Homosexualität
Aus: „Tödliche Lehre“ von Wendell W. Watters – 1992
Das Wort „homosexuell“, das der Psychologe Havelock Ellis im Jahr 1897 vom Deutschen her ins Englische einführte, hat schon immer beträchtliche Verwirrung gestiftet; handelt es sich nun um ein Adjektiv, das sich auf den Sexualakt von zwei Menschen gleichen Geschlechte bezieht, oder ist es ein Substantiv, das sich auf ein Individuum bezieht, das sich nur solcher Sexualakte befleißigt? Wenn es ein Substantiv ist, auf welchen Punkt auf der Kinsey-Skala der Homosexualität bezieht es sich? Etwas von der semantischen Verwirrung wurde durch das Wort „Gay“ (Schwuler/schwul) beseitigt, um Leute zu bezeichnen, die nur homosexuell in ihrer sexuellen Orientierung und ihrem Verhalten sind, und das Adjektiv „homosexuell“ nur für Sexualakte vorzubehalten (Anm. des Übersetzers – diese Problematik kommt in der deutschen Sprache nicht zum Tragen.)
Frühere Fruchtbarkeitskulte, vielleicht sogar sehr alte Volksstämme im Altertum in Israel, hatten in ihre religiösen Zeremonien verschiedene ritualisierte Sexualhandlungen eingebaut, die Priester, Priesterinnen und Anbeter einbezogen. Orale Befriedigung von Mann zu Mann war nur eine dieser ritualisierten Handlungen, eine, die in wenigen primitiven Kulturen überlebte. Diese Praktiken starben langsam aus, zweifelsohne wegen einer steigenden Sorge bezüglich aller Arten von Sexualverhalten in Ackerbaugesellschaften, die nicht zur Zeugung dienten, und wurde schließlich auf bestimmte Gebiete beschränkt, mit Grenzen, die gegen Eindringliche geschützt werden mussten.
Die Verdammung homosexuellen Verhaltens ist im 3. Mose 18.22 ganz klar: „Du sollst nicht beim Knaben liegen wie beim Weibe; denn es ist ein Greuel.“ Im Mose 20.13 wird das Verbot noch schärfer ausgesprochen: „Wenn jemand beim Knaben schläft wie beim Weibe, die haben ein Greuel getan uns sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.“
Philo, ein hebräischer Philosoph, der zur Zeit Jesu schrieb, gebraucht eine ackerbauliche Metapher, um seinen Widerwillen gegenüber der Homosexualität auszudrücken: „ Wie ein schlechter Bauer verwendet der Homosexuelle seine Kraft Nacht und Tag auf einem Boden, von dem kein Wachstum erwartet werden kann.“

Obgleich Jesus nichts in den Evangelien sagt, um seine Ansichten für oder gegen die Homosexualität anzuzeigen, machte Paulus keinen Hehl daraus, wie er darüber dachte. In Röm. 1.27 sagt er, „Desgleichen auch die Männer haben verlassen den natürlichen Brauch des Weibes und sind aneinander erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihres Irrtums (wie es denn sein sollte) an sich selbst empfangen.“ In Kor. 6.9 warnt Paulus wieder, dass „die Knabenschänder“ nicht das Reich Gottes erben werden.
Im Rom des 3. Jahrhunderts wurden, bevor das Christentum zur Staatsreligion avancierte, Gesetze erlassen, die Homosexualität mit der Todesstrafe belegten. Zu jener Zeit war der römische Staat wegen der sinkenden Geburtenrate sehr nervös und zweifelsohne durch das Aufkommen des Christentums beeinflusst worden, dessen Haltung bezüglich der Zeugung so offenkundig für das Leben war. Als das Christentum im Westen politisch an die Macht kam, war das Los der Homosexuellen kein glückliches.
Noch im 16. Jahrhundert erließ man in England Gesetze, die homosexuelle Handlungen mit der Todesstrafe belegten. Im England des 19. Jahrhunderts, mit seiner Pro-Leben-Einstellung wie jeder andere x-beliebige Staat in der Geschichte, sah man die berühmte Verfolgung Oscar Wildes wegen „der Sünde, deren Namen man nicht auszusprechen wagte“.

