Motive das eigene Kind nicht zu „behalten“

 

 

am Anfang war der Schrei!

der Schrei nach Hilfe

ein Problem hat man nicht, man zeigt es

 

 

 

 

 

 

 

Jede von uns hat vor dieser Entscheidung alle Möglichkeiten ausgeleuchtet, in sich bewegt und von links nach rechts gedreht, die sie in ihrer jeweiligen Ausgangslage hat betrachten können.

 

Was wäre in der Situation des sich entscheiden Müssens also bedeutsam gewesen? Das Durchbrechen der quälenden, kaum zu beschreibenden inneren Einsamkeit.

 

Mutterschaft als Ideal angepriesen und überfrachtet mit vermeintlich notwendigen Rahmenbedingungen, ganz zu schweigen von der Vorraussetzung innerer Bereitschaft und damit Fähigkeit, ein wachsendes menschliches Wesen zu begleiten. Parallel dazu die eigenen oft leidvollen Kindheitserfahrungen in instabilen Familiensystemen egal welcher Art, wie soll ein Individuum da eine Rollenbestimmung vollziehen, die über ein neues menschliches Schicksal entscheidet und das ganz alleine?

 

Ohne professionelle Hilfe ist das meiner Meinung nach nicht möglich. Und ich meine hier wirklich professionelle, fachkundige Hilfe. Wie kann ein Jugendamtsmitarbeiter, der immer vorrangig Vertreter der Interessen der Adoptionsbewerberfamilien ist, gleichzeitig eine Mutter beraten, die in ihrer scheinbar ausweglosen Situation ganz dringen Rat sucht? Der Gewissenskonflikt des Beraters liegt auf der Hand. Das Drama der abgebenden Mütter beginnt genau an dieser Stelle:  Sie werden benutzt ohne die Möglichkeit zu erhalten, z.B. psychologisch fundiert von einer unabhängigen neutralen Fachkraft zunächst einmal begleitet zu werden auf diesem elementaren Weg der Klärung der eigenen Situation als Schwangere.

 

Keine Mutter gibt leichtfertig ihr Kind weg, es ist immer eine Tat der Verzweiflung und eine Situation der vermeintlichen Ausweglosigkeit. Selbst die Klischeemutter „Prostituierte, die nicht weiß, welcher Mann der Erzeuger war“ befindet sich in einer Notlage der besonderen Art. Sie gehört sowieso zum „Bodensatz“ der Gesellschaft und hat somit kein Recht auf Mutterschaft, sie wird es sich selbst absprechen, weil sie keinen anderen Ausweg sieht, geschweige denn ihn gezeigt bekommt.

 

Was geschieht danach? Die zurückliegende Mutterschaft wird verdrängt, oft nicht mehr für wahr gehalten, die Mutter arrangiert sich, kann aber niemals vergessen. Jede Frau die Leben geboren hat, hat einen Teil unserer Schöpfung erlebt, Fortpflanzung als Lebenserhalt unserer Menschheit. Das ist in jedem Fall ein Erlebnis der besonderen Art, ganz und gar elementar und unausweichlich gültig.  Die Männer werden dies auch als liebevolle Männer und Väter niemals nachvollziehen können, was an sich auch kein „Problem“ ist. Nur können wir Mütter uns zurecht fragen, wer überwiegend die Gesetze und Vorgehensweisen bestimmt hat, das waren sie, die Männer, die Spezies, die wohl jede von uns innerhalb unserer verzweifelten Lage als Mutter eines „ungeplanten“ Kindes allein gelassen haben.

 

Nun gehen die Jahre ins Land, viele von uns haben noch mal Kinder auf diese Welt gebracht und jedes Jahr feiert die Mutter innerlich den Geburtstag ihres ersten Kindes, von dem sie nichts weiß und auch nichts wissen darf.

 

Die Motive von damals werden hundertfach hinterfragt, wir quälen uns mit Fragen nach dem „was wäre wenn gewesen“, suchen unsere Kinder früher oder später, oder hoffen unser Leben lang, dass sie sich melden mögen.

 

Die Antwort darauf wird es niemals geben können, aber es gibt die Erkenntnis Mütter stark zu machen, so stark, dass sie eine angemessene, ihnen gemäße Entscheidung treffen können, auch wenn es die sein sollte, ihr Kind zur Adoption frei zu geben (aber möglichst nicht inkognito!!!)

 

Dorothée