Man muss es selbst erlebt haben,
das Leben seines Kindes
nur anhand von Photos nachzuerleben
Meine Tochter hatte am 4. Januar Geburtstag. Zu dieser Zeit bin ich immer sehr schwermütig, von den Gedanken her. Quasi durchlebe ich die Geburt und die Zeit danach, nochmals voller Sorgen in die Zukunft…
Ein Gefühl welches sich festbrannte in mir…
Ich glaube das hört niemals auf. (Und ich würde es mir so sehr wünschen, dass ich solch negative Erfahrungen letztendlich loslassen könnte.) Ich habe keine Lust zu leiden und sehe in dem "Leiden“ auch gar keinen Sinn mehr. Ich wünschte es ginge nach dem Motto: „ES WAR EINMAL“.
Froh müsste ich sein, denn Nicole geht es physisch und psychisch immer besser. Auch ihre sonstigen Probleme sind wesentlich weniger geworden. Das ist doch auch schon etwas „GUTES“.
Nicole fehlt mir.
Ich bin heute so tief in mich reingekrochen, habe unsere Beziehung durchleuchtet, wollte ermessen „WAS“ Nicole mir bedeutet, in unserem normalen Leben und Umgang miteinander…
Da sind Wunden die niemals heilen und die damalige Sehnsucht nach meinem Kind, musste ich immer unterdrücken. Meine unerfüllten Wünsche mit meiner Tochter lassen mich oft verzweifeln und dass, obwohl niemand von uns etwas dazu kann. Mir hilft es wenig vom Moralischen her, dass sie wieder in meinem Leben ist.
Es gibt die Adoptivmutter.., und diese Frau ist einfach störend in meinem
Leben. Ich möchte nicht als undankbar da stehen, aber mein Leben mit
Nicole, ohne Nicole, ist nie voll zufrieden. Muss mich immer nur mit
halben Sachen begnügen, das tut auch sehr weh.
Diese alte Frau, die Adoptivmutter, hat immer noch mein Kind um sich…
Als diesen Ausgleich.., wie töricht und dumm von mir, mag ich sooo
ganz besonders unsere Schwiegertochter Jenni.
„Ist doch gar nicht vergleichbar!“ weiß ich selbst, aber Jenni ist oft bei mir, und ich bemerke dann auch, wie schön es ist.., sein muss, eine Tochter zu haben !!!! die man oft sehen kann.
Meine Gefühle für Nicole sind mütterlich, damit bin ich verwurzelt. Aber Nicole ist 31 und ich vermisse ein kleines Baby… Mir fehlt da ganz viel an BEZIEHUNG. Na ja, über 30 Jahre ganz genau. Es wird nie eine normale Situation sein und werden.
Obwohl die Adoptivmutter stresst, wie alle Adoptivmütter.., kann ich Mitgefühl
für diese Frauen aufbringen Sie haben solche Angst „IHRE“ Kinder zu verlieren, dabei wissen Sie doch gar nicht was wir durchlebt haben.
Wenn die Kinder nun erwachsen sind und ihre leiblichen Mütter gefunden haben, fühlen sich die Adoptivmütter auch noch als Opfer… wollen es sein, weil sie doch alles gegeben haben… und jetzt nimmt man ihnen ihr Eigentum…
Kopfschütteln !
Wir sprechen hier von erwachsenen Menschen die ganz allein über ihr Tun
und Handeln entscheiden sollten. Unsere Kinder hatten / haben gefühlsmäßigen Stress durch die Adoption, durch uns und nun haben unsere Kinder auch noch Stress durch die Adoptivfamilie.
Hört das denn nie auf ???
Wann kommen wir alle endlich einmal zur Ruhe ???
Und kann es überhaupt eine entspannte RUHE für alle geben ???
Eine Situation in der ALLE glücklich sind, oder wenigstens einigermaßen zufrieden ???
