Was Jugendämter und sonstige

Adoptionsvermittler totschweigen

 

 

 

 

 

Psychologische Probleme von Adoptierten

 

Freud geht davon aus, dass das Verhalten eines Kindes nicht nur aus der Entwicklung des Nervensystems resultiert, sondern auch von der Mutter-Kind-Beziehung hergeleitet werden kann. Hinzu kommt das angeborene „natürliche“ Verhalten, das heißt, bestehende Persönlichkeitsmerkmale sind genetisch angelegt, diese werden während der Entwicklung gerade durch Erziehung der Eltern herausgebildet, verändert oder gar gänzlich überformt. Es entsteht ein antizipiertes Verhalten, das so genannte Rollenverhalten. Entwicklungsstörungen können, wie es auch Bowlby bestätigt hat, auf die Abwesenheit der Mutter in den ersten Lebensjahren zurückzuführen sein. Die Folgen der frühkindlichen Deprivation durch den Mutterverlust, können nicht nur zu Schäden im Kleinkindalter führen, sondern dauerhaft den Charakter des Kindes prägen. Die Unzulänglichkeit der Mutter-Kind-Interaktion kann erhebliche psychologische Probleme hervorrufen. Es kann z.B. zu fortschreitender Retardierung der intellektuellen Entwicklung des Kindes führen.

 

Auch J. Aubry-Roudinesco geht davon aus, dass der frühe affektive Entzug zur Verlangsamung oder sogar zum Stillstand der psychischen Entwicklung führt, u.a. die Entwicklung der Sprache und die Herausbildung sozialer Reaktionen beeinflusst. Kinder, die eine Trennungserfahrung erlebt haben, weisen eine sehr große Empfindsamkeit gegenüber möglicherweise drohenden Trennungssituationen auf. G. Geux schreibt dazu in „La névrose d’adandon“, dass die Frustration aufgrund frühen, tief greifenden Trennungserfahrungen zur übermäßigen Abhängigkeit von bestimmten Bezugspersonen führen kann. Die Frustrationen können ausschlaggebend sein für die Abhängigkeit von der Liebeszuwendung in der Kindheit und im Erwachsenenalter.

 

Hinzu kommen die vermehrten Leistungsanforderungen und der über die Maßen fürsorgliche und kontrollierende Erziehungsstil der Adoptiveltern, dem es an der Berücksichtigung der individuellen sozialen und intellektuellen Möglichkeiten sowie der Vorgeschichte des Kindes fehlt. Das kann dazu führen, dass die oft einer höheren sozioökonomischen Schicht angehörigen Adoptiveltern das Kind überfordern, indem Zuwendung und Liebe abhängig gemacht werden von dem Maß und der Qualität der vom Kind erbrachten Leistung.

 

 

Krankheitsbilder - Inkognito-Adoption

 

Mutter und Kind sind in der embryonalen Phase nicht nur biologisch, sondern auch emotional eng miteinander verbunden. Bereits das Erlebnis der Trennung infolge der Geburt ist ein Trauma für jedes neugeborene Kind, da es dadurch die Getrenntheit von einem anderen Menschen zum ersten Mal erlebt. Dieses Trauma wird aber bei einer nachfolgenden engen Bindung zu der Mutter normalerweise verarbeitet. Da bei einer Adoption zunächst eine solche klare und intensive Bindung zur ursprünglichen, biologischen Mutter fehlt, kann das Trauma des Getrenntseins verstärkt werden, gleich wie liebevoll und zuwendend die Adoptiveltern sind. Eine neue Umgebung prägt mit der anonymen Geburt die Entwicklung des Kindes. Diese frühe Trennung kann die erste psychosoziale Krise eines Kindes darstellen. Erikson begründet diese psychosoziale Krise mit der Gegenüberstellung von Vertrauen und Ur-Misstrauen. Für das Kind kann daraus ein tiefes Trauma aufgrund des latenten Vorhandenseins des „Weggegeben worden sein“ entstehen. Im Unterbewusstsein besteht das genaue Wissen um eine frühere Krise. Durch Verdrängung wird dies zunächst nicht mehr wahrgenommen, doch treten psychische oder gar physische Probleme zu Tage, die erst klärbar werden, indem das Unterbewusste erforscht wird. Inwieweit das Kind damit leben lernt, hängt immer davon ab, wie die neuen Eltern mit dem Problem der Adoption umgehen.

