt fest, dass Nicole sehr viel geweint hat. Dass sie glaubt ihre leibliche Mutter sei tot und Nicole vermutete auch, dass ihre leibliche Mutter sie nicht liebenswert genug fand und sich deshalb von ihr trennte. Jener Psychologe ließ meine damals 4 jährige Tochter mit all ihren Sorgen und Nöten allein und verhielt sich so wie die „Adoptiveltern“ ihm vorgaben. Von 1980-1988 also vom 4. bis zum 12. Lebensjahr war sie in „Therapie“, wo Nicole aber niemals „Hilfe“ bekam. Unfassbar diese Tatsache der unterlassenen „Hilfestellung“ eines angesehenen „Therapeuten“. Lässt mein Kind „unbehandelt“ zurück, verspricht den A-Eltern absolute Loyalität!!!

 

Diese Tatsache macht Nicole heute sehr traurig. Die A- Eltern haben nach dem Prinzip der 3 Affen gelebt. Nichts hören nichts sehen, nichts sagen wollen!!! Und das Wort Adoption durfte niemals erwähnt werden! Nicole wurde niemals über unsere Trennung ordnungsgemäß aufgeklärt. Den A- Eltern war das Seelenleben meines Kindes völlig egal. Sie hatten „ihr Kind“ und alles Störende wurde einfach nicht beachtet. Nach dem Motto: Alles geht vorüber und nun sind wir als Familie komplett. Ihre Traumwelt wollten sie stets aufrecht halten. Meine Tochter Nicole wurde als „eigenes leibliches“ Kind angesehen. Späteren Fragen wich man aus. Antworten gab es keine. Nicole an sich sollte nur schön lieb bleiben und sich weiterhin unterordnen. Wenn Diskussionen kamen, teilte man mit, dass Nicole doch froh und dankbar sein sollte, überhaupt adoptiert worden zu sein. Das sind doch wirklich haltlose Aussagen seitens so „liebevoller“ Adoptiveltern!!!

 

1976 gab es einen „Katalog“ wo die Adoptiveltern  „ihre persönlichen Vorlieben“ fürs kommende Kind äußern konnten. Haarfarbe, Augenfarbe, Geschlecht etc., damit man ein passendes Kind findet, welches so gut in die neue Familie passt. Unsere Kinder mussten schon gewisse Kriterien erfüllen, um überhaupt als  „vermittelbar“ zu gelten. Diesen „Katalog“ hätte ich hier gerne zur Verfügung gestellt, leider wurde er vor kurzem von der A-Mutter entwendet. Ich gebe Euch mein „Ehrenwort“, dass es diesen Katalog gab!!! Es ist so als geht man ins Kaufhaus und sucht sich etwas „Nettes“ aus. “Lieferung erfolgt in Kürze“.

 

Wenn unsere Jugendämter niemals so ein „Angebot“ von Kindern im Programm hätten, wäre diese Nachfrage niemals so enorm groß geworden. Aber letztlich gab es viele Nachfragen  von kinderlosen Paaren und so mussten diese kinderlosen Mitmenschen befriedigt werden. Mit unseren Kindern!!!

 

Nachfrage und Angebot  „müssen“ im gewissen Einklang stehen. Meine Tochter sah sich als eine „Ware“ an, als sie den Katalog fand. Vor einigen Tagen war meine Tochter beim Amtsgericht, bezüglich ihrer Original Geburtsurkunde. Diese gibt es nur mit dem Namen der A-Eltern. Mit einer Ergänzung nach der Adoption wäre ich einverstanden. Aber, dass alles ausgelöscht ist finde ich menschenunwürdig. Wie sollen denn suchende Kinder  ihre Mütter finden? Den „Suchenden“ wird alles erschwert. Und die Geburtsurkunde ist hilfreich, die leibliche Mutter überhaupt finden zu können. Grundsätzlich befürworte ich nur eine Adoption wenn das Kind Vollwaise ist und niemand von den Familienangehörigen in der Lage ist „helfend einzuspringen“. Meine Tochter wird emotional missbraucht, da die A-Mutter extrem die Rolle des Märtyrers spielt. Sie fordert stets Unterordnung der eigener Wünsche und Bedürfnisse! Leider stelle ich fest, dass „Allmachtphantasien“ die A-Mutter stark prägen. Für Adoptierte ist diese Bindung zusätzlich eine große seelische Belastung.

