Deutsche Demokratische Republik

Z wangsadoption
Deutsche Demokratische Republik (DDR), von 1949 bis 1990 bestehender Staat in Mitteleuropa mit der Hauptstadt Berlin (Ost), umgeben von der Ostsee im Norden, von Polen im Osten, von der Tschechoslowakei im Süden und von der Bundesrepublik Deutschland im Westen. Die DDR umfasste ein Gebiet von 108 333 Quadratkilometern und hatte 1988 16,66 Millionen Einwohner. Sie wurde am 7. Oktober 1949 als Staat auf dem Territorium der bis dahin bestehenden Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) gegründet; die Eigenstaatlichkeit der DDR endete mit ihrem Beitritt zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990.
Am 3. Mai 1971 wurde Erich Honecker als Nachfolger Ulbrichts Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED, seit 1976 Generalsekretär der SED. Ab 29. Oktober 1975 hatte er auch den Vorsitz im Staatsrat der DDR inne - als Nachfolger von Willi Stoph.
Mit der Wahl des ehemaligen FDJ-Chefs Erich Honecker zum 1. Sekretär des ZK der SED und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates vollzog sich nicht nur ein Wandel auf den Gebieten Politik und Ideologie, sondern es wurde auch die sukzessive Ablösung der Gründergeneration der DDR im Funktionärsapparat und zugleich die Oligarchisierung der Führungselite und ihre Abschottung nach unten eingeleitet.
Hatte Ulbricht von der Bevölkerung immer Vorleistungen für den Aufbau des Sozialismus eingefordert, so betonte Honecker die Sozialpolitik. Entsprechend dem 1976 ins Parteiprogramm übernommenen Postulat der „untrennbaren Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik” standen nun die materiellen Interessen der Werktätigen im Mittelpunkt. Die bislang vernachlässigte Infrastrukturpolitik, wie z. B. der Wohnungsbau, wurde vorangetrieben, die Renten wurden erhöht, die Arbeitszeit verkürzt, die unteren Einkommen angehoben und alles zur Deckung der Grundbedürfnisse Notwendige massiv subventioniert. Die zahlreichen sozialpolitischen Maßnahmen für die Frauen im Arbeitsleben hatten auch eine bevölkerungspolitische Komponente: Die seit 1965 rückläufige Geburtenrate sollte angehoben werden. 1972 wurden fast alle noch privaten und halbstaatlichen Betriebe sowie industriell arbeitende Produktionsgenossenschaften des Handwerks in Staatseigentum überführt. Innenpolitisches Ziel blieb nach wie vor der Aufbau der sozialistischen Gesellschaft nach marxistisch-leninistischen Vorgaben. Quelle: http://de.encarta.msn.com/encyclopedia


geboren am 17. April 1927 in Halle/Saale
Deutsche Politikerin, zweite Frau von Erich Honecker


"Mütter ohne Kinder - Kindesraub in der DDR"
Quelle: http://www.mdr.de/escher/1117194.html
Hintergrund
Über die Praxis der gewaltsamen Familientrennung bei Eltern, die wegen "Republikflucht" verurteilt und von der Bundesrepublik aus der Haft freigekauft wurden, hatte der "Spiegel" erstmals Ende 1975 berichtet.
Die Veröffentlichung führte zu einem Eklat und belastete die innerdeutschen Beziehungen. Der damalige Spiegel-Korrespondent in Ost-Berlin, Jörg Mettke, wurde wegen des "verleumderischen" Artikels aus der DDR ausgewiesen. Der damalige bayrische Ministerpräsident Alfons Goppel lud kurzfristig den ständigen Vertreter der DDR in Bonn, Michael Kohl, wieder aus, der bereits zu einem Antrittbesuch in München weilte, was wiederum dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt missfiel. Die Bundesregierung war um die Unterzeichnung des Verkehrsabkommens besorgt, dass sie gerade mit der DDR ausgehandelt hatten. Die CDU/CSU Fraktion im Bundestag forderte, die Verhandlungen mit der DDR zu unterbrechen, bis das Problem der Kindesentziehung geklärt sei. Die Regierung der DDR, die von einer groß angelegten "Hetzkampagne" sprach, bangte ihrerseits um ihr internationales Ansehen, das nach dem Einzug der DDR in die Vereinten Nationen und nach der Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte von Helsinki gewachsen war.
Trotzdem habe das Thema die Bundesrepublik beschäftigt, gab damals der Regierungssprecher, Klaus Bölling, zu. Leisetreterisch war nur Minister Egon Franke, der noch 1976 erklärt hatte, ihm seien Fälle von der Entziehung des Sorgerechts oder Zwangsadoptionen als zusätzliche Strafe für Republikflucht nicht bekannt. Dabei wusste es das eigene Haus bereits besser.
Nach der Wende kam das Thema erneut auf den Tisch. Der Stein kam ins Rollen durch einen Fund im Berliner Bezirksamt Mitte. Dort waren im Mai 1991 erstmals Akten über Zwangsadoptionen in der DDR aufgetaucht. Der Jugendstadtrat des Bezirks, Markus Zimmermann, hatte die Unterlagen, die in Zeitungspapier eingewickelt waren, im Archivkeller des Amtsgebäudes am Alexanderplatz entdeckt, wenig später dann den Berliner Jugendsenator, Krüger (heute Chef der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn) davon in Kenntnis gesetzt. Der ließ eine so genannte "Clearingstelle" einrichten (geleitet von Frau Kannenberger vom Jugendsenat Berlin), die sich um Betroffene kümmern sollte. In acht Aktenheftern sind diverse Fälle von Zwangsadoptionen dokumentiert. Diese spielten zumeist in den siebziger Jahren. Versuchte Republikflucht, staatsfeindliche Hetze oder auch Ausreiseanträge wurden als Vorwand genommen, um Müttern ihre Kinder zu entziehen.

