Das Verbot sexuellen Verhaltens,

das nicht zur  Empfängnis führt

 

 

 

Aus: „Tödliche Lehre“ von Wendell W. Watters – 1992

 

 

Masturbation

 

 

Durch die Erfindung eines Kodexes für Sexualverhalten, der das Überleben der Kirche garantieren würde, ließen die frühen Kirchenväter nichts aus in ihrer Entschlossenheit, die Gebärmutter in eine Fabrik zur Erzeugung christlicher Babys umzuwandeln. Da Masturbation die einfachste Form der Befriedigung und da hierzu kein Partner nötig ist, wurde ihr besondere Verdammung vorbehalten. Gemäß Tannahill ist die westliche christliche Gesellschaft die einzige, in der Masturbation völlig geächtet war.

 

In Matt. 5.30 sagt Jesus: „Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.“ Ob Jesus sich auf genitale Selbststimulation bezog, ist das Thema zahlreicher Debatten gewesen. Bei der Suche nach der Berufung auf die Schrift für ihre Lehren bezüglich Masturbation hat sich die Kirche jedoch stark auf die Geschichte von Onan gestützt, dessen „Sünde“ nicht Masturbation, sonder coitus interruptus war. In der Geschichte der Genesis, Er, der Sohn Juda, heiratete Tamar und beleidigte Gott kurz danach und wurde sofort getötet. Nach den Bedingungen der hebräischen Leviratsehe (Heirat des Schwagers) wurde von Onan, dem Bruder Ers, erwartet, Tamar zu heiraten und zu schwängern, damit sein toter Bruder Nachkommen haben würde. Onan nahm es übel, dass Kinder, denen er Vater sein sollte, nicht seine wären, „er verschüttete seinen Samen auf den Boden“ und nicht in den Leib seiner neuen Frau. Das Wort Onanie, auf Masturbation angewandt, wurde zum ersten Mal im 18. Jahrhundert gebraucht. Im Jahr 1710 veröffentlichte ein ehemaliger Geistlicher, aus dem ein Quacksalber geworden war, das Buch Onania, or the heinous sin of self-pollution and all its frightful consequences in both sexes, considered with physical and spiritual advice (Onanie, oder die fürchterliche Sünde der Selbstbefleckung und alle ihre fürchterlichen Folgen für beide Geschlechter, betrachtet mit körperlichem und geistigem Rat). Der Autor, der Becker hieß, führte durch das Missverständnis der Geschichte Onans diesen Ausdruck in die Sprache ein, in der er für zwei Jahrhunderte blieb. Sein Buch wurde achtzigmal aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt.

 

 

 

 

 

Im Jahr 1760 veröffentlichte Tussot, ein ehrbarer Schweizer Arzt, Onanism, or a treatise upon the disorders, produced by masturbation (Onanie, oder eine Abhandlung über die Krankheiten, die durch Masturbation hervorgerufen werden), wo er behauptete, dass Masturbation nicht nur eine Sünde und ein Verbrechen, sondern direkt für eine Anzahl von Leiden von „Schwindsucht“ bis zum „Wahnsinn“ verantwortlich sei.

 

Benjamin Rush, der Vater der amerikanischen Psychiatrie, und Henry Maudsley, der britische Psychiater aus dem 19. Jahrhundert, der seinen Namen dem weltberühmten Psychiatrie-Institut in London gab, unterstützten durch das Gewicht ihrer Autorität die irrationale Angst wegen Masturbation.

 

 

 

 

 

Benjamin Rush

 

 

 

http://www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/trialog/oaks.htm

 

Mit der psychiatrischen Unterdrückung entstand auch der antipsychiatrische Widerstand. Benjamin Rush, der 1776 die US-amerikanische Unabhängigkeitserklärung mitunterzeichnet hat, wird von der APA (American Psychiatric Association; Standesorganisation der US-amerikanischen Psychiater) als 'Vater der amerikanischen Psychiatrie' bezeichnet. Auf allen offiziellen Publikationen der APA prangt sein Portrait. Routinemäßig setzte Rush bizarre Foltermethoden ein, darunter Aderlass, Tauchbäder, Drehstühle und Fesselungen. Sie können darauf wetten, dass sich seine 'PatientInnen' wehrten. Um ihn in eine Psychiatrische Anstalt zu bringen, musste Rush natürlich auch bei seinem eigenen Sohn Zwang anwenden.

