
Die nachstehenden Beiträge wurden in einem öffentlichen Adoptionsforum* gefunden. Die meisten SchreiberInnen antworteten auf die Frage:
...was bedeutet für Euch adoptiert zu sein?
* Die Namen der SchreiberInnen wurden teilweise geändert. Die Beiträge stammen aus den Jahren 2005 bis 2007.
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hallo, das ist eine gute frage und schwierig zu beantworten, für mich jedenfalls. aus meiner sicht, bedeutet es anders zu sein, aber nicht weil ich anders bin, sondern weil anders mit mir umgegangen wurde. ebenso bedeutet es für mich, dass meine leibl. mutter/erzeugerin sich um ihre eigene tochter gebracht hat. das beste, was es meiner meinung nach im leben gibt - mutter/vater/kind- familie. ist nicht nachholbar. adoptiert worden zu sein, bedeutete/bedeutet für mich, übergangen worden zu sein, dominiert worden zu sein, allein zu sein, denn ich kannte keinen menschen damals, dem es genauso ging, geschweige mit dem ich darüber wirklich reden konnte. übersensibel zu sein, viel zu grübeln, still zu sein, sehr viel zu beobachten, statt zu leben, denn immer ist irgendetwas nachzuholen. so war jedenfalls lange mein gefühl, leider. es ist ein wort - adoptiert - zu sein, was sich nie so erfüllt hat, was ich mir darunter vorstellte.
es bedeutet für mich noch immer, auf der suche nach mir selbst zu sein, trotz meiner 47 jahre.
liebe grüsse rabea
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Hi, ich bin neu hier, aber sehr dankbar, dass es eine Möglichkeit gibt, sich mit "Gleichgesinnten" austauschen zu können! Ich befinde mich gerade in einer Phase, in der alles hochkommt und in mir brodelt. Die letzten zwei Jahre waren für mich besonders voll gepackt von neuen Informationen und Emotionen. Ich durfte endlich meine H.Mutter kennen lernen, obwohl ich eigentlich noch gar nicht bereit war für dieses Treffen. Mir blieb aber keine Zeit mehr, denn sie ist vorletzten Monat gestorben, was mich unendlich quält. Somit bedeutet Adoption für mich, gezwungenermaßen und ohne, dass mich jemand gefragt hätte, getrennt leben zu müssen von meinen Schwestern und von meiner Mutter.
Es fühlt sich an, als hätte jemand alles gewaltsam durchtrennt, was mich mit ihnen verbindet. Wie, als hätte jemand mit einer Axt die Wurzeln eines Baumes gekappt. Und gerade weil ich meine Mutter sehen durfte, ist das Gefühl der Leere und des Alleinseins noch stärker geworden. Ich bekam an diesem einen Tag eine Ahnung davon, wie es hätte sein können. Diese fremde Frau - meine Mutter - hatte soviel Warmes und Liebevolles an sich! Ich sehne mich danach - vergebens, denn sie ist tot und kommt nie wieder. Hätte sie mir doch nur einmal gesagt, dass sie mich liebt. Deshalb bedeutet Adoption auch für mich, ständig Angst zu haben, nicht genug geliebt zu werden. Es bedeutet ein großes Defizit - wie ein unstillbarer Hunger nach Liebe, den eigentlich nur meine Mutter hätte stillen können....
Katja
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Liebe Katja,
es tut mir sehr leid, dass Du deine Leibliche Mutter so schnell wieder verloren hast. Ich glaube ich weiß was Du durchmachst. Mein leibl. Vater ist letzten Monat gestorben und ich leide unendlich, es riss mir den Boden unter den Füssen weg. Ich hatte ihn zwar immerhin 5 Jahre kennen dürfen, und er hat mich damals mit offenen Armen freudig in seine Familie aufgenommen. Meine leibl. Mutter verleugnet mich bei ihrer Familie seit nunmehr 15 Jahren. Sie hat mir 10 Jahre, in denen wir uns kannten, den Namen meines Vaters vorenthalten. Darüber bin ich jetzt sehr wütend. Mir kommt es vor als wenn mein Vater der einzige Mensch gewesen ist, der bedingungslos ja zu mir gesagt hat. Ich musste keine Leistungen erbringen um von ihm angenommen und gemocht zu werden. Nun gibt es ihn nicht und ich weiß auch noch nicht, wie ich darüber hinweg komme. Ich habe jetzt angeleiert nochmals eine Psychotherapie zu machen und die Themen und speziell auch das Verhalten meiner leibl. Mutter nochmals zu beackern. Als ich meinen Vater kennen lernte, hatte ich endlich das Gefühl mit beiden Füssen auf dem Boden zu stehen, dahin möchte ich gern wieder kommen. Zur Zeit versinke ich in Traurigkeit, wie auch Du, ich denke diese Traurigkeit muss durchlebt werden. Ich wünsche Dir viel Kraft in der nächsten Zeit und würde mich freuen von Dir zu hören.
Liebe Grüße Alexandra
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… und ja, ich kenne das mit dem unstillbaren hunger nach der liebe einer mutter seiner mutter. -.-
ich kenne meine leibliche mutter nicht, habe keine informationen ausser, dass sie mal in dem heim arbeitete. bis vor zwei jahren (geh da gleich noch näher drauf ein) hat mich das thema adoption und indien nicht wirklich interessiert, ganz im gegenteil, ich hab indien und alles was damit zu tun hat abgelehnt. nun ist es so gekommen, dass meine adoptiv-mutter als ich fünfzehn war an krebs erkrankte. nach ca. drei jahren kampf starb sie und das war vor zwei jahren ungefähr. das hat einiges aufgerüttelt in mir. ich mache nun seit drei jahren schon therapie...
eigentlich aus dem grund weil ich, seit ich dreizehn bin, eine essstörung habe, aber das thema mutter hat damit natürlich zu tun. dann kam (so blöd es klingen mag) eben der tod dazwischen und nun steh ich hier und bin am nachdenken. im moment bedeutet adoption für mich auch, dass ich entwurzelt wurde, dass mein leben durcheinander geschmissen wurde und ich nie erfahren werde, warum ich z.b. so aussehe wie ich aussehe. es ist ein stück identitätsverlust für mich; ganz viele puzzlestücke die ich gar nicht finden kann und es ist etwas verhasstes geworden, etwas was mich unnormal macht. etwas was mich, ob ich will oder nicht, immer aus der masse herausstechen lässt (hautfarbe z.b.)
die mischung machts... natürlich bin ich nicht allein... und auch nicht die einzige, dass wäre vermessen. aber ich fühle mich einsam. ich fühle mich leer und vor allem weiß ich nicht, wo ich hingehöre. für mich ist es so, als ob ich einfach hier auf der erde gelandet wäre ohne jeglichen bezug zu irgendwas. aktuell bin ich seit einigen wochen wieder auf freien fuß, nachdem ich nen 8 wöchigen tagesklinikaufenthalt hinter mir habe. danach bin ich in ein loch gefallen und sitze nunmehr hier in meinem zimmer zwischen dem täglichen essensterror und meinen gedanken: wer ich bin, meiner wut und meinem hunger nach verständnis und wärme.
ich finde mich erbärmlich. ich finde mein leben erbärmlich ich lebe im moment nicht wirklich.
ich hör jetz mal mit dem gesülze auf...
Zamira

..was bedeutet es für mich adoptiert zu sein?
mmh, weiss ich eigentlich noch nicht richtig. (es ist erst ca. ein Jahr her, dass ich erfahren habe dass ich adoptiert wurde...)
Für mich bleibt es bisher eine positive Sache. Ich bin mir immerhin fast 30 Jahre nicht bewusst geworden, dass meine A-Eltern nicht meine richtigen Eltern waren... und da möchte ich ihnen irgendwie dankbar sein. Denn meine Kindheit war eine schöne und behütete Zeit.