Gibt es überhaupt glückliche Adoptionen ??? Adoptionen, wo alle Beteiligten rundum glücklich sind ???
Oder gibt es bei Adoptionen nur SCHEIN-GLÜCKLICHE ???
Wer gibt schon gern zu das die Adoption jedem nur Kummer brachte. Heilfroh bin ich, dass Nicoles Adoptivmutter sagt: „Es war falsch, Nicole überhaupt adoptiert zu haben!“ Denn HEUTE weiß diese Frau, dass mein Kind immer vermisst wurde.
Ihr wurde vom Jugendamt erzählt, ich wolle mein Kind nicht !!!
Auch solch eine Aussage trifft mich mitten ins Herz. Das Jugendamt hat erzählt und erwähnt was alle Adoptiveltern so gern hören wollten.
Das Jugendamt ist der HAUPTINITIATOR unserer Katastrophen !!!
Davon wollen Adoptiveltern natürlich nichts hören !!! Dass eine Behörde nur in ihrem Sinne gehandelt hat – zu ihrem Wohle !!!
Ich habe ein Album nur von Nicole angelegt. Von allen Verwandten gib es mittlerweile Bilder mit meiner Tochter. Nur Nicole und meine Mutter fehlen.
Es gibt Momente da fühlt meine Mutter, ihre Großmutter, sich unwohl in Nicoles Nähe. Es wird immer ETWAS dazwischen stehen, ob nun gewollt oder nicht.
Wir funktionieren nur irgendwie.
Das Erwachsenwerden von Nicole hatte ich in Gedanken mitgelebt. Aber seit ich alle Bilder von meiner Tochter erhalten habe, sehe ich alles mit ganz anderen Augen.., was ich alles verpasst habe. Die Bilder halfen mir zum Teil.., zu sehen.., dass Nicole es zumindest äußerlich gut angetroffen hatte. Aber, mir tat es immer so weh im Herzen, zu sehen, dass mein Kind bei fremden Leuten aufwachsen musste !!!!! Ohne meine Zustimmung.
Als Nicole eingeschult wurde, zur Kommunion ging.., da sah sie aus wie ich in dem Alter. Tagelang habe ich geheult um mein verlorenes GLÜCK. Dieses Glück hatte plötzlich auch ein Gesicht. Man muss es selbst erlebt haben das Leben seines Kindes anhand so vieler Photos nachzuerleben. Das hat mich so manch schlaflose Nacht gekostet. Und viele Tränen flossen. An sich stehe ich mit beiden Füßen fest im Leben. Nicole ist und bleibt mein WUNDER PUNKT in meinem Leben, denn ohne Sie wäre es nicht mein Leben.
Meinen Verlust mache ich an anderen, an Jenni und ihrer Freundin wieder gut. Als eine Art von Entschädigung. Diese Einstellung benötige ich ganz dringend für mich. Ich sehe nicht, dass ich meinen Sohn verliere, sondern ich sehe.., dass ich eine ganz süße Schwiegertochter hinzu gewinne. Und ich habe für Jenni ganz ganz viel in meinem Herzen übrig.
Unser Tabu Thema ist Nicole, und ich möchte nicht mit dem Gespräch
beginnen, wie es damals war. Wenn ich mal gefragt werde, so würde ich antworten, und das auch schonungslos.
Nicole würde so gern die Patentante der Kinder von Marcel, ihrem Bruder werden, und mein Sohn sagte „Ja klar, geht in Ordnung Nicole.“ Oh, das hat mich doch sehr glücklich gemacht, dass meine Nicole doch auch in UNSER ALLER Leben mit einbezogen wird. Nur bemerke ich auch, dass Jenni eine Lücke in meinem Leben schließt. Und ich bin wirklich glücklich, dass ich Nicole wieder habe und Jenni sich bei uns geborgen und behütet fühlt.
ICH erlebe also auch eine ganz neue Gefühlswelt.
Margrit