Lebenslange Folgen für alle Beteiligten ?
warum kann kein offener Prozess geführt werden?
weil Offenheit Angst macht vor echter Lebendigkeit?
weil Offenheit Arbeit macht, denjenigen, die amtlich für das Wohl der Kinder zuständig sind?
weil Offenheit zu echter Auseinandersetzung führt?
Es gibt im Adoptionsprozess eine Vielfalt in der Größenordnung der Artenvielfalt in der Natur. Dieser Vielfalt gilt es gerecht zu werden und das ist möglich!
Wir als Herkunftsmütter stellen fest, dass wir unser ganzes Leben gelitten haben, auch wenn bestimmt einige von uns den Weg der Verdrängung gewählt haben, aber auch dieser Weg ist ein Leidensweg.
Wir, die Mütter, die ihre Kinder gefunden haben, stellen fest, dass es unseren Kindern zum größten Teil nicht gut ging und geht. Sie gehen unterschiedlich intensiv an ihr Leidensthema des vermeindlichen „Nicht-gewollt-worden-Seins“ heran.
Uns wird deutlich, dass sie oft ihren Selbstwert verzweifelt suchen, dass sie einsam sind und um Antworten ringen, die ihnen während ihrer Kindheit meistens niemand geben konnte.
Der einzige Weg kann nur sein, auf die individuellen Möglichkeiten der Beteiligten einzugehen und das ist auch bei Inkognito möglich.
Betrachten wir doch nur einmal unseren „erwachsenen“ Umgang mit unseren eigenen Eltern. Ich habe einen langen und intensiven Weg des Austausches mit ihnen hinter mir, der oft geprägt war von gegenseitigem Unverständnis, der aber immer das gemeinsame Ziel des Miteinanders verfolgte und zu jeder Zeit lebendig blieb. Ein Teil meines heutigen Glücks ist darauf zurückzuführen, dass es uns irgendwann gelang und immer wieder gelingt.
Es würde mich immer belasten, wenn meine Eltern von mir gegangen wären und ich hätte diese gemeinsame Geschichte mit ihnen nicht erleben dürfen.
Wie soll das also bei Inkognito funktionieren?
Die Jugendämter als Ansprechpartner für alle Beteiligten und das lebenslang.
Als mein Sohn 11 Jahre alt wurde habe ich einen Brief an die A-Eltern geschrieben, ich wollte einfach nur wissen, wie es meinem Sohn ginge und zeigte damit meine Präsenz. Wären die A-Eltern ab diesem Zeitpunkt auf mich zu gekommen, mit Fragen oder auch Problemen mit ihrem/unserem Sohn, ich wäre bereit gewesen auch innerhalb der gewahrten Anonymität in einen Austausch zu gehen – begleitet durch das JA.
So wurde ich von den Adoptiveltern aufgefordert, mich nicht mehr zu melden, weil sie Angst hätten, ihn zu verlieren und vom JA wurde ich auf meine nicht vorhandenen Rechte aufmerksam gemacht (als ob ich das nicht gewusst hätte…)
Hat nicht genau deshalb mein Sohn vieles verloren, was vielleicht für seine Entwicklung sehr wichtig hätte sein können?
Alles Spekulation – Ja – aber ein solcher Umgang würde Dimensionen eröffnen!
Und es gibt sie, die Herkunftsmütter, die sich das zutrauen!
An der Tatsache, dass zu jeder Zeit alle Beteiligten eine Rolle spielen, egal ob aktiv oder passiv kann niemand mehr ernsthaft zweifeln.
Die Kinder können sich nicht wehren so lange sie klein sind, aber sie brauchen reife Erwachsenen, denen daran liegt, ihr Kind zu jeder Zeit so optimal wie möglich zu begleiten.
Warum können also nicht alle Möglichkeiten ausgelotet und verfeinert werden?
Das verstehe ich unter zeitgemäßem Umgang mit diesem umfassenden Thema.
Ich wünsche uns, die wir uns heute diesem gemeinsamen Thema mit all seinen Schattierungen stellen, dass wir eine konstruktive und innovative Öffentlichkeit finden werden, die bereit ist, diesen einzig angemessenen Weg einzuschlagen.
Dorothée