Heute habe ich mein eigenes Leben begonnen. Habe geheiratet.. und mache mein Leben. Ich bin keinem böse oder so... meine A-Eltern waren und sind immer da wenn ich sie brauche. Meine L-Mutter.. kenne ich heute noch nicht. Aber ich muss zugeben, dass ich ihr Leben nicht zerstören möchte. Wer weiß warum sie mich zur Adoption frei gegeben hat. ...und ich denke mir, es ist vielleicht fast besser es nicht zu wissen...(ok ok ist der einfache weg…
Besonders? Natürlich sind wir alle etwas Besonderes. Wie es vorher schon erwähnt wurde. Jeder Mensch ist in sich etwas Besonderes. An jedem selber ... das Beste daraus zu machen. Wir, die Adoptivkinder sind etwas Besonderes in dem Sinne, in dem man uns einen "Kampf" mit ins Leben gegeben hat. Wir beginnen unser Leben mit der Tatsache... uns alleine auf den Weg des Lebens zu machen. Ok man gibt uns früher oder später A-Eltern die uns mehr oder weniger helfen... aber selbst wenn man noch so gut von ihnen empfangen wurde... in einer Familie... bleibt man immer als Einzelkämpfer auf unserem Lebensweg. Und da liegt die ganze Besonderheit.
Wir müssen positiv leben und denken... ich sage mir für mich ist es ein Glück das meine L-Mutter mich zu Adoption frei gegeben hat... sonst wäre ich heute vielleicht nicht das, was ich bin. Und ich denke in der Zeit in der sie sich dazu entschieden hat (egal aus welchen Grund) war das gesellschaftlich sicher nicht leicht.
Ich wünsche Euch allen besonderen Menschen noch einen schönen Tag und grüsse Euch aus Frankreich.
Corinne
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Für mich bedeutet es ein Leben voller überflüssiger Gedanken. Wäre ich nicht adoptiert worden, könnte ich ein "normales" Leben führen - ein Leben ohne Kämpfe mit der Vergangenheit.
Kämpfe, die mich letztlich zu der Erkenntnis gebracht haben, dass ich (trotz A- und H-Mutter) real keine Mutter habe, weil für mich weder die eine noch die andere da war, als ich noch eine Mutter nötig hatte.
Für mich speziell bedeutet adoptiert zu sein daher auch, mutterlos zu sein. ICH HABE KEINE MUTTER!
Butterfly
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das wort adoption zerstörte mein leben, mir wurde mein leben weggenommen.... dass ich nie mehr haben werde.
natürlich weiß ich auch, dass es auch positiv sein kann, eine adoption, jeder mensch sieht es anders... jeder hat eine andere meinung darüber
tweetylein aus zürich

für mich bedeutet adoptiert zu sein... ANDERS zu sein....
keine zugehörigkeit zu irgendeiner familie zu haben...
die einen wollten mich nicht... die anderen tun sich schwer mich zu akzeptieren als cousine usw...
ich habe ein geleastes leben. kein neues, kein 2tes, NEIN!
über mich wurde verhandelt.. bestimmt.. und nun, muss ICH damit zurechtkommen...
Hanija
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hallo hanija,
genau so fühle ich mich auch, vor allem NICHT frei, da mir immer noch keine auskunft über den hintergrund gegeben wurde.
heute las ich zu meinem entsetzen einen artikel in unserer tageszeitung.
"anonyme geburten bleiben für krankenhaus-personal straffrei"!!!!!
die düsseldorfer staatsanwaltschaft hat damit einen präzedenzfall geschaffen! sie sieht diesen sachverhalt nicht als personenstandsfälschung!! anonyme geburten gelten als alternative zur babyklappe! ... die mütter konnten ihre babys ohne jegliche angaben ihrer identität in einer neusser klinik zur welt bringen und zur adoption 'frei'geben!!! die neugeborenen wurden/ werden 'ordnungsgemäß' als findelkinder gemeldet!!! (da bedauere ich jetzt schon die a-eltern, die das ihrem kind mal sagen müssen!)
erklärung: mit der anonymen geburt 'versuchen' bundesweit kliniken, ungewollte kinder vor der aussetzung und dem tod zu bewahren ....
oh ja, menschen werden durch adoption seeeehr frei ..
bei mir ist nun alles schon länger her, und vieles kann ich auch erst heute so sehen und beurteilen, vor allem, von anderen problemen trennen ...
ich versuche mal zu beschreiben, wie ich mich als kind in der ado-familie gefühlt habe:
ganz ähnlich wie ein nicht-passendes puzzleteil, das mit GEWALT in die noch offene stelle gequetscht werden sollte.
offensichtlich stellte sich erst im laufe der zeit für meine a-familie heraus, dass ich ihren vorstellungen nicht entsprach, sie mit meiner persönlichkeit, die ich nun mal war, probleme hatten, mich als diese anzunehmen (mehr oder weniger bewußt, aber es war so!) - somit blieb die leere puzzlestellle für sie letztlich offen, konnten nicht hinter mir stehen ...
als kind hat mich erlebtes schon zu überlegungen angetrieben, ob mit mir etwas nicht stimmen könnte, woher ihre bedenken, diese spürbare ablehnung in der a-familie kam ...
mit mehr ehrlichkeit und offenheit wäre es möglicherweise anders gewesen - eine sinnlose überlegung ....
und es macht mir HEUTE zu schaffen, weil ich mich eben jahrzehnte mit adoptions-lügen herumgeschlagen habe, diese ganzen dinge letztlich (erfolglos) versuchte zu verdrängen, mich da nicht früher heranwagte, angst hatte, meinen kindern, bzw. meiner eigenen familie nicht mehr gerecht werden zu können, die eben lange zeit im vordergrund stand - obwohl gerade zu dieser zeit diese dinge in meinem kopf herumgeisterten, oft ohne ersichtlichem anlass oder grund aufbrachen ...
viel früher konnte oder wollte ich mich eben damit noch nicht gründlicher befassen.
den scherbenhaufen, den ich heute angefangen habe zusammenzukehren, endlich damit auseinandersetze, mir klarheit verschaffe, warum meine ersten eltern aus meinem leben verschwanden, was dahinter steckte, wer sie sind, wo ich verblieb, wie probleme mit den ado-eltern zustande kamen, warum ich heute von der h-familie keine auskunft erhalte, warum ich an zuständigen stellen offenbar nicht mehr existent bin - haben, zumindest für mich, eine selbstverständliche berechtigung zu hinterfragen, diesem nachzugehen!
und zu diesem starken bedürfnis, diese dinge für mich (auch heute noch) endlich einordnen zu können, mich von früheren gespenstern und vermutungen zu beFREIEN (von jahrelangen kindlichen illusionen konnte ich mich wesentlich früher trennen) ... diese wirklichkeit, die sie nun einmal ist, so sehen zu wollen, wie sie ist, um damit umgehen zu können - zu diesem schritt, bedürfnis kann ich heute endlich stehen (ist nichts verbotenens mehr, wie es mir früher einmal vermittelt wurde!!!!)!!
mit der suche tauchten dann noch weitere probleme auf, kam gezwungenermaßen auch altes wieder hoch, das war nicht zu vermeiden, wie die ganze auseinandersetzung für mich!!!
und ich werde den teufel tun, diese dinge weiter zu verdrängen oder zu beschönigen!!!! sie gehören zu mir und zu meinem leben dazu, wie meine geburt! mein bestreben ist vor allem, verständlicher damit umgehen zu können!
das sind probleme, die ich als nicht-adoptierte nie bekommen hätte, vielleicht andere - aber eben ANDERE . ..
dagmar
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Hallo,
für mich bedeutet adoptiert zu sein immer noch ein Katastrophe, dabei bin ich schon über 40!