Rund 185 Kilometer Stasiakten lagern im Archiv der Bundesbeauftragten
Für solche Prozeduren lieferte das Familiengesetzbuch der DDR diverse Rechtsgrundlagen. So im Paragraf 51, wonach bei "schwerer schuldhafter Verletzung der elterlichen Pflichten" das Erziehungsrecht entzogen werden kann; so im Paragraf 70, wonach eine Adoption auch gegen den Willen der Eltern oder eines Elternteils verfügt werden kann (selbst dann, wenn den Eltern das Erziehungsrecht noch gar nicht formell entzogen worden ist).
Ein Fluchtversuch oder Ausreiseantrag verstieß auch gegen den Paragraf 42 des Familiengesetzbuches, wonach Eltern ihre Kinder "zur sozialistischen Einstellung zum Leben und zur Arbeit" zu erziehen und "zur Einhaltung der Regeln des sozialistischen Zusammenlebens" und zum "sozialistischen Patriotismus und Internationalismus" zu erziehen haben.
Die Freigabe zur Adoption war für die Jugendhelfer reine Formalität. Sie ist laut Familiengesetzbuch Paragraf 70 "auf Klage des Organs der Jugendhilfe durch das Gericht" immer dann möglich, wenn das "dem Wohle des Kindes" dient oder wenn "sich aus dem bisherigen Verhalten" der Eltern ergibt, dass ihnen "das Kind und seine Entwicklung gleichgültig sind". Mit dem Entzug des Erziehungsrechtes verlieren die Eltern nach der Lesart des DDR-Justizministeriums "jeglichen rechtlichen und tatsächlichen Einfluss auf die weitere Erziehung und Entwicklung des Kindes und damit auch das Recht, mit dem Kind künftig in Verbindung zu bleiben und den persönlichen Kontakt zu pflegen"
Legitimiert wurden die Zwangsadoptionen auch durch die DDR-Verfassung, da die Familie unter "besonderem Schutz des Staates" steht und daher für die Eltern auch eine Erziehungspflicht durch Artikel 38 der Verfassung erfüllen müssen, in dem es heißt: "Es ist ... die vornehmste Pflicht der Eltern, ihre Kinder ... zu staatsbewussten Bürgern zu erziehen
Oder anders ausgedrückt:
DDR-Eltern dürfen ihre Kinder nicht nur nicht zu Gegnern des sozialistischen Staates heranbilden, auch eine Erziehung zur distanzierten, passiven Hinnahme der sozialistischen Staats- und Gesellschaftsform wäre schon ein Verfassungsverstoß.