 

 

Tranquilizer Chair by Benjamin Rush

 

http://www.toddlertime.com/advocacy/hospitals/Asylum/psychosurgery.htm

Whitaker reveals how Benjamin Rush, the "father of American psychiatry," theorized that insanity was caused by "morbid" qualities in the blood, leading him to conclude that as much as "four-fifths of the blood in the body" should be drawn away; Rush bled one patient 47 times, removing four gallons of blood over time. He also strapped patients horizontally to a board and spun them around at great speeds. He confined others in his "Tranquilizer Chair' that completely immobilized every part of their body for long periods and blocked their sight with a bizarre wooden shroud, while they were doused in ice-cold water.

 

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Wahnsinn, hervorgerufen durch Masturbation, war nach Maudsley gekennzeichnet durch “eine äußerste Perversion der Gefühle und eine entsprechende Geistesverwirrung in den Frühstadien und später, durch ein Versagen der Intelligenz, nächtliche Halluzinationen und Neigung zu Selbstmord und Mord. Ermahnungen des 20. Jahrhunderts bezüglich nachlassender Sehkraft und Haaren an den Handinnenflächen sind im Vergleich dazu verhältnismäßig zahm.

 

 

 

 

Korsett zur Verhinderung der Masturbation,

aus einem französischen Buch von ca. 1815

 

 

 

 

Selbstbefriedigung verstößt gegen mehr als eine Lehre des Christentums. Erstens, der oder die einzelne ist mit sich selbst beschäftigt, und das an sich läuft schon der kirchlichen Lehre zuwider. Zweitens, er oder sie beschäftigt sich mit Freunde, und alle irdischen Freuden sind verdächtig. Drittens, er oder sie ist mit „fleischlichen“ Freuden beschäftigt, welche von den Zeiten des Paulus an verdammt wurden, der ständig seine Anhänger in der Kirche warnte, „enthaltet Euch von fleischlichen Lüsten, welche wider die Seele streiten“ (Petr. 2.11). Und letztendlich ist Masturbation eine Sexualhandlung, die nicht der Zeugung dient. Es kann nicht verwundern, dass die christlichen Lehren über die Masturbation so viel zum menschlichen Leiden beitrugen und noch beitragen. 1975 bestätigte der Vatikan noch einmal, dass Masturbation eine „intrinsische und ernsthaft gestörte Handlung“ sei, und gleichzeitig erkannte er an, dass moderne physiologische und soziologische Beweise zeigten, dass es sich um einen normalen Aspekt der menschlichen Sexualentwicklung und des Verhaltens handelt. Behellig mich nicht mit Tatsachen, ich habe mich entschieden!

 

 

http://www.teachsam.de/pro/pro_aids/pro_aids_txt_8.htm

 