Ich bin erst mit 10 Jahren adoptiert worden. Ich kann einfach nicht darüber hinweg kommen, dass meine Mutter mich
ohne Not
weggegeben hat. Und das allerschlimmste für mich war, dass meine Adoptivmutter ca. 2 Jahre nach der Adoption gestorben ist und ich ab dieser Zeit alleine mit meinem LIEBLOSEN Adoptivvater zusammenleben musste....
Ich habe mich jetzt endlich dazu überwunden, mir professionelle Hilfe bei einem Psychotherapeuten zu holen (übermorgen ist mein erster Termin). Ich hoffe, dass ich die schrecklichen Erlebnisse, die ich mit der Adoption verbinde, endlich verarbeiten kann.
Miriam
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Hallo,
ich habe erst vor kurzem (nicht einmal eine Woche her) erfahren dass ich adoptiert wurde. Das ganze erfuhr ich als ich zwecks Heirat meine Abstammungsurkunde abholte.
Was soll man also davon halten? Schwere Frage.
Momentan schwirren viele Gedanken durch meinen Kopf. Z.B. Warum wurde ich weggegeben? Warum sprechen meine A-Eltern nicht mit mir darüber? (Ich bin jetzt 30 Jahre alt!)
Das ganze Thema hat in mir ein Gefühlschaos verursacht.
Ich fühle mich nicht als etwas "Besonderes". Eher das Gegenteil. Momentan ist alles so leer in mir. Ich weiß nicht richtig was ich denken oder fühlen soll.
Liebe Grüße
Alphaomega

Nachdem ich mich mit dem 1. Therapeuten nicht anfreunden konnte (sympathie/antipathie), habe ich jetzt die 2. Sitzung mit einer Therapeutin hinter mir und ich muß sagen, dass ich mich besser fühle. Obwohl jetzt alle Erinnerungen wieder "hochkommen".
Ich habe jetzt angefangen, mal meine Leben zu Papier zu bringen, und ich muß gestehen, dass ich mich über mich selbst wundere, wie viele Erinnerungen selbst nach 35 Jahren noch sind als ob sie gestern passiert wären. Ich habe in gut 4 Stunden 3 DIN A4 Seiten zusammen geschrieben und bin erst bei meinem 15 Lebensjahr...
Vielleicht wird ja noch ein Buch draus ;-)
Rob
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“Für mich bedeutet es ein Leben voller überflüssiger Gedanken. Wäre ich nicht adoptiert worden, könnte ich ein "normales" Leben führen - ein Leben ohne Kämpfe mit der Vergangenheit. Kämpfe, die mich letztlich zu der Erkenntnis gebracht haben, dass ich (trotz A- und H-Mutter) real keine Mutter habe, weil für mich weder die eine noch die andere da war, als ich noch eine Mutter nötig hatte. Für mich speziell bedeutet adoptiert zu sein daher auch, mutterlos zu sein. ICH HABE KEINE MUTTER!“
Diese Worte sprechen mir aus der Seele, denn ich habe die gleichen Empfindungen bei der Frage was es mir persönlich bedeutet.
Hallo zusammen, ich habe mich soeben neu hier angemeldet. Die vielen Beiträge über dieses leidige Thema (diesen wunden Punkt), und die Feststellung dass ich nicht alleine bin, haben mich tief bewegt.
Ich, ich weiß nicht ob es anderen auch so geht, hab selbst dieses schale Gefühl auch dann nicht verloren als ich meine leibliche Familie vor ca. 3 Jahren kennen lernte. Nun hab ich zwar zwei Alternativen, jedoch kein zuhause. Das schmerzt, und ich komm mir manchmal sehr albern vor weil dies schmerzt. Es ist die Vergangenheit die ich nicht überwinde. Sie war nicht besonders nett, denn ich hatte nicht das Glück liebevolle A-Eltern zu bekommen.
Ich pflege den Kontakt zu meiner leiblichen Schwester, jedoch versprach ich mir die Heilung aller Wunden. Das trat jedoch nicht ein, denn es ist nicht mehr möglich die Vergangenheit zu löschen. Ich hab begriffen dass ich damit leben muss, ob es mir passt oder nicht. Mit meinen beiden Müttern kann ich nichts anfangen, denn beide sind mit fremd.
Uff, jetzt hab ich fast einen Roman geschrieben.
Jedenfalls freue ich mich dass es hier eine Plattform gibt, in der man über diese Dinge offen reden kann.
Liebe Grüße, Petra
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...für mich bedeutete es in der kindheit nichts. ich habe zwar nie einen wirklich draht zu meinen a-eltern finden können, aber das hat mich erst ab der pubertät beschäftigt, als es eben dazu kam, dass freundinnen mit ihren müttern bspw. über liebeskummer etc. reden konnten... das ging bei mir nicht. ausserdem bin ich von einem a-verwandten mi**br****t worden.
daher bedeutet für mich die adoption nur unglück und nun bin ich in therapeutischer behandlung, weil ich weder mit nähe, noch mit distanz und dem allein sein klar komme. ausserdem habe ich ne menge ängste entwickelt...hauptsächlich dinge, in denen ich die kontrolle über mich selbst abgeben muss: z.b. flugangst, angst vorm autofahren...vielleicht hätte es mir geholfen, wenn meine a-eltern mir mal gesagt hätten, das sie mich lieb haben, aber über gefühle wurde nicht geredet.
petit
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Adoptiert zu sein heisst,etwas besonderes zu sein. Ich hatte früher damit ein Problem, da ich als kind fertig gemacht wurde. irgend wann sagte meine Mutter zu mir: "Du wurdest ausgesucht,die anderen wurden ihren Eltern vorgesetzt." Sowas prägt und man ist stolz ein Adoptierter zu sein.
Gruß Marcel
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"Den Spruch 'du wurdest ausgesucht, die anderen Eltern mussten ihre Kinder nehmen' kenne ich übrigens auch." Dieser Satz scheint den A-Eltern förmlich eingeimpft worden zu sein - auch ich kenne diesen Spruch, dem ich auch `ne ganze Weile in meinem Leben durchaus Positives abgewinnen konnte .....
Allerdings habe ich niemals diesen Schluss für mich ziehen können:
"Andere Leute haben ein Elternpaar. Ich hatte zwei. Das eine, das mich genug geliebt hat, um mich loszulassen, weil sie dachten, es sei besser für mich, das andere, von dem ich weiß, dass es mich liebt..."
Für Kleinkinder oder Heranwachsende mag die oben zitierte Begründung noch ausreichend sein, aber wenn man nämlich wirklich über diese doppelte Elternschaft nachdenkt, wird man tief im Inneren feststellen müssen, dass Liebe nicht gemessen werden will (was ist genug Liebe und was eben "nur" Liebe?) und das Ursachen einer Adoption vielschichtiger sind und sich so einfach nicht erklären lassen. Die Begründung reicht so nicht aus.
Ines
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für mich bedeutet adoptiert zu sein: ANDERS zu sein...
von der gesellschaft abgestempelt zu werden - sobald sie es erfahren- als kind eines asozialen mileus... so reagiert mein umfeld heute noch - wobei sie gar nichts wissen - gibt es wohl noch diese einstellung...
es bedeutet auch genauso, neben dem anders sein, nicht zu wissen, was eine familie ist (daraus resultiert vielleicht meine beziehungsunfähigkeit), nicht zu wissen, was es heisst - blutsverwandte zu haben.. oder mit der schwester verglichen/verwechselt zu werden....
es heisst auch, in den schweren phasen (wie pupertät) keinen rat zu bekommen.. den man sich wünscht.. wie bz. die eigene mutter in manchen situationen (oder der vater) gehandelt hat/hätte....
das: "das hast du von mir" oder "du bist darin so wie ich" ...fehlt bei den eltern...
und ja, sowas vermisse ich...
obwohl ich meine leibl. eltern schon kennengelernt habe.. und keinen kontakt - zumindest zur mutter mehr wünsche....
lg cyntia
Nachfolgend mehrere zusammengefasste Beiträge von Barbara:
Adoption bedeutet für mich Trauer, tiefe Trauer und wie auch in einem anderen Beitrag schon geschrieben, keine Mutter zu haben, obwohl ich eigentlich irgendwie 2 habe. Nein, von beiden trennen mich Millionen Lichtjahre. Ich bin adoptiert und bin mehr allein, als wenn ich im Heim geblieben wäre. Schade an sich.