Schlüsselfigur in Sachen Zwangsadoption ist Margot Honecker, Ministerin für Volksbildung. Doch direkte Anweisungen von ihr an die Jugendhilfen lassen sich nicht nachweisen. Unbehelligt reist sie 1992 nach Chile aus. Auch der Leiter der Jugendhilfe im Volksbildungsministerium, Eberhard Mannschatz, ist zu keiner Stellungnahmen bereit. Zwangsadoptionen habe es in der DDR nicht gegeben, erklärt er am Telefon.
Keiner der Verantwortlichen kann nach der Wende vor Gericht gestellt werden. Der Grund: Im Einigungsvertrag ist das DDR-Recht anerkannt worden. Die Täter haben demnach keine Gesetze gebrochen. Ausnahme sind die Todesschüsse an der Mauer. Sie werden als schwere Menschenrechtsverletzung gewertet. Zwangsadoptionen nicht. Eine umstrittene Entscheidung.
Laut BGB ist auch in Westdeutschland die Entziehung des Sorgerechts schon bei "staatsfeindlicher Beeinflussung" möglich, was nach DDR-Recht klingt. Aber: bisher gibt es kein einziges Urteil, das ein Kind in öffentliche Obhut brachte, etwa weil es die Eltern zum Kommunisten erzogen hätten.

Ehemaliges Stasi-Gebäude in Leipzig
Aus: Antje Windgassen „Im Bund mit der Macht – Die Frauen der Diktatoren“ campus 2002
Rainer Eppelmann: „Wenn mich der liebe Gott fragte, wen ich aus der SED-Clique anklagen und verurteilen würde, dann würde ich Margot Honecker zur Rechenschaft ziehen, weil sie als Bildungsministerin Generationen von DDR-Bürgern zur Doppelzüngigkeit erzogen hat.“

Margot Honecker war als Volksbildungsministerin mit großer Macht ausgestattet. In der zentralistisch organisierten DDR hielt sie alle Fäden im Erziehungswesen in der Hand und verfügte über ein Heer ihr absolut ergebener Schulräte, Schulinspektoren und Schuldirektoren. Dabei gehörte sie zu der „Kaste von Politikern, die ihre subjektiven Erfahrungen und Meinungen zu verbindlichen sozialen und moralischen Normen oder gar zu historischen „Notwendigkeiten“ überhöhen sowie mit dem Repressionsapparat diktatorischer Staatsgewalt durchsetzen konnten.“ (Michalzik, S.24)
Das bedeutete in der Praxis die Ausrichtung von Schule und Unterricht an der marxistisch-leninistischen Ideologie, die von allen – Schülern, Lehrern und Schulverwaltung – kritiklos anzuerkennen war. Eigene Meinungen, eigene Erfahrungen und eigene Erkenntnisse, also alles das, was eine eigene Persönlichkeit ausmacht, sollte weder Kindern noch Jugendlichen zugestanden werden.
Ein Beispiel für Margot Honeckers Politik stellen die Richtlinien für die Erziehung in Kinderkrippen und –gärten der DDR dar. Die Zweijährigen sollten bereits auf die rote Arbeiterfahne und das Bild des Staatsratsvorsitzenden aufmerksam gemacht werden. Von den Dreijährigen verlangte man, dass sie Erich Honecker verbindlich auf Bildern erkannten. Den Vierjährigen galt es zu vermitteln, dass er eine führende Persönlichkeit der Partei und des Volkes sei, und die Fünfjährigen sollten auf die entsprechende Frage erklären, dass Honecker mit ganzer Kraft dafür kämpfte, die Ideale Piecks und Thälmanns weiterzuführen und zu entwickeln.
Ebenfalls von Margot Honecker zu verantworten ist eines der düstersten Kapitel der DDR-Diktatur: der staatliche Umgang mit Kindern, die angeblich die „sozialistische Lebensweise“ störten. Das konnten lernschwache und schwer erziehbare Kinder sein, aber auch Kinder aus wegen Tod, Krankheit oder „politischem Ungehorsam“ zerstörten Familien. Sie alle wurden in Kinderheime eingewiesen, in denen die (Um)Erziehung zur „sozialistischen Persönlichkeit“ nicht mit einfühlsamer Erziehung, sondern durch Indoktrination und Dressur betrieben wurde. Unbelehrbare – manche hatten einfach nur die falsche Musik gehört – konnten und wurden teilweise ohne richterliche Verfügung in einen „Kinderknast“ gesteckt, zum Beispiel in den Jugendwerkhof Torgau. Die Palette der dortigen Disziplinierungsmaßnahmen reichte von Einzelhaft über Essensentzug bis zum Zwangssport, der in einer militärischen Strafeinheit kaum schlimmer ausfallen konnte und bis zur völligen Erschöpfung betrieben werden musste. Bezeichnend ist, das der Jugendwerkhof Torgau nach einer telefonischen Weisung des Ministeriums für Volksbildung zwischen dem 3. und 6. November 1989 – also in der Zeit der Wende – überstürzt aufgelöst und umgebaut wurde.

