Doppelbindung
Dass Adoptierte sich oft erst spät auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern machen, obwohl viele schon lange mit dem Gedanken spielen, hat viel mit den unterschwelligen Botschaften der Adoptiveltern zu tun, die Angst haben, die „Liebe“ ihrer Adoptivkinder zu verlieren. Einige Adoptierte suchen von Anfang an nur heimlich.
Viele Adoptiveltern sagen zwar ständig: „Du kannst ruhig mit uns darüber (Adoption) sprechen!“ oder „Ja, nimm doch Kontakt zu Deiner Mutter auf!“ aber hinter diesen „offen“ ausgesprochenen Worten steckt die tatsächliche Botschaft: „Bitte tu mir das nicht an!“ oder „Wenn Du das machst, werde ich totunglücklich!“ oder „Wir haben doch alles für Dich getan…!“
Eine derartige Kommunikation nennt man:
Doppelbindung (Double-Bind)
Paradoxe Kommunikationssituation, deren Entstehung und Ablauf schematisch vier Bedingungen aufweist:
1. Mindestens zwei Personen haben eine intensive Beziehung zueinander, die für einen Partner physisch und/oder psychisch lebenswichtig ist (z.B. das Beziehungsverhältnis zwischen Mutter und Kind).
2. Gegenüber einer der beteiligten Personen, dem sogenannten Opfer, wird eine verbale Mitteilung gemacht, die zumeist zu einer Handlung oder einem Verhalten auffordert, verbunden mit einer Strafandrohung (Inhaltsaspekt der Mitteilung).
3. Eine zweite Mitteilung an das Opfer erfolgt auf einer außerverbalen (Gestik, Mimik usw.) oder paralinguistischen (Stimmlage, Sprechgeschwindigkeit) Mitteilungsebene und steht zu der ersten in unauflösbarem Widerspruch (Beziehungsaspekt der Mitteilung).
4. Das Opfer hat nicht die Möglichkeit (auf Grund der engen affektiven Beziehung und der angedrohten Strafe), sich den paradoxen Handlungsaufforderungen zu entziehen: Es kann weder aus der Beziehung treten, noch kann es metakommunikativ die beiden Aufforderungen kritisieren oder den zwischen ihnen bestehenden Widerspruch thematisieren. Die Theorie der Doppelbindung spielt in der Schizophrenieforschung sowie der Kommunikationstheorie eine wesentliche Rolle und wird in zunehmendem Maße für die Analyse und Beschreibung pathologischer Kommunikation im individuellen (Psychotherapie) und im gesellschaftlichen Bereich (Sozialpsychologie, Pädagogik) herangezogen.