Ich bin schon 36 Jahre alt und habe selbst drei Kinder mit 6, 5 und 3.
Ich weiß nicht warum, aber in letzter Zeit ist die alte Adoptionswunde wieder aufgebrochen. Ich bin nach meiner Geburt in einem Säuglingsheim geblieben und mit 3 Jahren zu einem Ehepaar gekommen, welches mich später adoptiert hat. Meine Mutter habe ich am …….1991 zum ersten Mal gesehen. Mit meinen A. Eltern, die sich sicherlich Mühe gaben, komm ich nicht dicht, ich fühle mich von Ihnen benutzt, bis heute. Bis heute z.B. mit meinen Kindern, klar sind die Kleinen für sie toll, aber es zählen nur noch meine Kids und ich fühle mich erneut benutzt. Dieses Mal dafür, dass sie Grosseltern sein dürfen. Früher, um ihre Ehe zu kitten und besonders für meine A. Mutter ein emotionaler Halt zu sein. Ich kann das nicht so beschreiben, aber ich meine irgendwie, all das überwiegt und die echte Liebe fehlte. Vielleicht tu ich Ihnen aber auch unrecht. Dazu kommt ein total autoritärer Adoptivvater, vor dem ich nur Angst hatte. Heute sehe ich ihn als total schwach an (wer nur rumschreien kann und seine Frau schlägt, kann für mich nur schwach sein).
Ich bin ein mittlerweile sehr gläubiger Mensch geworden und da vor Gott kann ich auch echt sein, trauern und das ist gut so. Dennoch, die letzten Tage merke ich erneut, nein, ich bin noch nicht fertig mit meiner Geschichte. Deshalb hab ich mich auf die Suche gemacht und dieses Forum gefunden.
Ja, kurz gesagt, ich stehe in einem Gewirr von Menschen. Da sind meine A. Eltern, ein autoritärer Angst einflössender Mensch, eine hilflose A. Mutter, die mich gebrauchte um in dem Chaos zu überleben (als Kind hab ich das nicht so wahrgenommen), aber heute sehe ich das klar so. Eine H. Mutter, die ich mittlerweile kenne, aber psychisch nicht in der Lage ist, mit mir über die Dinge zu sprechen. Schwestern meiner H. Mutter, die ich hier nur noch Mutter nenne. D.h., wenn ich von Mutter rede, rede ich von meiner H. Mutter!
Also von den Schwestern meiner Mutter, hab ich eine kennen gelernt, aber nicht den Mut gehabt über die realen Gründe der Abgabe zu fragen. Auch spüre ich Ärger, dass sie mich nicht genommen hat. Das kommt aber erst die letzte Zeit hoch.
Ja und dann ist da die 3. Seite der Beziehung, ich suche einen Weg mit Gott zu gehen, damit ich ihn als Vater erlebe und kennen lerne. Mir persönlich ist sie auf der einen Seite eine große Hilfe, auf der anderen Seite eine Problem, weil es mich weitertreibt in meinem eigenen, gut sein wollen, perfekt sein wollen und meine A. Eltern immer nicht noch mehr zu enttäuschen......, obwohl die Wahrheit ist, ich habe Angst vor meinem A. Vater. Es ist Leere, Angst und Verzweiflung in mir, wenn ich an ihn denke und wenn ich an meine A. Mutter denke, tut sie mir leid und gleichzeitig bin ich sauer, dass sie mich nicht vor meinem A. Vater geschützt hat. Gleichzeitig hab ich Mitleid, weil sie ja auch irgendwie schwach war, warum auch immer.
Meinen H. Vater kenn ich nicht, er ist aber Ausländer, was man mir auch ansieht. Damit hab ich jetzt aber keine Probleme mehr. Früher aber schon, weil ich manchmal als Kanake beschimpft wurde, aber doch offiziell deutsch bin. Aber ich kann nie in Ruhe ein Deutscher sein, weil ich sehr dunkel bin.
Ja, ich bin für mich persönlich davon überzeugt bis an mein Lebensende hat die Adoption Einfluss.
Meine Kinder. Ja, sie wissen, dass ihre eine Oma nicht meine H. Mutter ist und, dass ich eine andere Mutter habe. Meine Tochter mit 6 Jahren fragt da schon nach...... . Ich bin in allem ehrlich ! Ja, das Thema Adoption geht weiter...... und es tut mir weh, ihr erklären zu müssen, ich geb dich niemals her.......
Sicherlich weiß mein Mann davon - Verlassenheitsängste...... spiegelt sich auch hin und wieder in die Beziehung rein (aber mit hinschauen, gemeinsam hinschauen, lächeln, schaffen wir es zusammen). Der Partner bringt ja auch seines mit, und nicht nur Adoptierte haben ihre Lasten...
Ja, meine Kinder sind für mich was Besonderes! Ich liebe sie sehr. Ich bin glücklich sie in mir getragen zu haben und ihnen das Leben geschenkt zu haben und sie aufwachsen sehen zu dürfen. Jeden Tag wirklich, bin ich darüber dankbar und glücklich. Ob das ohne meine eigene Adoption anderes wäre, kann ich nicht sagen..... .
Die Beschäftigung mit der Adoption, das „Hochkommen“ erlebe ich phasenweise. Eine Phase wie jetzt, hatte ich vielleicht zum letzten Mal so ganz ganz intensiv so um die 20 Jahre. Dazwischen beschäftigt oder beeinflusst das Thema latent, aber eben nicht so, wie jetzt.........
Ich bin einfach in einer Phase, wo ich vieles neu ordnen möchte - muss, eben auch die Beziehungen zu meinen Ado Eltern (fällt mir schwer, Eltern zu schreiben...), oder die Beziehungen zu meiner H. Familie......
Über die Jahre kommen immer mal wieder andere Seiten hoch, die bearbeitet werden müssen.
Ich persönlich halte das für eine Form des Schutzes, dass nicht alles zur selbigen Zeit auch kommt. Immer mal wieder ein wenig, manchmal auch mehr, das ist meine Erfahrung.
Der Schmerz kommt immer wieder hoch - ohne Not weggegeben worden zu sein.........
Ich mein reinschauen können wir ja nicht bei den anderen.........., aber manchmal wirkt es so.
So, auch bei mir, es quält mich, dass meine H. Familie (nicht nur meine H. Mutter), sondern auch ihre Eltern und ihre älteren Geschwister sich ein gutes Leben machten, und mich rausgeworfen haben........ . Das tut immer noch weh!
Meine Ado Mutter lebt zwar noch, dennoch hat sie mich nicht geschützt, vor einem gewalttätigen, oder besser gesagt, cholerischen Ado Vater, der mich teilweise in Todesängste brachte.

Barbara schrieb:
| "Adoption bedeutet fuer mich Trauer, tiefe Trauer und wie auch in einem anderen Beitrag schon geschrieben, keine Mutter zu haben, obwohl ich eigentlich irgendwie 2 habe. Nein, von beiden trennen mich Millionenlichtjahre. Ich bin adoptiert und bin mehr allein, als wenn ich im Heim geblieben waere. Schade an sich. " |
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Hey!