 

Die A-Eltern sind Retter! Das Kind ist Opfer! Die abgebende Mutter ist Täter.

 

Meine Tochter erinnert sich nicht gerne an ihre Kindheit, obwohl sie „Alles schön hatte“. Undankbarkeit wird auch oft erwähnt, wenn mal wieder das Thema „Familiengeheimnis“ zu Tage kommt. Die Rolle, die mein Kind zu spielen hat, war festgelegt innerhalb eines Familiensystems. Ein folgenschwerer Entschluss, da die A-Mutter nur auf Nicole fixiert war. Wiederholte Versuche die Beziehung unter Kontrolle zu bringen scheiterten. Es gab nur noch Stimmungsschwankungen, Wut, Depressionen. Die Bereitschaft sich mit eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen, statt ihnen auszuweichen, war nie im Sinne der A- Eltern. Negative Kindheitserlebnisse werden als „Undank“ interpretiert. Neuerdings wird sehr oft erwähnt, wie viel Geld man doch in so ein A- Kind investiert hat und ist die Wut besonders groß, lässt man mir ausrichten, wenn ich als Herkunftsmutter alles Geld rückerstatte, ja dann kann ich mein Kind sofort zurück bekommen! Mir wird nachgesagt, damals ein „unfertiges Kind“ abgegeben zu haben und nun 29 Jahre später will ich ein fertiges Kind zurück erlangen. Das ist doch eine armselige Einstellung seitens der A- Mutter. Dass mein Kind ihnen fast 30 Jahre „ein gewisses Glück“ bescherte, davon will sie heute nichts mehr hören.

 

Die Adoptivmutter kann nicht verstehen, dass Nicole für mich als leibliche Mutter überhaupt ein Gefühl  in sich trägt. Nun kommt auch noch diese gewisse Eifersucht mit ins Spiel. Die A- Mutter will Gefühle „erzwingen“. Ich bedränge Nicole überhaupt nicht, und mir wird Liebe entgegengebracht, mehr als ich jemals erwartet hätte. Wir zwei sind stark miteinander verbunden, “trotz unfreiwilliger Trennung“. Was Nicole besonders verärgert ist folgendes: Über mich wird persönlich nur Negatives geäußert, obwohl diese Frau mich überhaupt nicht kennt. Der Erzeuger wird auch so mies beschrieben. Aber das Kind von so miesen Leuten hat man gerne angenommen. Nicole nimmt mich stark in Schutz, da sie mich als „leibliche Mutter“ gerne behalten hätte. Dieser Machtkampf ist wirklich grauenhaft .Worüber die A-Mutter nie nachgedacht hat ist die Tatsache, dass Nicole mit 4 Monaten keinen Einfluss darauf hatte, überhaupt adoptiert worden zu sein.

 