 

Betty Lifton berichtet in ihrem Buch „Adoption“, dass adoptierte Kinder im prozentualen Verhältnis zur Gesamtbevölkerung häufiger in psychiatrischen und therapeutischen Einrichtungen vorstellig werden. Adoptierte leiden besonders an starken Minderwertigkeitsgefühlen. Das Gefühl der Einsamkeit und geringer körperlicher Kontakt zu den Adoptiveltern infolge der Anpassung an den Adoptionsstatus können psychologische Probleme wie Bettnässen, Sprachstörungen und starke Minderwertigkeitskomplexe in der Kind- und Jugendphase hervorrufen. Ein Ausdruck von Machtlosigkeit gegenüber der vorherrschenden Situation kann zu innerer Unruhe oder Depressionen führen. Vor allem in der Pubertät kann es zur Anhäufung von Konflikten zwischen Adoptiveltern und Kindern kommen. Erikson nennt diese Selbstfindungsphase die „normative Krise“. Sie stellt die Summer der Kindheitsidentifikationen dar, die sich aus Erfahrungen der einzelnen, aufeinander folgenden Entwicklungsstufen ergeben. Daraus wird die eigene Form der Ich-Identität abgeleitet. Eine Identitätskrise in der Pubertät ist für Inkognitoadoptierte aufgrund der doppelten Elternschaft gravierender, als für Jugendliche mit einer eindeutigen Elternschaft.

 

Die für den Ablösungsprozess in der Pubertät notwendige Distanz und Abgrenzung zu den sozialen Eltern fällt mit der Unsicherheit bezüglich der eigenen biologischen Herkunft zusammen. Das kann zu ernsthaften seelischen Störungen in der Adoleszenz führen. Signale aus dem Unterbewussten werden nicht wahrgenommen. Daraus kann das Machtlosigkeitsgefühl gegenüber dem Drang nach Selbstfindung und Selbsterkenntnis mit der Herausbildung eines individuellen Wertebewusstseins entstehen. Folge des nichtgelösten Konflikts können Depressionen, Minderwertigkeitskomplexe und Schüchternheit sein. Häufige Folgeprobleme in Form von Alkohol-, Drogen- und Tablettenmissbrauch, schwere psychosomatische Reaktionen wie chronische Gastritis und Schulprobleme können entstehen.

 

Bei erwachsenen Adoptierten konzentrieren sich die durch Adoption bedingten Identitätsproblematiken stärker auf den Beziehungsbereich - Trennungs- und Bindungsängste, die Unfähigkeit zur Liebe und berufliche Schwierigkeiten.

 

 

Die Jugendphase Adoptierter

 

Der heranwachsende Adoptierte, der sich auf der Suche nach seiner eigenen Identität befindet, hat nicht die Möglichkeit wie andere Jugendliche, die in ihrer eigenen biologischen Familie aufwachsen, seine Vergangenheit in die Gegenwart zu integrieren. Aufgrund des Mangels an Kommunikation kann es zu Depressionen, Trennungsängsten sowie Schuld- und Leugnungsgefühlen in der Jugendphase kommen. Das größte Problem ist hierbei die Kommunikiationsbeschränktheit zwischen Adoptiveltern und Kind, um positiv zur Bewältigung der Vergangenheit beizutragen. Das Vertrauen gegenüber den Adoptiveltern beruhend auf dem Mangel an Informationen aufgrund der Anonymität unterliegt einer ständigen Realitätsprüfung. Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Adoptiveltern kann die Authentizität der Eltern-Kind-Beziehung in Frage stellen. Erwachsene Adoptierte berichten von einer unerträglichen Jugendphase, gemischt mit tiefen Depressionen bis hin zu Selbstmordversuchen. Florence Clothiers schrieb dazu: „Die natürlichen Eltern mögen für das Adoptivkind noch so verloren sein, jede Zelle in ihrem Körper trägt den Stempel von Genen, die von seinen Vorfahren herrühren.“

 

Der Kinderpsychiater Marshall Schecter stellt schon in den frühen sechziger Jahren fest, dass es in seiner Klinik verhältnismäßig viele junge Adoptierte gäbe, die besonders stark zu emotionalen Problemen gegenüber nichtadoptierten Kindern neigen würden. Adoptierte fehle es an Selbstidentität, so dass sie oft weniger selbständig und ängstlich sind.

 

Alexina McWhinnie und John Triseliotis leiteten das Problem adoptierter Jugendlicher aus dem Vernunftgedanken her. Denn wenn man bedenkt, dass es für einen Menschen schwierig ist zu wissen, wohin er geht, wenn er nicht weiß, woher er kam, wie schwer muss es dann sein, eine autonome Persönlichkeit zu entwickeln, wenn die Grundinformationen der genealogischen Zugehörigkeit anonymisiert sind.