Für mich bedeutet adoptiert sein vor allem, nicht zu wissen, wo ich hin gehöre, woher ich komme und was aus mir werden wird....
Oft frage ich mich auch, wie ich nun wohl leben würde, wenn ich bei meiner leiblichen Mutter aufgewachsen wäre.
Was ist sie für ein Mensch? Was hat sie dazu bewegt? Ja, am meisten belasten mich die ganzen ungeklärten Fragen ..... aber auch ein Gefühl von Minderwertigkeit. Warum hat sie mich weggegeben? War es damals das Beste was sie für mich tun konnte? Soll ich ihr dankbar sein? Oder hasse ich sie? Ich weiß es nicht!
-Sternschnuppe-
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Für mich bedeutet es, ein Leben zu führen, dass meine Stärken und Qualitäten nicht zur Geltung kommen lässt, wie ich es mir wünschte, da es zu viele Hindernisse (u.a. Ängste) gibt, die mich daran hindern, ein freier und glücklicher Mensch zu sein! Es bedeutet einen ständigen Kampf, der einen mürbe und kraftlos werden lässt...
Gruß Jörg K.
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Ich erinnere mich, was ich mir als etwas älteres Adoptivkind/Jugendliche so gedacht habe:
Wer bin ich EIGENTLICH? Wäre ich womöglich ein ganz anderer Mensch, wenn ich nicht adoptiert worden wäre? Hätte ich vielleicht ein schöneres Leben, wäre evtl. glücklicher?
Wo ist meine Mutter jetzt? Bin ich ihr ähnlich? Warum hat sie mich nicht behalten? Hätte sie mich geliebt, hätte sie nicht mehr um mich gekämpft? Wie hat sie sich in ihrer Schwangerschaft gefühlt? Was hat sie zu dieser Zeit über mich gedacht und hat sie mit irgendwem darüber gesprochen? Wie war meine Geburt? Warum hat sie geglaubt, dass es mir in dieser Familie besser gehen würde als bei ihr? Oder war ich ihr einfach egal? Warum versucht sie nicht noch einmal, Kontakt aufzunehmen? (sie hatte es versucht, als ich elf war) Wie oft denkt sie an mich?
Und: Wie wichtig bin ich eigentlich meinen Adoptiveltern? Bzw. wäre ihnen ein weiteres leibliches Kind lieber gewesen, und bin ich deshalb nur ein "billiger Ersatz"? Wäre ihnen jedes andere Kind genauso recht gewesen, und ich deshalb im Prinzip mit jedem anderen Kind auf der Welt im Prinzip austauschbar?
Gedacht habe ich oft, dass ich "anders" als der Rest meiner Familie bin und dass ich eigentlich so wie meine Mutter sein will (die Negativäußerungen meiner A-Eltern haben mich zwar einerseits verunsichert, andererseits aber auch in dem Glauben bestärkt, dass sie weder mich noch meine Mutter jemals wirklich verstehen könnten).
Ich erinnere mich daran, dass ich ein Foto, dass ich von meiner Mutter hatte, an manchen tagen stundenlang angeschaut habe, um irgendwas aus ihrem Gesicht herauszulesen. Ich wollte wissen, wer diese Person ist, hab irgendwie gehofft in ihrem Blick zu lesen, was sie mit ihrem Leben vorhat, und wo sie heute wohl ist. Sie hatte immer etwas Faszinierendes für mich und zugleich hat mich traurig gemacht, dass sie so unerreichbar war (ist ja ein stückweit bis heute so geblieben).
An dem notdürftig zusammengetragenen Bild, das ich mir von meiner Mutter machen konnte, hängt ein Großteil meiner inneren Traurigkeit und eine tiefe Sehnsucht, die ich bis zum heutigen Tage in mir trage.
Die meisten dieser Fragen sind auch immer noch unbeantwortet, insofern sind es auch nicht nur Kinderfragen. Manches ist als Erwachsene natürlich anders - z.B. sehe ich meine Mutter wesentlich kritischer.
Soviel von mir, Tamara
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Hallo Zusammen,
ich bin neu hier; lese aber schon seit drei Monaten ab und zu mit. Bin 21 Jahre alt, adoptiert. Mein Adoptivvater ist Rechtsanwalt und meine Mutter arbeitet als Oecotrophologin bei einem großen Pharmakonzern. Mir ging es immer gut und mit meinem Stiefbruder gab es auch nie Probleme. Nur soviel zu mir.
Alles was hier die H-Mütter schreiben ist ziemlicher Käse und ich wundere mich nicht, dass sie ihre Kinder oder Kind weggegeben haben.
Also ich könnte nie mein Kind weggeben und will selbst mal welche haben, aber die bringt ja nicht der Kuckuck, oder? Mich interessiert gar nicht wer meine H-Mutter war oder meine H-Familie. Die haben mich doch nur als Problem gesehen und waren nicht in der Lage es zu lösen. Ein Kind wegzugeben ist doch das Schlimmste was man als Frau tun kann.
Das mußte ich jetzt wirklich mal los werden.
Schöne Grüsse
Gabriella
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Adoption ist aus der Not geboren. Aus der Not des Kindes.
Zuerst ist da die Not des Kindes, mutter- und zu meist vaterlos. Es kommt auf die Welt, zumeist ungewollt. Manche behaupten es spürt diese Ablehnung bereits im pränatalen Stadium. Es betritt die Welt ohne Sicherheit und es verliert sein Urvertrauen, unwiederbringlich. Das Kind zahlt den Preis ein Leben lang. Die einen mit gescheiterten Biografien, die Anderen mit emotionalen Leerstellen und Kontaktstörungen. Unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg der Adoptiveltern.
Die Schande des Adoptivkindes ist seine Verzweckung. Auf der einen Seite Anlass für Hass und Schande, auf der anderen Seite die Interessen der Adoptiveltern. Mögen die Absichten der Adoptiveltern noch so lauter sein, es sind immer Absichten. Und nichts mehr wünscht sich ein Adoptivkind ein Leben lang, einfach da sein zu dürfen, gewollt zu sein. Die zweite Schandes des Adoptivkindes ist die Lieblosigkeit. Sie hat zu seiner Existenz geführt, losgelöst von allen menschlichen Wurzeln, allein gelassen leben zu müssen. Auch in einer Adoptivfamilie, irgendwann, wenn es gelernt hat Ich zu sagen. Das es lernen konnte Ich zu sagen, verdankt es der Liebe der Adoptiveltern, die sich dieser Liebe sicher sein können, wie sie sich ihrer Liebe sicher sein können. Von Ihrem Kind trennt sie aber die eigene Familiengeschichte.
Im gelungenen Fall wird aus kindlicher Liebe, Dankbarkeit, und aus der jugendlichen Dankbarkeit, Liebe gegenüber den alt gewordenen Eltern. Dazwischen meldet sich immer „die ererbte Schuld“ zu Wort. Mal lauter, mal leise. Man kann es annehmen, dass Beste daraus machen, doch die dunklen Stunden nehmen einem selbst die eigenen Kinder nicht. Man kann dagegen protestieren und scheitern. Und man kann es schlicht vergessen. Aber irgendwie ist es immer da, bis zum letzten Atemzug. Und irgendwann lernt man, sich nicht mehr so wichtig zu nehmen und beginnt Fragen zu stellen, Antworten zu suchen.
War es Liebe oder waren es Triebe, die zur eigenen Existenz geführt haben. Trifft man diese Menschen, erzählen Sie die Wahrheit, erzählen sie was sie glauben, dass die Wahrheit ist? Oder stoßen sie einem das zweite Mal weg. Haben Sie an einen gedacht oder ist man nur eine „vergessene Erinnerung“. Gibt es da ein Band, oder ist es zu spät. Es ist meist zu spät. Und das Adoptivkind lernt ein stückweit die Schande und Verantwortung zurückzugeben an die, die dafür verantwortlich sind. Aus Liebe, oder wegen ihrer Triebe.
