Kommentar einer Inkognito-Adoptierten

zum Thema

„Anonyme Geburt / Babyklappe“

 

 

 

Es ist nicht die Adoptivfamilie allein, die zählt...klar sind meine Adoptiveltern meine Eltern und ich liebe sie, obwohl sie mich oft "verletzen" und nicht verstehen wollen / können, warum ich meine Mutter suchte. Ihre Reaktion auf mein Finden, verlief auch nicht so, wie ich es mir wünschte...ich denke sie haben zum Teil Angst, mich zu verlieren, obwohl das völliger Quatsch ist...zum anderen haben sie wohl ihr Leben lang verdrängt und wollten nicht wahrhaben, dass es mir vielleicht nicht so gut geht...das ich Sehnsüchte und Fragen habe, die sie einfach nie hätten beantworten können.

Ich wollte immer wissen, woher ich komme, wer meine Mutter ist, wie sie aussieht, was sie macht, denkt und fühlt...warum sie mich nicht behalten konnte / wollte...u.v.m.

 

All diese Fragen haben mich jahrelang begleitet und es wäre sehr hilfreich gewesen, ein Bild zu haben , oder einen Brief...eine Erklärung für das Unfassbare, was man nie begreifen kann...

Man ist nicht gewollt...so empfinde ich es noch heute...
Die eigene Geschichte fehlt...das was alle Menschen haben, ob gut oder schlecht ist dabei völlig egal. Und alle Welt denkt, man sollte doch glücklich und dankbar sein...man hat ja schließlich alles...aber eins ist für immer weg: Das Vertrauen...zumindest bei mir sehr schwierig...und man hat Angst...immer wieder aufs Neue, verlassen zu werden...

Wem also nützt die Anonymität?

- Der Mutter ? Die nichts von dem Kind erfährt ?
- Dem Kind ? Das sich ein Leben lang Fragen stellen wird ?
- Den Adoptiveltern ? Die wahrscheinlich gerne Fragen beantworten würden, wenn sie könnten ?

Ich fühle mich meiner Identität beraubt. Nicht einmal mein Vorname blieb mir...ich hatte keine Wahl, es wurde über mich bestimmt...vielleicht war es gut so, aber ich werde nie einen Vergleich haben!

Vielleicht ist die "Klappe" eine Lösung für einige Mütter...ich weiß es nicht.
Aber die Kinder werden alle ihre eigenen Fragen haben. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte in einer Klappe gelegen...nein danke...ich hatte schon so genug Probleme und Ängste als Inkognito-Adoptierte ...eine "Klappe" hätte das alles noch schwerer gemacht, da bin ich mir ganz sicher...

Darum kann ich nicht verstehen, wenn jemand sein Kind anonym abgibt...