Oscar Wilde und Lord Alfred Douglas (genannt Bosie)
In Nazi-Deutschland wurden Schwule verfolgt und getötet, aus genau den gleichen Gründen, aus denen man sie im 19. Jahrhundert in England verfolgte: Schwule können keine Engländer oder Deutschen zeugen.


Der Rosa Winkel war ein Symbol, das während der Zeit des Nationalsozialismus benutzt wurde, um männliche Häftlinge in Konzentrationslagern zu identifizieren, die wegen ihrer Homosexualität dorthin verschleppt worden waren.
Der Historiker John Boswell hat die Dokumente der kirchlichen Lehren noch einmal bezüglich Homosexualität und Homosexuellen untersucht. Während er zugibt, dass das christliche Establishment Homosexuelle schlecht behandelte, versucht er die doktrinäre Grundlage eines derartigen Verhaltens wegzudeuten, indem er darauf besteht, dass die Verfolgung Homosexueller auf etwas anderem als der kirchlichen Lehre beruht. Um seine Ansichten zu untermauern, zitiert Boswell zahlreiche Fälle aus der Geschichte der Kirche, in der Homosexualität zwischen Männern öffentlich geduldet wurde, sogar zwischen Priestern und Mönchen. Jedoch ist seine Argumentation bezüglich der fehlenden Unterstützung auf doktrinärer Basis nicht sehr überzeugend.
Die Widersprüchlichkeit der Reaktionen seitens des weltlichen und klerikalen christlichen Establishments hinsichtlich der Homosexualität und anderen Formen der nicht zur Zeugung führenden Sexualität, ist für Erklärungen geeigneter, die mit dem Zustand der demographischen „Gesundheit“ dieses Establishments zu tun haben. Es existieren demographische Ängste, wenn es bei volkreichen Nachbarstaaten Anzeichen dafür gibt, dass sie unfreundlicher werden; in diesen Zeiten sehen wir wahrscheinlich negative Reaktionen auf die Formen der Sexualität, die nicht zur Zeugung führen, und auf Abtreibung. In Anbetracht der politischen Zustände, mit denen die Juden vor Christi Geburt konfrontiert waren, wundert es einen nicht, dass sie in sexueller Hinsicht Pro-Leben-Haltungen entwickelten. Ähnlich war die frühe christliche Kirche darauf bedacht zu expandieren und verfasste daher ablehnende Lehren bezüglich Masturbation, Homosexualität, Geburtenkontrolle und Abtreibung, die die Leute zur Zeugung nötigten.
Bis zu der Zeit, als die Kirche den Zustand erreichte, der „der Zenith des mittelalterlichen Papsttums“ genannt wurde, um 1100, und sie das Gefühl hatte, dass ihre Macht gefestigt war, ließ sie mit ihrem harten Pro-Leben-Druck nach. Die Position zur Abtreibung wurde gemildert, als die Doktrin der verzögerten Beseelung (die Lehre der sofortigen und verzögerten Beseelung wird unter der Überschrift Abtreibung diskutiert werden) weiter in den Vordergrund trat und es ermöglichte, frühe Abtreibungen legal durchzuführen. Boswell weist darauf hin, dass dies eine Zeit der „außergewöhnlichen Blüte der homosexuellen Liebe“ war, besonders bei den Klerikern jener Tage, obgleich es andere in der Kirche gab, die auf strengste Sanktionen gegen schwule Priester drängten.

Der Vatikan möchte aktive Schwule und Personen, die die Bewegung der Homosexuellen unterstützen, nicht in Priesterämtern sehen. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn die Betreffenden ihre Neigungen mindestens drei Jahre lang überwunden haben, wie aus einem Dokument hervorgeht, das die katholische Nachrichtenagentur Adista im Internet veröffentlichte. (2005)