Und ohne Grundsatzdebatten wird es sicherlich nicht gehen, aber im Zentrum steht das Kind, das heute, morgen und übermorgen allein auf der Welt stehen wird, weil es erwachsene Menschen im Stich gelassen haben. Es wird dankbar sein für unbeschwerte Kinderjahre, wenn es Glück hat, und den späteren Weg wird es dann weitgehend selbst in der Hand haben können.
Josann
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Hallo alle zusammen,
was es für mich bedeutet ein Adoptivkind zu sein?
Um es mit mit wenigen Worten auszudrücken......anders zu "ticken"....nie eine Linie zu leben - entweder oben oder unten zu sein, ein Leben voller Fragen, Wenn und Aber, Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten, für jede Lösung ein Problem zu haben, ständige Wenn und Aber....manchmal im Chaos zu versinken, um dann wieder ein Licht zu sehen – zum Glück! Manchmal nach Stunden, manchmal nach Tagen, manchmal nach Wochen...
...ewige Up and Down´s....lieben und sich lieben lassen...
Wertlosigkeit, Vertrauen - besser Urvertrauen und Ängste. Meine Themen! Ich setze mich seit Jahren intensiv mit meiner eigene Geschichte auseinander. Habe viele Jahre Therapie hinter mir inclusive wochenlangem Klinikaufenthalt. Der nächste Klinikaufenthalt steht gerade bevor...bin jetzt 36 Jahre alt und stosse immer wieder an Grenzen, scheinbar unüberwindbare Blockaden... Was jetzt nicht heißen soll, dass alles sch..... ist! Dennoch spüre ich es einfach immer wieder, dass ich anders ticke, mich von der Masse unterscheide. Man muß aber auch wirklich differenzieren, was genau woher kommt. Es wäre zu einfach zu sagen, alles nur weil ich adoptiert bin. Ein Teil ist die Trennung von der leiblichen Mutter, das nächste Kapitel ist die neue "Beelterung" und der dritte Teil ist das Leben überhaupt. Alle 3 Dinge prägen. Wenn sie auch zusammengehören und nicht wirklich zu trennen sind, so muss man trotzdem unterscheiden.
Alles zusammengenommen ergibt den Cocktail, den ich lebe.
Liebe Grüße
Jenni
hallo ihr lieben!
ich bin zwar erst 15 jahre jung aber habe eigentlich schon viele erfahrungen für mein alter! ich wurde mit 10 wochen adoptiert und lebe seid dem in münchen in einer deutschen familie mit noch 2 anderen adoptierten! ich fühl mich hier wohl und ich liebe auch meine familie, die ich hier habe, meine mama ist auch immer für mich da. aber ich vermisse meine mutter! ich vermisse jemanden den ich nicht kenne es ist ein sehr komisches gefühl, aber auch sehr bekannt jeden tag ist es in mir ... mein herz schmerzt und mir fehlt etwas, es ist einfach etwas leeres in meinem herz! ich hoffe mein wunsch geht noch in erfüllung und ich finde meine mutter!
liebe grüße j.
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Adoption ist ein Thema mit dem man sich ausführlich beschäftigen muss! Das ist kein Autokauf und kein ausleihen mit Rückgaberecht. Hier geht es weder um "Ich will unbedingt ein eigenes Kind: Bekomme aber auf biologischen Weg kein eigenes", noch "es gibt so viele arme Menschen auf dieser Welt...wir leben unser Helfersyndrom aus - und adoptieren mal so".
Ich bin adoptiert und zwar aus dem fernen Ausland. Ich lebe hier nun über 25 Jahre. Ich bin sozusagen zwangsassimiliert worden! Deutschland ist definitiv KEIN Umfeld für Menschen mit anderer Hautfarbe! Es gibt mittlerweile und zu RECHT, dass Recht auf Identität und zwar mit Kenntnissen seiner Wurzeln… Man muss die Probleme auf dieser Welt nicht noch vermehren. UND Afrikanische Elefanten adoptieren auch keine Indischen Elefanten, wenn dann nur heimische.
Ich glaube viele Menschen machen sich hier auf dieser Seite der Welt überhaupt KEINE Gedanken zum Thema Adoption, Babyklappe, etc.
N.M.
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hallo,
ich bin 16 jahre und adoptiert. komm aus deutschland und wurde auch von deutschen eltern adoptiert. meine leiblichen eltern hab ich nie kennengelernt da ich "von geburt an" adoptiert bin. bis vor einem monat wurde mir nichts gesagt darüber, wer meine eltern sind, wie sie heißen und woher ich komme. auch jetzt weis ich nur ungefähr wie mein nachname früher gewesen sein könnte, dass nur meine mutter bekannt ist und das ich "deutsch" bin.
ich wollt nur sagen dass ich finde man sollte sich bei der adoption um möglichst viele informationen um das kind bemühen damit es später einmal gesagt bekommt woher es kommt, wer es ist und warum es adoptiert ist.
weil es ist echt hart, nicht zu wissen "wer" man ist. härter als manche glauben.
liebe grüße ...

adoptiert sein verbinde ich mit
vielen vielen lügen; schweigen; verschweigen; wegsehen; so tun als ob; unendlich vielen unbeantworteten fragen; schlaflosen nächten; verlust; vorstellungen und erwartungen anderer nicht genügen zu können: mein ureigenes wesen unterdrücken müssen; nicht herausfinden dürfen, nicht so sein können, wie ich war/bin; einer kaputten kindheit mit unendlich vielen gedanken; alleingelassen werden und vieles mehr...
nu gehör ich zu denen, der schon als kind zu verstehen gegeben wurde, wie bes... meine herkunft ist (wie hab ich mich da nach meiner richtigen mama gesehnt) und sich deshalb auch ordentlich schämte.
allerdings seit jahre hart daran arbeitet, aus dieser schublade wieder herauszukommen.
ursache waren die als kind zwar nicht bewußt wahrgenommenen, aber spürbaren vorurteile des umfeldes, denn jeder, wirklich jeder setzte voraus, daß ein adoptiertes kind aus asozialen verhältnissen stammt, und unsägliches glück hatte.
wie könnte ich dies jemals als normal ansehen? es ist und bleibt auch heute noch ein kraftakt, mich von diesem a-morast der verurteilung und vorurteile zu befreien!
über die ado aufgeklärt hab ich mich, als ich lesen konnte, selber. da fand ich die a-papiere - und wurde (als acht- oder neunjährige) damit allein gelassen.
merken eltern denn nicht, wenn ihr kind verstört ist? wie verschlossen muß ich da schon gewesen sein ...
in der a-familie fühlte ich mich nie gut aufgehoben, insbesondere als jugendliche einsam und verkehrt, wie ein gast, einfach nicht zugehörig. in der zeit bin ich u.a. bestimmt dreimal von zu hause weggelaufen, aber es änderte nichts.
als erwachsene, nach dem tod meiner a-eltern, hat mich die a-verwandtschaft komplett fallen lassen.
das verhältnis zu meiner a-mutter war, soweit ich mich erinnere, kühl und distanziert - von ihr aus, denn ich hab als kind schon sehr ihre nähe und wärme gesucht.
was ihre mutter'rolle' anging, wurde sie traurigerweise auf grund mir unbekannter kriegserlebnisse und ihres alters (z.z. der adoption) viel zu früh demenz, das war als kind erschreckend unbegreiflich.
was meine a'rolle' anging, war es ein (bestimmt nicht von mir gewollter) ado-deal: auslöschung meiner herkunft gegen familienersatz, und dies lebenslänglich, nicht nur rechtlich so tun zu müssen, als sei ich ein leibliches gewesen, grausam!!!!!