 

Dementsprechend brachte Greenspan folgerichtig zum Ausdruck: „Uns schien, dass das Integrieren des zusätzlichen Stücks Identität, des Zustands des Adoptiertseins, in die Persönlichkeit Schwierigkeiten bereitet, weil dem Adoptierten Tatsachenmaterial über die natürlichen Eltern fehlte, weil die Geschichten über seinen Ursprung zu widersprüchlich waren und weil er wusste, dass Adoption ein hässliches Thema ist, das es unmöglich machte, den Zustand des Nichtswissens betreffende Fragen und Gefühle aufs Tapet zu bringen und zu erörtern. Durch das innerliche Widerstreben der Adoptiveltern, über die Adoption nachzudenken, bleiben Gefühle der Jugendlichen unausgesprochen in ihrer Phantasiewelt verborgen und werden verdrängt. Der Hauptgedanke Greenspans ist die Unzulänglichkeit an Informationen über die eigene Abstammung, unabhängig davon, welches Aufklärungspotential die Adoptiveltern besitzen. Der Datenmangel ist von vornherein gegeben und kann auch durch Aufklärung nicht zumutbar erklärt werden. Sorosky bestätigte den Hauptgedanken Greenspans mit seiner Untersuchung in den siebziger Jahren, dass adoleszente Adoptierte aufgrund fehlender Hintergrundinformationen nicht in der Lage wären, ein starkes Identitätsgefühl aufzubauen.

 

 

Die genealogische Verwirrung

 

Die meisten Menschen nehmen ihre Genealogie (Abstammung von Vorfahren / Ahnen) als Tatsache hin und sind sich ihrer nicht stärker bewusst. Der Psychiater E. Wellisch wies 1952 in der Zeitschrift Mental Health darauf hin, dass das Bewusstsein der Genealogie eines Menschen große Bedeutung besitzt. Sie ist die Erweiterung des Körperbildes, eine Möglichkeit, den eigenen Körper zu beschreiben. Weiterhin belegt er, dass für die meisten Menschen die Anwesenheit anderer mit ähnlichen körperlichen Merkmalen selbstverständlich sei. Wichtigster Bestandteil für die Herausbildung des eigenen Körperbildes sei dabei die Beziehung zu den leiblichen Eltern. Die Kenntnis der Genealogie und ein klares Verhältnis zu ihr ist dafür notwendig.

 

Jeder Mensch hat den Drang, die Tradition seiner Familie, seiner Rasse und Religionsgemeinschaft, in die er hineingeboren worden ist, fortzusetzen und zu erfüllen. Der Verlust durch den Entzug der eigenen genealogischen Linien kann zur Hemmung der emotionalen Entwicklung führen. Nach Sants ist ein genealogisch verwirrtes Kind über seine natürlichen Eltern gar nicht oder nur unzureichend unterrichtet worden. Diese Verwirrung beeinträchtigt die seelische Gesundheit des Kindes und kann mit dem Eintritt des Jugendalters das Bedürfnis der Suche nach der genealogischen Linie verstärken.

 

Aufschlüsse über deren Ursache spiegelt sich analog in dem Märchen von Hans Christian Andersen „Das hässliche Entlein“ wieder. In dem Nest einer Ente ausgeschlüpft, ist dem jungen Vogel nicht bewusst, dass er in Wirklichkeit von Schwänen abstammt. Der junge Schwan wird aufgrund seiner genetischen Ausstattung abgelehnt, da er nicht das machen kann, was die anderen in seiner Familie tun können. Die Andersartigkeit und die damit verbundenen Reaktionen der Familienmitglieder führen zu Depression und Verträumtheit des jungen Schwans. Symptome, die Sants ebenfalls bei genealogisch verwirrten Kindern beobachtet hat.

 

Die einzig übereinstimmende Erbanlage des jungen Schwans war die Fähigkeit des Schwimmens. Dieser fühlte sich von den Pflegeeltern nicht verstanden, wurde von den Geschwistern diskriminiert und lief weg – „hinaus in die weite Welt“. Für Sants bestand die Schwierigkeit darin, dass seine Pflegeeltern seine Genealogie nicht kannten. Es bestand keine Ähnlichkeit mit dem Phänotyp und Genotyp (Erscheinungsbild und Erbbild) der Eltern. Demzufolge konnten seine Fertigkeiten nicht verstanden und umgesetzt werden. Das hässliche Entlein konnte sich nicht mit seiner Pflegefamilie identifizieren, weshalb es in die weite Welt hinauszog, um Zugehörigkeit zu anderen zu suchen.

