Geburtenkontrolle
Aus: „Tödliche Lehre“ von Wendell W. Watters – 1992
Die lebhafteste Erinnerung aus meiner psychiatrischen Ausbildung ist auch eine traurige. Sie betrifft den Besuch einer Kinderkrippe (Der Ort für die Aufbewahrung unerwünschter Säuglinge, die auf die Adoption warten, oder bis sie alt genug sind, um in ein Waisenhaus verlegt zu werden.) in einem katholischen Krankenhaus in Montreal im Jahre 1960. Durch das Glas sahen wir etwas, das aussah wie ein See aus weißen Kinderbettchen mit kleinen Gestalten darin.
Einige schliefen, aber die meisten saßen aufrecht, völlig regungslos und starrten uns mit leeren, leblosen Augen durch das Glas an. Es gab eine Ausnahme. Dicht beim Schwesternzimmer war ein pummeliges schwarzes Baby, ungefähr zehn Monate alt, das in seinem Bettchen stand, es lächelte und bewegte sich spielerisch. Als wir uns ihm näherten, sah er uns an und versuchte offensichtlich, uns zu einer Interaktion mit ihm durch das Glas hindurch zu bewegen. Wir waren alle über den starken Unterschied zwischen diesem offensichtlich gesunden, vibrierenden kleinen Jungen und den beinahe marastischen Kindern (Marasmus = geistig-körperlicher Kräfteverfall) um ihn herum verwundert.

Wir mussten nicht lange über diese Frage nachdenken. Bald wurde es Zeit für den Schichtwechsel bei den Schwestern, und sowie jede Schwester den Saal verließ, ging sie an dem kleinen schwarzen Jungen vorbei und sagte ihm Aufwiedersehen, einige drückten ihn, andere tätschelten ihn unter dem Kinn und lachten mit ihm. Sobald die neuen Schwestern den Dienst antragen, wiederholte sich der Vorgang. Die anderen Kinder wurden alle ignoriert. Die Schwestern, alles Weiße, hatten sich das schwarze Kind in der Krippe als eine Art Maskottchen ausgesucht, und es bekam ihm gut. In diesem Fall war es gut, schwarz zu sein. Diese Erfahrung überzeugte mich von zwei Dingen. Das erste war der erschreckende Effekt des Mutterentzuges. Zweitens, als ich alle die unerwünschten Kinder sah, wurde ich davon überzeugt, dass die Lehren der christlichen Kirche über Verhütung und Abtreibung, zu der Zeit in der Gesetzgebung des Landes reflektiert, zweifelsohne unmoralisch waren. Diese Erfahrung machte ich beinahe zehn Jahre bevor das kanadische Strafrecht verändert wurde (gegen laute Einwendungen von vielen christlichen Klerikern), um den Verkauf von Verhütungsmitteln gesetzlich zu gestatten und um Abtreibung unter bestimmten Umständen zu legalisieren.
Obgleich der Schöpfungsgeschichte zufolgen „Gott“ seinen Kreaturen rät: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet …“ (1. Mose 1.27-28), gibt es keinen Beweis für eine strenge Ächtung der Benutzung von Verhütungsmitteln in der jüdischen religiösen Tradition. Die Förderung von Geburten ruhte mehr auf der Ermahnung als auf strikter Reglementierung des Sexuallebens, die Teil der christlichen Lehre wurde. Nach jüdischem Gesetz waren „eheliche Pflichten“ für den Mann eine Empfehlung auf der Grundlage des Berufes: für finanziell unabhängige Männer einmal am Tage; für Arbeiter zweimal die Woche; und für Seeleute einmal in sechs Monaten. Zu Beginn des christlichen Zeitalters wurde die lockerere jüdische Haltung zur Sexualität durch etwas, was sich mehr den orthodoxen christlichen Vorstellungen annäherte, ersetzt. Philo förderte die Vorstellung, dass Geschlechtsverkehr nur der Zeugung zu dienen habe, und deutete an, dass Gott diejenigen, die Geschlechtsverkehr zur Lust hatten, strafen wird.

Philo(n) von Alexandria (13 v. Chr. – 45/50 n. Chr.)
Während das Neue Testament viele Passagen enthält, besonders die Briefe des Paulus, die speziell auf die Zeugungsrolle einer Sexualbeziehung hinweisen, sagt es nichts Spezifisches über die Verhütung selbst. Spätere Kirchenlehren über Verhütung wurden als Teil einer Gesamtstrategie entwickelt, die Christen fortwährend zeugen zu lassen.
In seinen Texten über Sex und Ehe fasste der Heilige Augustinus, der Wüstling, der sich in einen Asketen verwandelte, den Ansatz zusammen, der sich während der ersten 400 Jahre der Kirche allmählich entwickelt hatte: „Was unerlaubte Speise für die Gier des Leibes und Schlundes, das ist lustvoller Sexualverkehr, der keine Nachkommen will.“ Dieses ausdrückliche Gebot wurde durch den Bischof von Arles noch stärker im 6. Jahrhundert ausgedrückt:
„Wer ist er, dass er nicht davor warnen kann, dass keine Frau einen Arzneitrank nehmen sollte, um nicht empfangen zu können oder in sich selbst eine Natur verdammt, die Gott wollte, dass sie fruchtbar ist. So oft wie sie hätte empfangen oder Leben hätte geben können, so oft wird sie des Mordes für schuldig befunden werden, außer sie unterzieht sich einer angemessenen Buße, wird sie verdammt sein zum ewigen Tod in der Hölle.“
Im 15. Jahrhundert drückte es der Malleus Maleficarum ähnlich aus: „Und wisse außerdem, dass der Kanon von ledigen Liebhabern spricht, die, um ihre Geliebten vor Schande zu bewahren, Verhütungsmittel benutzen, wie Arzneitränke, oder Kräuter, die zur Natur im Widerspruch stehen, ohne irgendeine Hilfe durch Teufel. Und derartige Büßer sind wie Mörder zu bestrafen.“

