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Mütter, ihre Kinder und der Feminismus

 

 

Nachdem ich aus meinem Adoptionsdornröschenschlaf aufgewacht war, habe ich das halbe Internet und sämtliche Buchhandlungen nach feministischer Literatur zum Thema „Mütter, die ihre Kinder durch Adoption verloren haben“ gesucht – und nichts gefunden. Ich verfeinerte daraufhin meine Recherchiermethoden, wälzte mich durch unzählige Verzeichnisse und fand immer noch nichts. Nach einiger Zeit des ungläubigen Staunens begann ich zu begreifen.  

 

„Mütter“ existieren in der Vorstellung von Feministinnen nur als die eigenen Mütter. Und mit den eigenen Müttern gab/gibt es manches Hühnchen zu rupfen. Schließlich haben sie das Patriarchat mit am Leben erhalten und ihren Töchtern die selbst bestimmte Freiheit versagt.

 

Die Frau als Mutter ist in der feministischen Bewegung, seit den 60er Jahren, die Inkarnation der versklavten Frau. Für Feministinnen ist die Gleichberechtigung mit dem Mann in allen Lebenslagen die Herausforderung. Frau ist erst befreit, wenn sie die gleichen Rechte und Pflichten wie der Mann hat, wenn sie die weibliche Ausgabe des Homo Sapiens - Mann -  geworden ist. Wobei „weiblich“ für „besser“ steht.

 

Und seit der Erfindung der Pille gibt es für Mütter keine Gnade mehr. Die Frauen sind doch selber schuld, wenn sie sich mit dem Dämon Mann einlassen und dann auch noch so dämlich sind und schwanger werden. Was jammern sie hinterher, wenn sie verlassen werden oder selbst die Flucht ergreifen. Frau hat ihnen nicht dazu geraten.

 

In dieser Einseitigkeit ist der Feminismus genauso diktatorisch wie der bekämpfte Gegenpol, das Patriarchat. Die Zweiteilung der Frau als „Mutter (Gottes)“ oder Hure im Patriarchat findet in der Zweiteilung der Frau als animalisches Reproduktionswesen oder emanzipiertes Menschwesen die unverbrüchliche Fortsetzung der Frau als dividierbares Individuum. Frau als Ganzes gibt es nicht, entweder ist frau das eine oder das andere, ganz so, wie die Definitionsmächtigen frau gerade gebrauchen können.

 

Das Drama von Müttern und ihren adoptierten Kindern ist kein Thema des Feminismus. Die Menschrechtsverletzungen und Verbrechen der Jugendamtsmitarbeiter und sonstigen Adoptionsvermittler bleiben von feministischer Anklage verschont. Mütter gehören nicht zur schützenswerten Gattung Frau. Wird Frau durch die Metamorphose Schwangerschaft zur Mutter, fällt sie automatisch aus der Klientel der Berufsfeministinnen heraus.

 

Anders sieht es allerdings aus, wenn Feministinnen für das Recht auf Adoption für Homosexuelle streiten. Dann wird zwar nicht die (heterosexuelle) Mutter interessant, aber ihr Produkt, das Kind – analog zu den Interessen aller übrigen Adoptionsbewerber. Mit feministischem Engagement können auch lesbische Mütter rechnen, die den Mann oder männlichen Samen nur zur Zeugung eines Kindes brauchen. In diesen Fällen setzt die feministische Forderung nach Ausweitung von Stiefkindadoption ein.

 

 

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Auszüge aus einem Artikel der Zeitschrift „Die Zeit“

 

Frauenwünsche, Frauenwut

Wie Alice Schwarzer mich beinahe zum Weinen brachte.

Oder: Wo die Frauenbewegung noch viel zu tun hat

Susanne Mayer

4. Es fehlt ein ganzes Universum: das der Frauen. Und das ist vielleicht das Erstaunlichste an diesem Schwarzer-Buch: Überhaupt nicht in den Blick kommt das große Spektrum an nichtsexuellen Beziehungen, die das weibliche Leben auch ausmachen - die Freundinnen, die Nachbarn, das komplexe Geflecht des Networking, da fehlen natürlich die Kinder. Schockierend: Ausgerechnet die Sphäre des weiblichen Lebens, die in Männergesellschaften nichts zählt, wird auch bei Schwarzer ignoriert, bestenfalls verächtlich kommentiert. Verbissen starrt Schwarzer auf das Dogma von der Gleichheit zwischen Mann und Frau und sieht nicht, was offensichtlich ist: dass Frauen und tatsächlich nur Frauen eine besondere Beziehung erfahren können - die zu einem anderen Menschen, der in ihnen herangewachsen ist und aus ihrem Körper hervorgeht in einem Ereignis, das sich die meisten Frauen (hier bitte mal herhören, Alice!), die meisten Frauen wünschen und das viele als die Zäsur ihres Lebens erfahren. Als Glück. Oh je, oh je, darf man das überhaupt sagen? Na, da kommt natürlich gleich die schlimmste aller Verdächtigungen: "Mystifizierung" der Mütterlichkeit! Emanzipation: 6! Noch infamer, die Verhöhnung mit "Mutterkreuz", mit der Mütter, die sich für ihre Kinder engagieren, in die Nähe der menschenverachtenden Nazis gerückt werden. Ausgerechnet. Statt über Kinderglück wirklich nachzudenken, ist es Schwarzer lieber, wenn eine "Anna" sich bei ihr darüber ausheult, dass ihr zweites Kind ein Fehler war.

Frauen hätten weniger zu jammern, wären die Schwestern in den vergangenen Jahrzehnten dazu gekommen, sich nicht nur um die Erlaubnis zur Abtreibung zu kümmern, sondern auch um die Bedingungen, unter denen Frauen und Männer und Kinder gut zusammenleben können: reduzierte Arbeitszeiten, Muße, finanzielle Absicherung - ein Brachland, das die Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts hinterlassen hat. Bitter die Erkenntnis, dass Frauen vielleicht auch deshalb heute noch so oft in der Opferposition landen, weil sie gezwungen sind, sich in ungesicherten Verhältnissen einzurichten.

Womit klar wäre, was das Thema einer Frauenbewegung für das 21. Jahrhundert ist.