Diese Frau ist Erzieherin von Beruf, und war niemals in der Lage „mein Kind“ zu trösten. Die Gefühlswelt von Nicole wurde permanent ignoriert. Irgendwann fragte Nicole mal nach dem Grund, weshalb ein Adoptivkind so sehr gewünscht war. Die Antwort „Damit ich-wir nicht im Alter alleine sind“!!!  Keine Mutter knebelt ihr Kind in so einer Form an sich. Nicole erlebt es täglich. Da die Gefühlsausbrüche sich häufen, von Mal zu Mal boshafter werden, weiß niemand um das Ende unserer Geschichte. Ein befreiendes Nettes miteinander ist unmöglich. Meine einstige „Dankbarkeit und Loyalität“ ist nicht mehr gegeben. Morgen kommt Nicole mit ihrem Mann zu Besuch. Erstmalig lerne ich meinen Schwiegersohn kennen. „Ein freudiges Ereignis“ für uns alle. Unsere Treffen finden heimlich statt, die A-Mutter weiß davon nichts. Der Mann meiner Tochter versteht Nicole in all ihren Belangen und hilft moralisch so gut es eben geht. Es ist kein Betrug an der A-Mutter. Es ist unsere Form der Rücksichtnahme, um Sie nicht menschlich zu verletzen. Uns Allen hat die Adoption nur zusätzlich Kummer und Sorgen bereitet. Es ist niemand von uns „wirklich rundum zufrieden“ mit der jetzigen Situation, aber wir wollen positiv in unsere „unbekannte Zukunft“ blicken.

 

 

September 2005

 

In dem Dorf wo Nicole lebt gibt es eine Familien–Chronik. Dort ist mein Kind namentlich überhaupt nicht erwähnt!!!!! Der Grund ist: nur leibliche Kinder werden registriert!!!! von Gleichstellung zu leiblichen Kindern will das Dorf nichts wissen. Und da wir beim Dorfleben sind, erwähne ich noch, dass die Kinder vom Pastor!!! dieses Dorfes meinem Kind im Alter von 4 Jahren sagten "deine richtige Mama“ wollte dich nicht haben!!!!! Um diese Familie macht Nicole heute noch einen großen Bogen. In jungen Jahren dachte meine Tochter immer, dass jeder weiß, dass sie „nur“ ein Adoptivkind ist. Das Wort Adoption begleitete Nicole ihr gesamtes Leben. Und sie selbst mag das Wort auch nicht gerne hören. Weil sie damit nichts schönes und Gutes in Zusammenhang bringt. Das Schweigen innerhalb der Familie war ein riesengroßer Fehler. Wäre denn „Aufklärung bezüglich der Herkunft eines angenommen Kindes so schwierig gewesen.? Emotional nicht zu vollbringen???

 

Meiner Tochter wurde immer gesagt „wie schlecht" wir alle aus ihrer Herkunftsfamilie seien. Und Nicoles Gedanken waren „solche schlechten Menschen kann es gar nicht geben.“ Nicole findet es unmöglich jemals so angelogen worden zu sein(von ihrer A-Mutter). Natürlich weiß ich, dass die Mutter soviel Mist erzählt hat um gleich ausschließen zu können, dass Nicole mich jemals sucht. Doch auch die Lügen haben nichts aufgehalten. Ins schlechte Licht hat sich die Mutter selbst befördert. Und nun schlägt es knüppeldick zurück. Mir selbst einzugestehen das ich keinen Einfluss auf die Beziehung zwischen Nicole und der A-Mutter haben werde empfinde ich für mich als „belastend“. Harmonie untereinander steht für mich an oberster Stelle. Aber

 

„UNSER ALLER SITUATION IST JA NICHT ALS NORMAL ZU BEZEICHNEN.


Bezüglich des Verhaltens von Nicoles Adomutter ist das ja so: Benimmt Nicole sich soooooo "wie die Adomutter es gerne sieht, ist sie zum Teil noch ein "vernünftiger Mensch. "ABER" sobald sich Nicole mit "MIR" als leibliche Mutter beschäftigt, rastet SIE völlig aus. Nicht Nicole ist der Wunde-Punkt in ihrem Leben sondern Ich!! Sie akzeptiert Nicoles Belange in keinster Weise. Nur ihre Sichtweise ist die "RICHTIGE“. Und sie zieht sich daran hoch, dass sie ein Kind
erhalten hat "was niemals gewollt war“. Und fürs Großziehen war sie dann gut genug, und nun übernehme ich ein "fertiges Kind. Das ich mit meinem Kind persönliche "Verlußte" zu beklagen habe ignoriert sie. So was kann sie sich nicht vorstellen und glaubt es auch nicht. Zum Beispiel erwähnt sie sehr sehr gerne in ihrem oft gestörten Allgemeinbefinden, dass "ICH“ ja noch einen Sohn habe, und böse teilt sie meinem Mädchen mit, dass ich den JAAAAAA behalten habe. Und da sieht die Adomutter wohl auch "einen gewissen Ausgleich“. ICH habe meinen Sohn bei mir, SIE hat "MEINE TOCHTER“; was will ich denn noch mehr.???? SIE hat immer versucht Nicole auf meinen Sohn aufmerksam zu machen, ZU ERINNERN, dass ICH NOCH EIN KIND "GEBOREN HABE" Und das ich nur den Sohn liebe.