Die Lehren der christlichen Kirche im Hinblick auf Geburtenkontrolle wurden tief im gesellschaftlichen und politischen Wesen der westlichen Welt verankert. Weil durch christliche Doktrin die Basis gelegt war, hatten säkulare Staaten keine Schwierigkeiten, Gesetze gegen Geburtenkontrolle zu erlassen und ihre Pro-Leben-Ambitionen zu befriedigen oder ihre demographischen Ängste zu beruhigen. Allzu oft wurde Gottes Name beschworen, um derartige Gesetze im England des 19. Jahrhunderts zu rechtfertigen, und im 20. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten und in Nazi-Deutschland. Und genauso wie Politiker in der Lage waren, ihre aggressiven Absichten hinter christlicher Lehre zu verbergen, so waren Ärzte in der Lage, ihre inhumane Behandlung der Frauen hinter den gleichen Lehren zu verstecken. Noch eine relativ lange Zeit in diesem Jahrhundert predigten viele Ärzte gegen Geburtenkontrolle auf der Grundlage, dass das schlecht für die Gesundheit der Frauen sei, sowie gegen die göttlichen Gesetze – die gleichen Argumente werden heute von einigen Ärzten im Zusammenhang mit Abtreibung gebraucht, ohne auch nur den geringsten wissenschaftlichen Beweis.
Die Schlacht um die Geburtenkontrolle wurde ursprünglich von Leuten – darunter viele Frauen – geführt, die keine Mediziner waren; besonders von Margret Sanger in den Vereinigten Staaten und Marie Stopes in England. Und es ist kein Zufall, dass das erste Buch über medizinische Aspekte der Empfängnisverhütung in diesem Jahrhundert nicht von einem Arzt, sondern einem Soziologen geschrieben wurde (s. Norman E. Hines, Medical History of Contraception).

"When a motherhood becomes the fruit of a deep yearning, not the result of ignorance or accident, its children will become the foundation of a new race." - Margaret Sanger

Marie Stopes
In an era when sex was for reproduction and not pleasure, and many women were clueless to the functioning of their own organs because sexual education did not exist, Stopes offered something truly revolutionary. The free clinic provided services to married women, which Stopes saw as important on various levels. Stopes held the opinion that married couples should be able to enjoy sexual interaction without the risk of pregnancy. She also thought that sex education could help reduce the birthrate among women, considered by some to be a plight that was keeping families poor.
Die meisten Menschen sind sich nicht bewusst, wie jung die Bewegung für Geburtenkontrolle wirklich ist. Im Jahr 1912 forderte der Präsident der American Medical Association die Ärzte auf, sich um die Frage der Geburtenkontrolle zu kümmern, eine Anregung, die viele Kontroversen auslöste, innerhalb und außerhalb des Berufsstandes. Und nicht vor 1932 gab die Church of England eine sehr vorsichtige Zustimmung zur künstlichen Geburtenkontrolle, welche auch eine Menge medizinischer Verurteilungen hervorbrachte.
Unter Bruch des kanadischen Strafrechts eröffnete Dorothea Palmer Anfang der 30er Jahre ein Zentrum für Geburtenregelung in Ottawa und verteilte Schriften über Geburtenregelung. Im Jahr 1936 wurde sie angeklagt und vor Gericht gestellt, nachdem sie auf eine Bitte einer katholischen Mutter hin Verhütungsratschläge verteilt hatte. Bei ihrem Verfahren in Eastview bei Ottawa wurde sie freigesprochen und die Berufung der „Krone“ wurde durch den Appelationsgerichtshof abgewiesen. Die Strafrechtsvorschriften, nach denen sie angeklagt worden war, wurden jedoch bis 1969 nicht geändert.
Obwohl die meisten der protestantischen Bekenntnisse jetzt nicht mehr aktiv den Gebrauch von Verhütungsmitteln verbieten, tut die katholische Kirche das noch offiziell, trotz der Tatsache, dass der Bericht der Kommission für Geburtenregelung in den 60er Jahren einen Wechsel in der Haltung der Kirche empfahl. Die fortschrittlichen Stimmen im Vatikan wurden in den späten 70er Jahren nach dem zur falschen Zeit eingetretenen Tod des Papstes Johannes Paul I. zum Schweigen gebracht, er trat für künstliche Formen der Geburtenregelung ein.

Kardinäle in Rom
Sämtliche Priester der katholischen Kirche sind:
Männer, die offiziell keine Nachkommenschaft zeugen!
Männer, die Gebote und Verbote für das Zusammenleben von Mann und Frau erlassen!
Männer, die das gemeinsame Leben mit einer Frau ablehnen!
Männer, die Sex nur zur Fortpflanzung erlauben, der sie sich selbst entziehen!
Männer, die Sex, der nicht der Fortpflanzung dient, als Unzucht bezeichnen!
Männer, die Homosexualität als widernatürlich verdammen!
Männer, die sämtliche Verhütungsmethoden und -mittel verbieten!
Männer, die Kondome im Kampf gegen Aids ablehnen!
Männer, die im Namen Gottes sprechen!