'ausgesucht' hat mich mit allergrößter wahrscheinlichkeit mein a-vater, hat meiner a-mutter praktisch ein kind, als trostpflaster für's verlorene, aufs auge gedrückt. eines, das sie (jedenfalls z.d.z.) noch nicht wirklich annehmen konnte, weil sie all das, was sie erlebt hatte, mit sicherheit da noch nicht aufgearbeitet hatte, aber der zeitdruck ...
vielleicht hatte sie ja noch spaß an mir als kleinkind (gibt keine babyfotos), aber danach bestimmt nicht mehr. sie war a-problemen überhaupt nicht mehr gewachsen, viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und in sich gekehrt.
von 'ausgesuchtsein' konnte bei mir nie die rede sein, da ich dritte 'garnitur' war: ein eigenes verloren (was sie bestimmt nie verwinden konnte), und vor mir noch ein pflegesohn, den die leibliche mutter zurückholte. also notgedrungener ersatz für's eigene und pflegesohn gleich mit. fakt ist, ich wurde niemals als der mensch geachtet, der ich mit meiner herkunftsgeschichte war, mit der ich dort hin kam.
als kind fragte ich mal neugierig, was denn wäre wenn sie einmal alt wären? ihre antwort war: 'da haben wir ja dich' ...
heute tun sie mir unsäglich leid, weil ihr traum vom eigenen kind nicht so funktionierte, wie man ihnen dies wohl glauben gemacht hatte, zerplatzte.
das scheitern an mir festmachen zu wollen, die als kind keine andere wahl hatte?
für einige dinge bin ich ihnen trotzdem dankbar (nein keine kohle), wofür genau, bestimme allerdings nur noch ich.
es gibt sie sicher, die verständnisvollen unterstützenden SA, aber zu wenige! scheinbar sind wir immer noch vom zufall abhängig, wirklich beschämend!!! vor allem, weil sich dieses jugendamt inzwischen selber als 'modernes' (marodes überholungsbedürftiges!) dienstleistungsunternehmen bezeichnet ... die zustände sind offenbar die alten ...
manche SA kommen mir vor wie vollstrecker, lieber gott und verlängerter arm des a-gesetzes in einem.
adoptierten wurden ohnehin schon gründlich genug die wurzeln gekappt.
im ernstfall hängen dann information einzig von den a-eltern ab, wie offen sie damit umgehen, aber wehe wenn nicht ...
wie ich diese (lebenslange) abhängigkeit von JÄ und vermittlungsstellen und letztlich auch von a-eltern, und diese unsicherheiten inzwischen hasse!!! niemand adoptiertes weiß, an wen er mit seinem anliegen gerät, was in deren köpfen vorgeht, wem man ausgeliefert ist ...
adoptierte erhalten selten bis nie vollständige einsicht darüber, wie ihre ado tatsächlich abgelaufen ist. so wird niemand mehr feststellen können, ob seine ado überhaupt mit rechten dingen und legal war, feststellen können ... zur freude der menschenhändler!
diese ganze a-(anti)informationspolitik ist so menschenverachtend!!!!
mit wegfall der abstammungsurkunde komm ich ins grübeln, annäherung an das französische X-system? das macht einfach angst, den dienstleistern in eigenen gnaden aber weniger umstände ....
bonnie
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Es gibt verschiedene Gründe, warum es mir schwer fällt darüber, dass ich adoptiert bin, zu sprechen.
a) Mir wurde von Kindesbeinen an öfter der Satz gesagt "aber das muss ja nicht jeder wissen". Das suggeriert einem Kind, die Adoption müsste ihm peinlich sein. Da die Adoption aber als unabstreifbares Faktum am Kind selbst haftet, entsteht das Gefühl, dass man nicht normal ist.
b) Wenn man als Kind doch mal anderen Kindern erzählt, man sei adoptiert oder sie wissen es bereits, können Kinder, gemein wie sie sein können, sich dieses Wissen zu nutze machen, um den/die Adoptierten damit zu ärgern.
c) im Erwachsenenalter begegnet mir bei einigen Menschen, denen ich davon erzähle, dass ich adoptiert bin häufig Peinlichkeit und betretende Stille. Das wiederum ist ein Zustand, den ich nicht bei anderen erzeugen möchte und den ich auch nicht ständig wieder ausbügeln müssen will (so nach dem Motto "nein, nein - ist schon ok. das ist nicht schlimm").
d) bei anderen Menschen, denen ich erzähle, dass ich adoptiert bin und die mehr darüber wissen möchten, passiert es ganz häufig, dass wenn ich erzählt habe, wer meine leibl. Mutter war und was die Umstände waren der Spruch: "Da hast Du aber großes Glück gehabt". Das verletzt mich dann irgendwie, denn ich empfinde für meine leibl. Mutter (obwohl ich sie nie kennenlernen konnte) Nähe und Sympathie (das Wort ist nicht optimal für das, was ich empfinde, aber es ist am nächsten dran von den Wörtern, die ich kenne) und finde es sehr unfair, wenn Fremde meiner leibl. Mutter mit diesem einen lapidaren Satz alles Schlechte unterstellen, was man so denkt, wenn man an abgebende Mütter denkt ("vom Flittchen bis zur Prostituierten"). Manchmal sehe ich in den Augen der Leute auch, dass sie diesen Verdacht haben und er drückt sich darin aus, wie sie mich mitleidig ansehen und mir zu verstehen geben: "Du hast echt Glück gehabt". Vielleicht ist es irrational, dass mich das verletzt, aber es tut es.
Ich empfinde da eine Art Verbindung zu meiner leiblichen Mutter, die mich getroffen sein lässt, wenn jemand (ohne eine Ahnung zu haben) schlecht über sie spricht.
Nur mal zur Klärung: mein Bild meiner leibl. Mutter ist nicht rosa-rot und ich bin auch kein besonders sentimentaler Mensch. Ich weiß, dass sie vieles in ihrem Leben falsch gemacht hat. Jemanden, der sie kannte oder der ihre Geschichte kennt, gestehe ich ein solches Urteil ("Du hast im Grunde Glück gehabt") auch ohne weiteres zu, aber mich stört es ungemein, wenn Menschen, die davon keinen blassen Schimmer haben, das sagen, weil sie damit ihre Klischees von abgebenden Müttern und deren Kindern bestätig finden.
e) Oft höre ich auch - und das ist vielleicht noch schlimmer: "Da musst Du aber wirklich dankbar sein". Das ist meines Erachtens der schlimmste Satz. Ich als Adoptivkind habe meinen A-Eltern gegenüber sowieso schon einen Schuldkomplex.
Wenn man dann noch ständig von außen darauf hingewiesen wird, man müsse dankbar sein, fühlt man sich behandelt wie ein dummes kleines Kind, dem man erst noch Anstand beibringen muss (" sag schön danke, wenn Du was geschenkt bekommst!"). Dann widerstrebt mir dieser Satz aber auch noch aus einem anderen Grund ganz gewaltig. Ich habe es mir ja nicht ausgesucht adoptiert worden zu sein. Wieso sollte ich dann übermäßig dankbar sein müssen. Normale Kinder suchen sich ihre Eltern auch nicht aus und sagen nicht ständig danke dafür, dass sie gezeugt und geboren wurden. Wieso wird das dann von Adoptierten verlangt.
