Tja, mein Leben als Adoptierter....
Es ist ein Leben voller unterdrückter Gefühle und Sehnsüchte, voller Hemmungen und Ängste (Existenz- und Verlustängste).
Es ist ein Gefühl, relativ umsonst zu leben oder gelebt zu haben.
Es ist der ständige Versuch, es allen recht zu machen, um nur ja nicht abgelehnt zu werden.
Es ist die nächtliche Angst vor dem Krankwerden und vor dem Sterben.
Es ist eine innere Fessel, die sich um mein Herz und meine Lunge gelegt hat und die sich immer mehr zuzieht.
Es ist ein langsames Resignieren vor dem ständigen Kampfeswillen, es dem Leben doch zu zeigen.
Es ist ein tiefer innerer Schmerz, der langsam, aber kontinuierlich immer mehr zunimmt.
Es ist unendliche Traurigkeit.
Es ist eine große Müdigkeit, die sich nach Schlaf sehnt.
Es ist manchmal eine unglaubliche Wut auf Gott und die Menschen, die soviel Scheiße anrichten können.
Es ist das unbändige Verzehren nach Liebe und das gleichzeitige Wissen, dass es nie Erfüllung finden kann und wird.
Es ist die Sehnsucht, dass bald alles ein Ende hat und doch setzt sich der Lebenswille immer wieder durch.
Es ist Verzweiflung, Hass und Ohnmacht dem Leben und dem Schicksal gegenüber.
Es ist der Hass auf meine leibliche Mutter, die zu dumm war, um zu verhüten, obwohl sie schon 3 eheliche Kinder und 2 andere uneheliche Kinder hatte. Das 3. uneheliche Kind bin ich.
Tja, ich weiß nicht, ob ich noch was vergessen habe, aber so sieht es in mir aus.
Ich wünsche Dir, dass Du diese Schmerzen und Qualen nie fühlen musst!
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Ich denke mir, keine Mutter freut sich darüber, wenn sie ihr leibliches Kind weggibt oder weggeben muss!
Erst recht, wenn sie erfahren muss, dass dies für das Kind doch nicht die Glückseeligkeit bedeutet hat, die man ihm vorher aufgezwungen hat.
Ich denke, man sollte aber nicht auf die "Rabenmütter" rumhacken, sondern das Problem ist doch die Verantwortung, die nicht für ein unschuldiges Leben genommen wird oder genommen werden kann, weil man selber keine Verantwortung, Wärme, Liebe, Geborgenheit etc. erfahren hat.
Das Problem ist die kranke und teilweise verantwortungslose Gesellschaft, die nur auf solche Störungen reagiert, aber nicht agiert, um aus dem Schlammassel heraus zu kommen.
Würden bestimmte Werte, die heute immer mehr verfallen, da sich jeder selbst der oder die Nächste ist, sich wieder mehr auf die Familie und Kinder als d a s Glückserlebnis verschieben, und nicht auf Lustgewinn - egal wie und ohne Rücksicht auf Verluste -, dann hätten wir eine Chance, in den nächsten 100 Jahren wieder einiges gerade zu biegen.
Aber schau Dich mal um, wie viele gescheiterte Existenzen um uns herum dahinvegetieren und sich aber lustig weitervermehren und ihre soziale Unfähigkeit natürlich ihren Kindern weitervermitteln! Dann rechne mal hoch und Dir wird schlecht!
Adoption kann manchmal nur ein Ausweg sein, aber die Jugendämter sollten sich vielmehr bewusst sein, wie problembehaftet eine Adoption für alle Beteiligten ist und die leiblichen Eltern und die Adoptiveltern viel stärker beraten und begleiten! Denn gerade Adoptiveltern und Pflegeeltern können in ihrem Unwissen sehr vieles falsch machen, obwohl sie es ja soooo gut meinen!
Nun zu mir: Bevor ich mit 3,5 Jahren adoptiert wurde, war ich in einer Pflegefamilie, dann, nach langen Krankenhausaufenthalt, die Pflegefamilie hatte mich wohl etwas vernachlässigt (ich hatte Benzin getrunken, mir wurde der Magen ausgepumpt, dann wurde zufällig im Krankenhaus eine schwere Rippenfellentzündung bei mir festgestellt) kam ich dann in ein Heim. So steht es jedenfalls in den Akten. Mittlerweile galt ich offiziell als schwer erziehbar und schwer vermittelbar. Steht auch in den Akten. Schließlich hatte ich das Glück, wenigstens doch noch von meinen Adoptiveltern angenommen worden zu sein, wer weiß, wo ich ansonsten gelandet wäre. Leider war ich meinen Adoptiveltern nur schwer zugänglich - wohl aufgrund der vorherigen negativen Erfahrungen in meinen 3,5 Jahren - und konnte mich leider nie meinen Adoptiveltern gefühlsmäßig öffnen, worunter diese und natürlich auch ich sehr gelitten haben. Ich habe immer alles mit mir alleine ausgemacht, was logischerweise für mein Seelenleben nicht gerade gut war.
Ich hatte aber schon als kleines Kind immer Angst davor, dass meine Adoptiveltern mal sterben würden und ich praktisch alleine dastehen würde. So entwickelte ich nach und nach immer mehr Ängste (Höhen-, Flug-, Verlust, Existenz-, Beziehungsangst usw.)
Du siehst, ich hatte zwar irgendwie Glück, dass mich überhaupt jemand gewollt hat, aber letzten Endes habe ich trotzdem das Gefühl, nie irgendwo und irgendwie angekommen zu sein und immer alleine dazustehen, obwohl ich mittlerweile verheiratet bin und ein süüüüüßes Kind habe. Aber auch hier merke ich leider, bin ich nicht glücklich, auch, wenn ich es mir immer wieder versuche einzureden. Leben tue ich trotzdem nicht wirklich. Ich lebe nur für andere, für meine Frau, für meine noch lebende Adoptivmutter, vorher für meinen schwer behinderten Vater, für mein Kind, aber nicht oder nur wenig für mich.
Ich versuche heute, das Beste daraus zu machen und die wenigen positiven Dinge, die da sind zu sehen, aber ich mache mir da nichts vor: Glücklich sein werde ich nie! Dafür stecke ich zu sehr voll Angst, die mich hindert, ein freies, glückliches Leben zu führen.
Ich wünsche mir, dass ich eines Tages meiner leiblichen Mutter und mir somit verzeihen kann, dass ich existiere.
Eigentlich sind die Menschen ja nicht so schlecht, aber sie lassen sich zu sehr von gewissen Dingen verführen, von denen es halt später in der Konsequenz kein Entrinnen mehr gibt!
Michael