"ABER NICOLE HAT DIESEN "JUNGEN "STETS ALS IHREN "BRUDER GESEHEN" und hatte ihren Halbbruder immer in ihrem Herzen lieb gehabt (und auch behalten) Dass ich meine beiden Kinder liebe, kann die Adomutter überhaupt nicht begreifen!!!!


Ich denke sie sieht es so wie ich nun kurz schildere. Eine Freundin von mir verzog vor vielen Jahren in den Schwarzwald. Diese Freundin sehe ich also seltener als meine Freundin die hier in meiner Nähe wohnt. Und ich mag meine Freundin DIE WEIT VON MIR ENTFERNT IST, genauso gerne wie die Freundin in meinen Nähe. Es hat nichts damit zu tun wie oft ich jemanden sehe. Es ist bei mir nicht so das ich meine Freundin hier mehr lieb habe als "die Entfernte“! Es ist eine andere Beziehung. Aber eben eine intensive innige tief greifende Verbundenheit. Und nicht nach dem Motto "VIEL“ verbindet auch „MEHR“. Und da die Adomutter auch VIEL "Zeit" mit Nicole verbrachte denkt sie so kleingeistig, dass die "gemeinsame Zeit“ doch verbunden haben MUSS!!! Dem ist aber nicht so. Und sie hat keinerlei Vorstellung von dem WAS MEINE TOCHTER MIR BEDEUTET. Es ist kein fremder Mensch für mich. Und "Gott sei Dank" empfindet auch Nicole für mich so.

 

Für Nicole währe es ein tolles Gefühl gewesen, wenn sich ihre Adomutter mit Nicole hätte erfreuen können (über unseren guten Kontakt). Das Mitgefühl wäre für Nicole ein großartiges Geschenk seitens der Adomutter gewesen. Nicole wollte "IHR“ Glück mit „MIR“ gerne mit der Adomutter teilen!!!! (Und wieder wird Nicole mit ihren Gedanken, Gefühlen und Eindrücken allein gelassen.)

 

Was mich heute nachdenklich stimmt, nachdem ich von anderen erfahren habe, dass Adoptiveltern häufig so reagieren wenn Kinder ihre leiblichen Mütter lieben, ist folgendes: Die Adoptiveltern „trennen“ sich ungeheuer schnell gefühlsmäßig von ihren Adoptivkindern. Es ist so als findet da eine „Entliebung" vom Kind statt. Ein Schnitt und Ende mit dem „angenehmen“ Leben. Sieh zu wie du überlebst. Uns willst du ja nicht mehr. dann gehe bitteschön dahin wo du hingehörst, aber hole dir auch dort Hilfe die du benötigst. Ein schnelles "Handeln und Umdenken“ der Adoeltern, stelle ich fest. Ich bin da "konstanter" und zuverlässiger. Und gebe nicht bei Widerständen so schnell auf. Da sind Gefühle und Menschen mit betroffen, und ich muss für mich doch abwägen welche Konsequenzen „irrsinniges“ Verhalten für mit sich bringen könnte. Da sind also schon zwei Mütter, und diejenige die mich behütet hat, lässt mich nun in einem sehr wichtigen Lebensabschnitt im Stich. Für unsere Kinder finde ich es sehr schlimm. Und der Kontakt zur leiblichen Mutter ist eine "WICHTIGE PHASE“ im Leben der Kinder (für uns Mütter auch).

