Verlogene Fürsorglichkeit
Die „abgebende Mutter“ im Adoptionsverfahren – Christine Swientek – S. 171
…. Die Berichte der Mütter sprechen für sich – eine deutliche Sprache! Ein Kommentar erübrigt sich, zumal eine dem Problembereich angemessene Erörterung aus Platzgründen nicht geleistet werden kann. Lediglich ein Faktor soll diskutiert werden: Es scheint so, als wüsste jeder am Geburts- und Adoptionsgeschehen Beteiligte genau, „wie es richtig ist.“ Sie alle haben ihre naiven Alltagstheorien über Mutterglück, über das Entstehen von Bindungen und Beziehungen – und vor allem darüber, wie der Mutter der (angeblich) geringste Schaden erwächst.
Die Mutter, der ihr Kind gegen ihren erklärten Willen mit allen Mitteln aufgezwungen werden soll (…) kommt seltener vor. Die Mutter, die – ebenfalls gegen ihren Willen mit jedem auch noch so absurden Mittel davon abgehalten wird, ihr Kind nach der Geburt zu sehen, scheint in der Adoptionsszene die Regel zu sein (…).
„Nicht sehen, nicht anfassen, nicht in den Arm nehmen, schon gar nicht stillen – sonst entwickelt die Mutter eine Bindung an ihr Kind“
ist das gängigste Argument über viele Jahrzehnte. Manchmal wird – scheinbar im Interesse der Kindesmutter – hinzugefügt:
„Sie hat dann später keine Schwierigkeiten mit der Trennung.“
Schon in dieser Handlungsweise und der dazugehörigen Argumentation zeigt sich die ganze Pervertiertheit der Adoptions-’freigabe’:
Diese scheinbare Fürsorglichkeit im „Interesse der Mutter“ ist verlogen.