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Juni 2006
Was ist Kinderhandel ?
Viele Familien sind so arm, dass sie für sich und ihre Kinder nicht genug zu essen haben. Manche machen Schulden und wissen nicht mehr, wie sie das Geld zurückzahlen sollen. Oft geben sie ihre Kinder dann Verwandten oder Bekannten, aber auch fremden Menschen mit. Diese versprechen, den Kindern Arbeit und Essen zu geben und sie vielleicht sogar zur Schule zu schicken. Sie geben den Eltern Geld, das sie dann vom Verdienst der Kinder abziehen wollen. Oder sie versprechen, die Kinder könnten die Schulden der Eltern abarbeiten.

Kinder sind unverkäuflich! Überall auf der Welt.
Die Kinder müssen Zwangsarbeit leisten
Die Versprechungen werden meistens nicht eingehalten. Die Kinder werden weiter verkauft. Sie müssen z.B. Teppiche knüpfen, in Steinbrüchen oder auf dem Feld schuften. Mädchen werden oft als Hausmädchen verkauft. Viele Kinder werden zur Prostitution gezwungen und sexuell missbraucht. Sie bekommen kein Geld, werden misshandelt und eingesperrt. Oft werden sie weit weg von ihrem Heimatort oder sogar ins Ausland gebracht, so dass sie nicht nach Hause zurück können. Manche Kinder trauen sich nicht heim, weil die Eltern sonst ihre Schulden zurückzahlen müssten. UNICEF schätzt, dass jeden Tag mehr als 3.000 Kinder verkauft werden.
Iqbal aus Pakistan musste Teppiche knüpfen
Iqbals Vater brauchte dringend Geld. Deshalb hatte er sich vom Besitzer einer Teppichknüpferei 600 Rupien geliehen. Der 4-jährige Iqbal sollte dafür so lange Teppiche knüpfen, bis die Schulden zurückgezahlt waren, einschließlich aller nicht genau festgelegten Zinsen und Nebenkosten. Iqbal sollte 6 Tage pro Woche täglich 12 Stunden arbeiten. Seine Ausbildung zum Teppichknüpfer, sein Werkzeug und seine Mahlzeiten wurden als Extrakosten zu den Schulden hinzugerechnet. Für Fehler beim Knüpfen wurden zusätzliche Geldstrafen verhängt. Iqbal sollte zunächst ein Jahr als Lehrling ohne Lohn arbeiten. Die Schulden wurden so immer größer und konnten nie abbezahlt werden. Iqbal arbeitete 6 Jahre als Teppichknüpfer, bis es ihm endlich gelang, zu entfliehen und Hilfe zu finden.
(Die Geschichte des ehemaligen Kindersklaven Iqbal Masih erzählt Susan Kuklin in dem Buch „Kommt mit und seid frei“, Berlin 2002)
Pout Nan aus Kambodscha musste in Thailand Bonbons verkaufen
Die 13-jährige Pout Nan lebt mit ihrer Familie in Kambodscha nahe der Grenze zu Thailand. Als der Vater krank wurde und nicht mehr arbeiten konnte, wusste die Familie nicht, wovon sie leben und wie sie seine Behandlung bezahlen sollte. Sie war froh, als eine Frau anbot, Pout Nan mit nach Thailand zu nehmen.

Pout Nan ist froh, wieder bei ihrer Familie zu sein.
Dort werde sie Bonbons verkaufen, könnte damit Geld verdienen und die Familie unterstützen. Pout Nan ging mit der Frau. Sie musste Bonbons verkaufen, nachts, in Bars und auf den Straßen. Von Kinderhändlern wurde sie bedroht und geschlagen. Aber sie hatte Glück. Sie wurde von den thailändischen Behörden aufgegriffen und ins Gefängnis gesteckt, weil sie illegal in Thailand war. Nach einem halben Jahr wurde sie nach Hause abgeschoben. Ihre Familie ist froh, dass sie wieder bei ihnen ist.
Fifame aus Benin schuftete als Hausmädchen
Fifame Egboele ist 15 Jahre alt und lebt in Porto Novo, der Hauptstadt Benins. Ihr Stiefvater schickte sie als „Vidomegon“ – das bedeutet ‚anvertrautes Kind’ – nach Nigeria. Dort sollte Fifame gemäß einer alten westafrikanischen Tradition die Möglichkeit haben etwas zu lernen. Aber anstatt eine Ausbildung zu erhalten, wurde sie gezwungen, die gesamte Hausarbeit zu machen, wurde geschlagen und bekam nur Reste zu essen.