Dass jede leibliche Mutter "eine ungeheuerliche" schwere Zeit hinter sich hat, WISSEN WIR MÜTTER. Es hätte für uns alle "individuelle“ Lösungen geben können, so dass wir unsere Kinder bei uns behalten könnten. Ich habe nur überlebt weil ich gut im Verdrängen war. Und ich habe Jahre darunter gelitten, eine so genannte „Rabenmutter“ zu sein. Diesen Ausdruck brachte ich bisher nur mit abgebenden Müttern in Zusammenhang. Nicht mit schlechten Müttern!!!.
ICH hätte mich niemals freiwillig von meinem Kind getrennt. Und zu gerne hätte ich für mein Kind "Sorge getragen“. Hilfe hätte ich gebraucht, das weiß ich, aber nur vorübergehend. Und eine Pflegefamilie hätte da völlig ausgereicht. Von Adoption war niemals die Rede. Was der Grund für diese Adoption war ist mir bisher nicht bekannt. (mir wurde nur immer wieder gesagt, dass ich JAAAAAAAAA noch neue Kinder bekommen könne!!!!!


Am liebsten würde ich unseren Staat für mein (unser) entgangenes Glück verklagen. Und mit der finanziellen Entschädigung, sollten die Ämter dann ermöglichen, dass keine Mutter mehr von ihrem Kind getrennt wird. Sind so Hirngespinste von mir (aber meine Tochter denkt genauso !!)

 

Oktober 2005

 

In den letzten Tagen habe ich sehr intensiv über die Gefühlswelt „unserer Kinder nachgedacht. Was muss es für ein erbärmliches Gefühl sein zu erfahren, dass eine nicht zu vermeidende Trennung von der leiblichen Mutter stattgefunden hat (ohne Hintergrundwissen „WARUM“ und „WESHALB“). Das die Kinder sehr verletzt sind ist doch nachvollziehbar. Und das dann Hass und Wut in die Gefühlswelt einkehrt ist doch auch verständlich.


Abgegeben von der eigenen Mutter- da gibt es doch wohl nichts Schlimmeres für das Seelenleben unserer Kinder .Der erste Kontakt „mit uns als Herkunftsmutter" ist bestimmt aus Neugierde (an unserer Person entstanden). Und siehe da, wir sind keine MONSTER, keine ASOZIALEN – keine VERKÜMMERTEN PERSÖNLICHKEITEN .WIR sind ganz NORMALE FRAUEN!! Aber wir sind Mütter mit „Anhang" mit neuen Kindern oft neuem Mann an unserer Seite. Und es gibt unser normales Leben ohne unser verlorenes Kind. Wie groß muss die Hürde sein, sich bei uns überhaupt jemals zu melden?


Das kostet doch bestimmt Überwindung .Und die Zweifel vom Kind, ob wir überhaupt diesen Kontakt wünschen .Hinzu kommt die Überlegung in welcher Lebenssituation wir uns befinden. Haben wir jemals unsere Kinder (nach außen hin erwähnt) oder aus Scham totgeschwiegen? Und oft wurden wir abgebenden Mütter so „furchtbar" negativ beschrieben .Woher die Kraft nehmen um mit uns in Kontakt zu treten? Unsere Kinder fühlen sich unvollkommen ohne Wissen über die wahre Herkunft. Der innerliche Ruf nach unserem Kind war nur für uns MÜTTER „hörbar“. Die viele Tränen die wir vergossen haben „aus Sehnsucht" nach unserem Fleisch und Blut — vorstellbar für die Kinder??? Ich glaube nicht.

