http://www.unicef.de/4123.html
Starke Frauen – Starke Kinder
UNICEF-Jahresbericht „Zur Situation der Kinder in der Welt 2007“
08.12.06 - Mit seinem Jahresbericht Zur Situation der Kinder in der Welt 2007 ruft UNICEF dazu auf, die Menschenrechte von Mädchen und Frauen zu stärken und sie besser vor Diskriminierung und Gewalt zu schützen. Die weibliche Hälfte der Menschheit wird bis heute in allen Regionen der Welt benachteiligt. In vielen Ländern Asiens und Afrikas kommt es einem Todesurteil gleich, als Mädchen geboren zu werden. So werden Mädchen von klein auf schlechter ernährt, erhalten seltener medizinische Hilfe als Jungen und dürfen oft nicht zur Schule gehen. Weil Mädchen als „wertlos“ gelten, werden weibliche Föten gezielt abgetrieben. In Ländern wie China oder Indien haben vorgeburtliche Diagnosetechniken und Abtreibungen dazu geführt, dass das demographische Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen verzerrt ist. In Indien kommen auf 1.000 Jungen nur 927 Mädchen; in China sogar unter 900. Weltweit fehlen statistisch gesehen über 100 Millionen Frauen.
Der UNICEF-Bericht zeigt auf, wie sich die lebenslange Vernachlässigung und Diskriminierung auf Mädchen und Frauen auswirkt:
An seinem 60. Gründungstag fordert UNICEF deshalb verstärkte Investitionen in die Bildung, die Förderung von Frauengruppen und den Schutz von Mädchen und Frauen vor Diskriminierung und Gewalt. Die Stärkung der Frauen bringt eine doppelte Dividende: Bildung ist die Vorraussetzung, damit sich Frauen aus Abhängigkeit befreien können. Und sie verbessert die Entwicklungschancen der Kinder. Gebildete Frauen versorgen ihre Kinder besser. Jedes zusätzliche Schuljahr der Mutter bewirkt, dass auch die Kinder länger zur Schule gehen. „Gesunde, gut ausgebildete und selbstbewusste Frauen sorgen dafür, dass auch ihre Kinder gesund, gut ausgebildet und selbstbewusst sind. Fortschritte für Frauen sind Fortschritte für Kinder“, erklärte die Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Heide Simonis, bei der Vorstellung des Jahresberichts in Berlin.
Gleichberechtigung rettet Kinderleben Umfragen von UNICEF zeigen, dass vielen Frauen bis heute ein Mitspracherecht selbst bei den grundlegendsten Entscheidungen verweigert wird. In Burkina Faso, Nigeria und Mali berichteten fast 75 Prozent der Frauen, dass allein die Ehemänner über die medizinische Versorgung entscheiden. Im indischen Bundesstaat Gujarat sah sich bei einer Umfrage fast jede zweite Frau nicht in der Lage, ein krankes Kind ohne Einverständnis des Mannes oder der Schwiegereltern zum Arzt zu bringen.
Umgekehrt belegen Berechnungen des amerikanischen International Food Policy Research Instituts die positiven Auswirkungen von Gleichberechtigung auf den Ernährungszustand der Kinder. Wenn in Südasien alle Frauen im Haushalt gleichberechtigt mit entscheiden könnten, würde dort der Anteil unterernährter Kinder um 13 Prozentpunkte sinken. 13,4 Millionen Kinder erhielten dann ausreichende Nahrung. Der Grund: Frauen räumen der Ernährung der Familie in der Regel Vorrang ein, auch wenn die Vorräte knapp sind.
Kinderheiraten und frühe Schwangerschaften
Wie wenig Mädchen über sich selbst bestimmen dürfen, zeigt das frühe Heiratsalter in vielen Ländern. Rund 82 Millionen Mädchen, die jetzt zwischen 10 und 17 Jahre alt sind, werden vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet – viele gegen ihren Willen. Vor allem in Afrika südlich der Sahara und in Südasien sind Kinderehen verbreitet. Eltern verheiraten ihre Kinder, damit sie eine Person weniger ernähren müssen. Oft wollen sie auch unehelichen Schwangerschaften vorbeugen oder sicherstellen, dass sich Töchter dem Ehemann unterordnen. Weil junge Frauen schlecht informiert sind und über ihre Sexualität nicht selbst bestimmen können, ist ihr Risiko, sich mit HIV zu infizieren, bis zu sechsmal höher als bei jungen Männern.
Todesursache Schwangerschaft und Geburt
Jedes Jahr sterben mehr als eine halbe Million Frauen an Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt. Etwa 99 Prozent der Todesfälle von Müttern entfallen auf Ent-wicklungsländer, mehr als 90 Prozent auf afrikanische Länder und auf Asien. Eine von 16 Frauen, die in Afrika südlich der Sahara lebt, wird an den Folgen von Schwangerschaft oder Geburt sterben – in den Industrieländern ist es eine von 4.000 Frauen. Einfache Vorsorgeuntersuchungen und die Betreuung durch ausgebildete Hebammen würde das Überleben von Tausenden dieser Frauen sichern. Die Gefahr für Neugeborene, deren Mütter starben, auch nicht zu überleben, ist drei- bis zehnmal so hoch wie für Säuglinge, deren Mütter überleben.
Schlechte Arbeit - wenig Lohn
Ein Schritt, den Status von Frauen zu verbessern, ist ein eigenes Einkommen. Weltweit ist der Anteil der Frauen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen, zwar stark angestiegen. Aber immer noch arbeiten Frauen vor allem im informellen Sektor – mit langen Arbeitszeiten und für geringen Lohn. Die durchschnittliche Arbeitszeit von Frauen in den Entwicklungsländern wird auf 60 bis 90 Stunden pro Woche geschätzt – im Durchschnitt 15 Prozent länger als bei Männern. Gleichzeitig verdienen Frauen in den Entwicklungsländern nur 30 bis 50 Prozent des Einkommens von Männern – in den Industrieländern sind es 60 Prozent.
UNICEF wurde heute vor genau 60 Jahren auf der ersten Vollversammlung der Vereinten Nationen am 11. Dezember 1946 als „United Nations International Children´s Emergency Fund“ gegründet. Der Auftrag lautete, den Not leidenden Kindern im verwüsteten Europa zu helfen. Danach startete UNICEF große Hilfsprogramme in den Entwicklungsländern. Heute ist UNICEF die bekannteste Kinderrechtsorganisation der Welt. 7.000 Mitarbeiter setzen sich in 160 Ländern dafür ein, dass Kinder in die Schule gehen können, medizinische Hilfe, Nahrung und sauberes Wasser bekommen und vor Ausbeutung geschützt werden.