 

Bestätigt wurde diese Analogie durch das Forschungsergebnis von Sants, das die Frage zu beantworten versucht, inwieweit körperliche Ähnlichkeit zwischen Vätern und Söhnen ihre Vertrautheit beeinflusst. Ein Experiment mit 900 männlichen Studenten ergab, dass siebzig Prozent der Studenten, die gut mit ihren Vätern zurecht kamen auch einen ähnlichen Körperbau wie der Vater aufwiesen. Daraus folgert Sans: „Wenn Adoption schon ein Versuch ist, das Kind aus seiner natürlichen Familie in eine Ersatzfamilie zu verpflanzen, so könne eine solche Transplantation niemals völlig verwirklicht werden, da sich Wurzeln in der natürlichen Familie nie spurlos durchtrennen lassen. Das heißt, um ein normales Leben führen zu können, müssen Kinder über ihre leiblichen Eltern informiert sein.

 

Max Frisk erkannte eine weitere Dimension des Problems der genealogischen Verwirrung. Seine Patienten gaben an, das Gefühl adoptiert zu sein, wäre gleichzusetzen mit dem Gefühl, nicht geboren zu sein. Ihnen fehle das „genetic ego“ (genetische Ichgefühl), das für die Identitätsformung wesentlich ist. Stattdessen hätten sie ein „Erbgespenst“ vor Augen. Um sich von diesem befreien zu können, sei es notwendig, die wirklichen Eltern kennen zu lernen und deren wahren Charakter herauszufinden. Frisk leitet daher ein Bedürfnis nach der Suche nach den Eltern ab. Frisk stimmt mit Sants dahingehend überein, dass die Kenntnis der biologischen Abstammung unumgänglich ist, um die mit dem Erbe verbundenen Aspekte im Ich integrieren zu können.

 

Mitglieder des Sorosky-Teams gelangten bei ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass es adoleszenten Adoptierten im Vergleich zu nichtadoptierten Gleichaltrigen schwerer fällt, durch die psychosexuellen, psychosozialen und psychohistorischen Aspekte aufgrund des Nichtwissens über ihre genealogischen Bezüge ihre Persönlichkeit zu entwickeln.

 

 

Der Adoptierte als Erwachsener

 

Erst seit einigen Jahren befasst sich Forscher William Reynolds mit adoptierten Erwachsenen. Reynolds fand heraus, dass Adoptierte eher scheu und vorsichtig im Umgang mit anderen sind. Das Selbstbild ist oft schwach und von einem Mangel an Zutrauen gekennzeichnet. Ein klassisches Zeichen für Minderwertigkeitsgefühle und Versagensängste aufbauend auf wenig Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten ist die damit verbundene Abhängigkeit von der Anerkennung durch andere. Wenn Aufgaben nicht sofortige Erfolgserlebnisse herbeiführen, werden sie sehr schnell verworfen. Ungeachtet von den beruflichen sowie sozialen Erfolgen bezeichnen sie sich selbst als scheu und in sich gekehrt. Sie fühlen sich einsam, fürchten sich vor Zurückweisung und Konflikten und bemühen sich immer, alles recht zu machen, wobei sie teilweise sogar unterwürfig werden.

 

Adoptierte beschreiben ihr Leben trotz einer nach außen hin gefestigten Lebensführung als Erfahrung einer lebenslangen Depression, mit dem Gefühl der inneren Leere und Hilflosigkeit. Eine Frau äußerte dazu: „Wir sind unspontane Leute, gehemmt, zögerlich, Träumer, einfach keine Macher. Wenn man die Neugier auf sich selbst anderen zuliebe in sich zurückhält, bewirkt es, dass man sich auch in anderen Dingen zurückhält.“

 

In den Gruppensitzungen von Reynolds sprachen die Adoptierten von Schuldgefühlen gegenüber ihren Adoptiveltern. Eine immer wiederkehrende Angst, im Stich gelassen zu werden. Klaustrophobiesymptome in überfüllten Räumen, Erstickungs- und Strangulationsfurcht sowie Probleme mit der eigenen Autorität wurden als Symptome in Folge der Schuldgefühle gesehen. Oft haben sie Schwierigkeiten, Beziehungen zu knüpfen und aufrecht zu erhalten. Auf der einen Seite bemühen sie sich um diese innere Sicherheit, die sie aus Beziehungen knüpfen können, auf der anderen Seite aber fliehen sie vor der entstehenden Abhängigkeit zu anderen Menschen.

 

Darauf aufbauend stehen sie dem eigenen Kinderwunsch ambivalent gegenüber. Auf der Grundlage der Unkenntnis der eigenen Geschichte sehen sie die Fähigkeit, als Elternteil angemessen zu fungieren, entscheidend beeinträchtigt. Norman Paul leitet diese Angst daraus her, dass sie ihre Unkenntnis nicht an die nächste Generation weitergeben wollen.

 

(Verfasser unbekannt)