Hinter dieser Dankbarkeits-Forderung steckt meines Erachtens ein ganz bestimmtes (romantisierendes) Bild von Adoption:
Adoptiveltern werden gesehen als Gutmenschen, die sich selbstlos eines armen, alleingelassenen, kleinen Wesens annehmen und ihm geben, was es sonst nicht bekommen hätte. Dass zur Adoption aber auch (vielleicht sogar vor allem) Eigennutz der Adoptiveltern gehört, sieht kaum jemand. Seid mir nicht böse, aber nur aus Gutmenschentum würde ich vielleicht viel Geld an Unicef spenden oder eine Patenschaft übernehmen, aber kein Kind adoptieren. Die Paare sind in der Regel kinderlos und empfinden diesen Umstand als unbefriedigend. Der Leidensdruck darüber scheint so groß zu sein, dass sie sich einer langen, anstrengenden und demütigenden Bewerbungs-Prozedur unterziehen, um dann mit dem adoptierten Kind, ihre Kinderlosigkeit zu beheben.
Dass meine A-Eltern so auf dem Inkognito beharren und Aussenstehenden so gut wie nie erzählen, dass ich adoptiert bin, zeigt mir, dass sie dieses Faktum am liebsten verdrängen würden.
Ich allerdings kann das nicht verdrängen, ich denke fast täglich daran.
Auch bei mir ist es nicht immer das gleiche Gefühl. Meistens "weiß" ich es nur - ich denke daran als ein Faktum - nicht mehr.
Manchmal erweckt es aber auch große Traurigkeit. Genau wie Luna konnte ich meine leibliche Mutter auch nicht mehr kennen lernen, als ich mich auf die Suche gemacht habe. Ich glaube man trägt das als Adoptierter immer mit sich. Allerdings ist es nur ab und zu mal wirklich belastend. Die meiste Zeit ist es nur ein "Wissen, dass..."
So, nun sind meine Ausführungen ganz schön lang geworden.
Falls ich mit meinen manchmal vielleicht etwas drastischen Ansichten (z.B. zur Adoptionsmotivation von kinderlosen Paaren) geworden bin und damit jemand getroffen habe, bitte ich um Entschuldigung.
Alice

Der unbewusste Lebensplan bei Adoptierten ist zumeist geprägt von der Urerfahrung des Nicht-Angenommen-Seins. Das hat dann verschiedene Ausprägungen je nach Mensch und Situation:
"Ich darf nicht so sein wie ich bin."
"Ich bin nicht willkommen."
"Für mich ist kein Platz hier."
"Ich will unbedingt dazu gehören."
"Ich will besser sein als die anderen, um mir Anerkennung/Zuneigung zu sichern."
"Ich störe immer nur."
"Ich soll von hier verschwinden."
"Ich bin schuld."
Wenn diese Urmuster einmal erkannt und emotional durchlebt sind, bekommt man überhaupt erstmal Zugriff auf sein eigenes Kommunikationsverhalten.
Daraus ergibt sich übrigens auch: Die Ado-Eltern können noch so gut und lieb sein: Sie können diese Urverletzung nicht ausgleichen! Sie können nur versuchen, das adoptierte Kind so einfühlsam wie möglich zu begleiten, um das verletzte Selbstwertgefühl nicht noch weiter zu schwächen. Wenn es zu Merkwürdigkeiten und Problemen kommt, sollten sie nicht zögern, sofort Hilfe bei einem erfahrenen Therapeuten zu suchen, um sich coachen/supervidieren zu lassen.
Die Adoption ist aus Sicht des adoptierten Kindes eine Notlösung. Es will zu seiner Mutter, und das geht nicht, aus welchen Gründen auch immer. Das ist die Ursache des Traumas. Welche Form die Adoption dann hat, ist von da aus gesehen sekundär. Meine Adoptiv-Eltern sind immer offen mit der Adoption umgegangen. Sie haben mich ermuntert, mit meiner leiblichen Mutter Kontakt aufzunehmen, lange bevor ich daran Interesse hatte. Aber das Kennenlernen meiner leiblichen Eltern hat letztendlich das Trauma nicht aufgelöst. Das Trauma ist mir jetzt erst überhaupt bewusst geworden, 12 Jahre nachdem ich meine leiblichen Eltern kennen gelernt habe.
Es gibt sicherlich günstigere und ungünstigere Umgangsweisen mit einem Adoptierten. Wichtig finde ich, dass man dem Adoptierten seine Geschichte lässt und nicht versucht, ihn künstlich zum echten Kind der Adoptiveltern zu machen. Und zur Geschichte eines Kindes gehören die leiblichen Eltern nun mal dazu. Also biografische Informationen, Fotos, vielleicht ein Brief usw. So etwas einem Adoptierten vorzuenthalten, vielleicht in der gut gemeinten Absicht, ihn vor seelischen Wirrnissen zu schützen, ist nicht so günstig für seine gesunde seelische Entwicklung. Aber auch da mag es Ausnahmen geben, die ich jetzt nicht genau einschätzen kann.
Rainer
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es ist gerade fuer sog. "besatzungskinder" - wie wir ja aus eigener leidvoller erfahrung wissen - mitunter besonders schwer, sich - wenn auch "nur" anonym - zu outen ... da spielen eben noch viele zusaetzliche faktoren eine rolle ... es spielen bei uns besatzungskindern einfach noch viele politische, ja martialische aspekte mit hinein ... "kind des feindes" ... usw ... hier ist ja fuer die leiblichen eltern nicht selten "die verfehlung gegen das eigene land" eine rolle in der negativbewertung des verhaltens, wofuer wir der sichtbare beweis sind ... je naeher am eigentlichen kriegsgeschehen wir geboren wurden, deren folge eine besatzung durch die siegermacht war, umso staerker, maechtiger und gnadenloser die ressentiments ...
und sich all dieser zusammenhaenge bewusst werden zu wollen ist keine einfache angelegenheit ... jedenfalls auch eine, der ich lange zeit selber versucht habe, gezielt aus dem weg zu gehen ...
adoptiert-worden sein bedeutet fuer mich neben erfahrungen unwahrscheinlichen gluecks in den ersten lebensjahren mit meinen a-eltern, das ich - aus heutiger sicht - lieber als herkunfts-mensch geschenkt erhalten haette wollen, auch von meinen a-eltern, eine unaufhoerliche lebenskatastrophe, die mich als negatives gesamtgesellschaftliches dauerprogramm in den klauen hielt (ich war eine dauergefangene/-marionette in den mich dauerkontrollierenden faeden des adoptions-ueberlebens-"spiels") und auch noch (insbesondere durch das zweimalige unerwartete gefunden werden, welches sich in wesentlichen bereichen negativ entwickelte in beiden faellen) in form von verheerenden emotionalen vulkanausbruechen und darauffolgenden tsunamis, die erst einmal emotional und geistig abermals jahre lang ueberlebt werden mussten, auf jahrzehnte hinaus psychisch, gesundheitlich, materiell und sozial absolut schaedigten ...
die zweite adoption durch meinen jetzigen adoptiv-vater ermoeglicht mir eine gewisse DISTANZ zu ALLEM bislang ERLEBTEN ... DAS TUT MIR UNENDLICH GUT!!!!
"DIE WAHRHEIT IST DEM MENSCHEN ZUMUTBAR." Ingeborg Bachmann
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Für mich bedeutet adoptiert worden zu sein, um eine Mutter betrogen worden zu sein, ohne weibliche Orientierung, mir Selbstverständlichkeiten selber aneignen, viel selber erarbeiten zu müssen was anderen im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt wurde...nicht zu wissen woher ich komme...traurig sein, zu sehen wie andere Kinder ihren Eltern ähnlich sehen und ich nicht...ständig gefragt zu werden, woher ich komme weil ich so undeutsch aussehe...anders sein...mir wie ein Tier im Zoo vorkommen, sobald die Leute es erfahren...wie ein Exot...es bedeutet für mich eben keinen Vorteil ausser materiell...nein.
Nassim