Der Vatikan lehnt die Empfehlung von Kondomen als Schutz gegen Aids weiter strikt ab. In einer Denkschrift des Päpstlichen Rates für die Familie wird katholischen Eltern außerdem geraten, ihre Kinder aus dem Sexualkundeunterricht zurückzuziehen, wenn dort nicht nach den Vorschriften der Kirche gelehrt werde. Außerdem werden Masturbation und Homosexualität erneut verurteilt und Keuschheit als erstrebenswerte Tugend dargestellt.
Das 67 Seiten starke Dokument des Vatikans ist als Anleitung für katholische Eltern zur Sexualerziehung gedacht und enthält neben allgemeinen Erwägungen und moralischen Betrachtungen auch eine Reihe praktischer Orientierungshilfen. So wird beispielsweise kritisiert, dass heutzutage mit der Begründung, die Menschen müssten vor Aids geschützt werden, den Heranwachsenden der Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau in allen Details auch graphisch dargestellt werde. Auch sollten die Eltern die Propagierung des "Safer Sex" in Form der Benutzung von Kondomen zurückweisen, weil dies "eine gefährliche und unmoralische Politik" sei. Enthaltsamkeit und eheliche Treue seien das einzige richtige Mittel zur Verhütung einer Ansteckung mit Aids. Die Päpstliche Kommission, die von dem spanischen Kardinal Alfonso Lopez Trujillo geleitet wird, schreibt den Eltern das Recht und die Pflicht zur Erziehung ihrer Kinder zu und empfiehlt ihnen, mit großer Aufmerksamkeit jede andere Form der Sexualaufklärung außer Haus zu verfolgen. Sie sollten ihre Kinder von solchem Unterricht zurückziehen, wenn dieser nicht ihren eigenen Grundsätzen entspreche, heißt es weiter, ohne dass konkret Bezug etwa auf Sexualkundeunterricht in der Schule genommen wird.
Die Verwendung eindeutiger Darstellungen oder "Materials von erotischer Natur" in der Sexualerziehung lehnt der Vatikan ab. Vielmehr müssten die Kinder während der Pubertät über die menschliche Fortpflanzung "im Kontext der Erziehung zur Liebe, zur ehelichen Treue und zur Achtung vor dem menschlichen Leben nach Gottes Schöpfungsplan“ aufgeklärt werden. Die menschliche Sexualität sei ein heiliges Geheimnis, das nach der moralischen Lehre der Kirche dargestellt werden müsse, wobei immer die Folgen der Erbsünde zu bedenken seien, heißt es.
Homosexualität sollte nach Meinung der päpstlichen Kommission möglichst erst mit älteren Jugendlichen erörtert werden. Dabei sollte unterschieden werden zwischen einer homosexuellen Tendenz, die angeboren sein könne, und homosexuellen Handlungen, welche "zutiefst verwerflich" und gegen das Naturgesetz seien. Homosexuelle seien zur Keuschheit aufgerufen. Zugleich müsse man homosexuellen Jugendlichen mit Respekt, Würde und Feingefühl begegnen, jede ungerechte Diskriminierung vermeiden.
Als "schwere Ausschweifung" wird in dem Dokument der Kirchenführung die Masturbation bezeichnet. Sie sei grundsätzlich unerlaubt und könne auch nicht durch jugendliche Unreife moralisch gerechtfertigt werden. Solche Handlungen seien oft Ausdruck innerer Konflikte oder einer egoistischen Auffassung von Sexualität.

 

 

 


Eine geburtenfeindliche und verweltlichte Sexualerziehung müssen katholische Eltern nach Meinung der Kommission ablehnen. Dabei wird Bezug genommen auf nicht näher bezeichnete "große Organisationen und internationale Verbände", die sich für Abtreibung, Sterilisation und Empfängnisverhütung einsetzten. Sie könnten bei Kindern und Jugendlichen Angst vor der "Drohung der Überbevölkerung" hervorrufen. Hingegen sollten die Kinder aufgeklärt werden über die "moralischen, geistigen und gesundheitlichen Werte" einer Regelung der Fortpflanzung auf natürliche Weise.

(aus: Süddeutsche Zeitung, 23./24./25./26.12.1995)

 

 

Eins der enthüllendsten „Ergebnisse“ der Goldman und Goldman Studie, die weiter oben zitiert wurde, war gar kein Ergebnis, sondern etwas, was durch die Art und Weise, wie die Studie konzipiert wurde, erlangt wurde. Bei der Vorauswahl des Sexualvokabulars, das im Fragebogen benutzt werden sollte, eliminierten die Autoren einige Worte, die nach ihrer Meinung „über das hinausgingen, was Eltern akzeptieren würden“. Bei diesen Worten waren solche, die sich auf Homosexualität und Masturbation bezogen, das letztere verursachte so viel Verlegenheit in den Versuchsinterviews, dass es ausgeschlossen werden musste. Die Autoren haben dies richtigerweise als „ein trauriges Anzeichen an sich – über den Zustand der Kommunikation über Sexualität“ angesehen.