Wir sind die Mütter und in anderer Beweisnot „.Glaubwürdig zu verkünden" MEIN Kind ich liebe dich und vermisste dich zeitlebens, und habe immer auf dich gewartet. Ich habe immer erwartet, dass mein Kind so „fühlt wie ich", „leidet wie ich“, „hofft wie ich“. Völlig überzogen mein Wunschdenken. Alles was ich mir so schön ausgemalt hatte in meiner Fantasie (war nicht umsetzbar) da wir emotional stark blockiert waren. Jeder Mensch ist einmalig im Denken und Handeln, und eine Hilfestellung anzubieten in Sachen „Reaktion bezüglich des „WIEDERFINDENS" erscheint mir unmöglich. Einen „Seelen-Striptease“ hatte ich meiner Tochter geliefert (um verstanden zu werden). Schonungslos und wahrheitsgetreu hatte ich über alles Erlebte gesprochen.


Als die erste „Euphorie" überstanden war fielen wir (jeder für sich) in ein tiefes Loch. Bestimmt sind die Gefühle „auch „Wut und Enttäuschung“ über das (unverständliche, weil nicht vertraute) Verhalten des anderen. Das WIEDERFINDEN ist ein AUSNAHMEZUSTAND, da die Gefühlswelt verrückt spielt. „DU“ als Mutter möchtest DEIN KIND sofort familiär mit einbeziehen in „EUER" Leben. Ihm zeigen „hier ist DEIN BRUDER, als einen „Liebesbeweis“ deinerseits- eben weil du immer darauf gewartet hast und dein Kind dir nicht fremd ist. (Und du erwartest die gleiche Haltung und Einstellung.)


Manchmal ist „wenig“ schon „sehr viel". Nach dem Motto lebt es sich leichter für uns Mütter .Am besten ist, gar nichts zu erwarten!!!! Du hast Kontakt zu deinem verlorenen Kind und die größte Hürde ist überwunden. Nun kommt erst das mühsame „WIEDER ZUSAMMEN FINDEN“.


In unserer Wohnung standen immer Bilder von Nicole und Marcel (unser Sohn) wusste immer von seiner „Phantom“- Schwester. Im Falle, dass Nicole sich melden würde wollte ich ihr beweisen, dass ich sie nie verschwiegen hatte. Allerdings mit einer Phantom-Schwester zu leben ist auch ein beklemmendes Gefühl. Adoption ist für mich ein Trauerspiel. Meine Gefühlswelt war nur für mich gedacht. Die Familie wollte ich aus allem raushalten, es ist zwar grotesk aber so war das bei mir. Das frühere hin und her mit Nicole (1. Kennenlernen 1996) hat mich zermürbt. Manchmal dachte ich, dass Nicole mir nur weh tun möchte aus Rache. Dieser Prozess vom sich Wiederfinden wollen (aber nicht können) hat fast 10 Jahre gedauert.

 

In dieser Woche war ich des öfteren im Internet. Die Adoptiveltern, die Kontakt zu Gleichgesinnten suchen, haben alle „verhaltensauffällige Adoptivkinder!!!! Mich beschleicht das Gefühl, dass ALLE ADOPTIERTEN irgendwelche „STÖRUNGEN“ vorzuweisen haben. Wenn auch nicht auf den ersten Blick erkennbar.


Gibt es überhaupt eine geglückte Adoption????


Gelingt es Kindern sich nicht mit UNS auseinander zu setzen??? UNS aus ihren Köpfen zeitlebens zu verbannen??? Wer ist kompetenter Ansprechpartner wenn „Sehnsucht" unsere Kinder heimlich beschleicht??? Diese verdammte Sehnsucht nach der „richtigen Mutter“! Im Prinzip bleiben unsere Kinder sich doch selbst überlassen. Kein Kind ist jemals gefragt worden ob es die Trennung wünscht und ob man gerne bei den fremden Eltern lebt. Unsere Kinder führen doch auch zwei völlig verschiedene Leben. Das ihnen bekannte, und das stille verborgene innerliche Dasein. Die schlechteste Ausgangsbasis wäre sicherlich die Tatsache sich „nirgendwo“ geliebt zu fühlen.