Heute lebt Fifame wieder zu Hause und will
andere Kinder vor dem Kinderhandel schützen.
Eines Tages war ihr Arm so dick angeschwollen, dass Fifame nicht mehr arbeiten konnte. Aus Angst vor noch mehr Schlägen floh sie. Die Polizei brachte sie in ihr Heimatland zurück. In Benin fand Fifame Zuflucht im „Oasis“-Schutzzentrum für Opfer des Kinderhandels. Diese Einrichtung wird von UNICEF unterstützt. Hier wurde Fifame medizinisch versorgt und gesund gepflegt. Vor allem aber wurde Fifame wieder als Mensch behandelt und nicht als Arbeitssklave. Gleichzeitig suchten die Mitarbeiter des Zentrums nach ihrer Familie. Heute lebt Fifame wieder zu Hause und macht eine Lehre als Schneiderin. Für Fifame ist es wichtig, andere Kinder und Eltern über ihre Erfahrungen zu informieren. Auf diese Weise werden es sich Eltern zweimal überlegen, bevor sie ihr Kind als Vidomegon ins Ausland schicken, hofft Fifame.
Kinder werden zur Adoption verkauft
Manchmal werden Kinder ihren Müttern direkt nach der Geburt abgeschwatzt. Sie werden dann an Ehepaare weiter verkauft, die gerne ein Kind adoptieren möchten. Die richtigen Mütter bekommen dafür nur wenig Geld. Die neuen Eltern müssen viel Geld bezahlen. Das meiste Geld stecken die Vermittler ein, die das Kind kaufen und wieder verkaufen. Manche Vermittler bieten Kinder im Internet wie Versandhausware an.
Kinderhandel gibt es auch in Deutschland
Kinderhandel gibt es nicht nur in armen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Kinderhandel gibt es auch bei uns. Mädchen und Jungen werden z.B. nach Deutschland verkauft, um in Bars zu arbeiten. Sie werden sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen. Manche Kinder werden auch zum Stehlen geschickt oder zum Transport von Drogen eingesetzt. Eltern, die in Deutschland lange warten müssen, bis sie ein Kind adoptieren können, holen sich ihr Kind manchmal aus dem Ausland. Dort wird ihnen erzählt, das Kind habe keine Eltern mehr. Oft ist das falsch. Das Kind wurde seiner Mutter abgekauft oder einfach weggenommen.
Kinder aus dem Menschenhandel befreien
Kinderrechtsorganisationen bemühen sich, die Kinder zu befreien. Gemeinsam mit anderen fördert UNICEF Kinderschutz-Netzwerke in Armensiedlungen. Die Eltern werden beraten. UNICEF kümmert sich darum, dass die Betroffenen Unterstützung durch Rechtsanwälte erhalten. Die Kinder können Unterricht oder einen beruflichen Bildungskurs besuchen. Missbrauchte Kinder erhalten medizinische und psychologische Betreuung. UNICEF bemüht sich auch darum, dass die Polizei die Kinderhändler schnappt und Gerichte sie verurteilen.
Die Kinder und ihre Familien brauchen Hilfe
Kinderhandel ist ein Geschäft mit der Not der Eltern. Arme Familien brauchen deshalb dringend Unterstützung. Die Kinder müssen zur Schule gehen und eine Berufsausbildung machen können, damit sie nicht so arm bleiben wie ihre Eltern.
Kinder, die verkauft worden sind, müssen aus ihrer Zwangsarbeit befreit werden. Sie haben das Recht auf Schutz, Betreuung und Unterstützung bei der Rückkehr zu ihren Familien. Bei allen Hilfsangeboten sollten die Kinder mit einbezogen werden. Denn sie wissen am Besten welche Hilfe sie brauchen. Kinderhandel ist ein Verbrechen. Die Regierungen der Länder müssen den Kinderhandel stoppen und die Kinderhändler hart bestrafen.