„Gott sei Dank“ konnte ich Nicole davon überzeugen von mir geliebt zu sein. Nicole ist ein Mensch der Liebesbeweise braucht. Sie wollte von mir persönlich hören „wie lieb" ich sie doch habe. Und nicht nur mein Kind benötigt Streicheleinheiten fürs seelische Gleichgewicht, jedes Kind benötigt das. ABER—„nicht jedes Kind gibt es zu!!!! Die Zeit hat für uns gearbeitet -
Hoffnung hatte ich immer, aber Zeit läuft auch davon. Ganz ehrlich, ich habe gefühlt, dass mein Kind mich sucht. Wir telefonieren, schreiben uns, treffen uns. Nun müssen wir gemeinsam viel aufarbeiten, und das ist ein schwieriger Prozess. Nun müsste man doch meinen „Margrit hat ihr Kind zurück und wird bestimmt nur noch glücklich sein.“ Dem ist nicht so. Die Trennung von meinem Kind habe ich niemals überwunden. Ein großes Stück meines Lebens wurde mir genommen. Aber ich freue mich mit den anderen leiblichen Müttern, dass sie einen guten Kontakt zum eigenen Kind erwerben.


Meine Gedanken sind aber ganz besonders bei den Frauen die „UNSER" Glück noch nicht erfahren durften.

Dezember 2005

 

Die letzten Wochen warfen mich schwer zurück in Angelegenheiten mit der Adoption. Ich bin sehr krank geworden, und reagiere wie ein todkranker Mensch!!! Mit momentanen Ängsten vor dem Tod. Nun war ich in den letzten Wochen bei "zig" von Ärzten mit dem Fazit das ich organisch "gesund bin. Meine Psyche rebelliert (und dessen bin ich mir auch bewusst). In den letzten Wochen hatte ich mit Nicole sehr wenig Kontakt, einfach so ohne erkennbaren Grund. Zeitmangel nenne ich diesen zustand so kurz vor Weihnachten, aber es war fühlbar das irgendetwas "im Busch“ ist. Und so ist es auch. Gestern habe ich stundenlang mit Nicole telefoniert, über so vieles hatten wir uns ausgetauscht und dann waren Sekunden Ruhe in dem Gespräch.


Kurz und ohne Umschweife äußerte Nicole, dass sie sehr sehr oft an "Suizid" gedacht hatte. Und ihr eigenes Leben stets aus Sehnsüchten nach mir bestand. Und eine große Traurigkeit kam auf. Wir wissen, dass wir 30 Jahre nicht aufholen können, und wir fühlen uns im Moment BEIDE „betrogen“ um unser gemeinsames Glück, als Mutter und Kind. Unsere Gesamtsituation wirft uns oft "so einfach grundlos zurück. Und beide leiden wir zu gleichen Teilen.

Zur Zeit ziehe ich in Erwägung demnächst einen Therapeuten aufzusuchen, sollte meine schlechte Verfassung anhalten. Meinen Zustand kann ich mir selbst nicht mehr erklären. Vor ein paar Tagen hat sich Nicoles Adomutter ihr persönliches Horoskop erstellen lassen. Sie will wissen was 2006 auf Sie zukommt.


Mit 14 Jahren ist Nicole weggelaufen, mein Kind wollte zu mir!!! Die Polizei hatte Nicole wieder zu den Eltern zurück gebracht. Letzte Woche sagte die Adomutter, dass es wohl besser gewesen wäre, wenn Nicole bei "MIR“ geblieben wäre. Damals sowohl als auch heute. Diese Äußerungen lassen mich vermuten, dass sie viel nachdenkt über uns alle. Und in ihrer Situation wohl auch sehr unglücklich erscheint. Persönlich habe ich der Adomutter nichts mehr zu sagen.

Ich habe auch Hoffnungen und Wünsche für 2006:

 

„Niemals mehr meine Tochter zu verlieren“.

Margrit