Wann die stets elegant gekleidete Ministerin mit den lila gefärbten Haaren damit begann, Zwangsadoptionen durchzuführen, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Die ersten Belege fanden sich nach der Wende unter dem Datum von 1971. Margot Honeckers Ministerium war auch zuständig für Jugendhilfe und Heimerziehung und sie hatte sich bei Adoptionen direkte Einflussnahme vorbehalten. Demnach muss sie die Adoptionen verantworten, die von ihren straffällig gewordenen, republikflüchtigen oder unter Spionageverdacht stehenden Eltern getrennt und ohne deren Wissen und Einwilligung in fremden Familien untergebracht wurden.
Auch nach der Haftentlassung untersagte das Ministerium den Eltern, Kontakt zu ihren Kindern aufzunehmen, was teilweise von Margot Honecker persönlich angeordnet wurde. Die Dramen, die sich dadurch abgespielt haben müssen – vor allem, wenn man bedenkt, wie schnell man in der DDR unter Spionageverdacht geriet – können wir heute nur noch erahnen.

Das Stasi-Gefängnis Bautzen II – Sondergewahrsam für "Staatsfeinde" der DDR
http://www.mdr.de/doku/archiv/geschichte/1599045-hintergrund-1601349.html
Geraubte Kinder - Zwangsadoptionen in der DDR
Ein Film von Mica Stobwasser und Natascha Tillmann
Petra K. lebt 1980 mit ihrem kleinen Sohn Enrico in einer eineinhalb Zimmer Altbau-Wohnung in Gera. Die Wände sind verschimmelt, die Wasserleitung friert im Winter ein, es gibt kein Bad. Sie beschwert sich an höchster Stelle über den untragbaren Zustand und beginnt, Ausreiseanträge zu stellen. Da geschieht das Unfassbare: der zweijährige Sohn wird ihr als Strafe weggenommen und zur Adoption freigegeben.
In dem Film dokumentieren Mica Stobwasser und Natascha Tillmann erschütternde Fälle von staatlich organisiertem Kindesraub. Eltern, die eine Flucht in den Westen versucht oder auch nur den Gang zur Wahlurne verweigert hatten, wurden die Kinder weggenommen. Unter neuer Identität, unauffindbar für leibliche Eltern, wuchsen etwa 100 zwangsadoptierte Kinder in linientreuen Familien auf. Bei ihren monatelangen Recherchen stießen die Autorinnen auf heftigen Widerstand, auf Ängste bei den Opfern und Drohungen seitens der Täter. Trotzdem gelang es ihnen, ein dunkles Kapitel DDR-Geschichte aufzurollen.
Petra K. hatte sich jahrelang nicht getraut, nach ihrem Sohn zu suchen. Ihre Angst hörte auch nach der Wende nicht auf, denn im Jugendamt saß noch die selbe Frau, die ihr Enrico weggenommen hatte. Erst nach deren Pensionierung fasst Petra K. Mut, nach ihrem inzwischen 22-jährigen Sohn zu suchen …
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Eine ganz normale Zwangsadoption in der DDR
Zwangsadoption betraf NICHT EINE MINDERHEIT es war in der ex DDR durchaus eine Massenhandhabung, so dass es davon sicher Tausende Betroffene gibt.
Die Abtretungsunterschrift unter den Adoptionsdokumenten leistete manchmal ein entfernterer Verwandter oder in vielen Fällen wurde die Unterschrift gegen den Willen der Eltern oder der Mutter erzwungen. Und ich finde daher, dass es diese Mütter dann mit solchen Aussagen wie “Sie haben doch unterschrieben!” verdammt zu Unrecht erwischt.
Warum ich das so sicher hier schreibe und wie kann ich mir dessen sicher sein? Auch das möchte ich beantworten und zwar einmal im Detail, damit jeder nachvollziehen kann, unter welchen Umständen Zwangsadoptionen in der ex DDR zustande kamen. In meiner Familie gibt es einen Fall von Zwangsadoption deren Verlauf ich zumindest ab dem Zeitpunkt der Adoption genau verfolgen konnte und nun nach der Wende anhand von Unterlagen in diesen auch für alles die komplette Bestätigung vorfinden konnte.
Meine Tante konnte keine Kinder bekommen. Grund ihr Mann hatte eine Erkrankung, die das nicht mehr möglich machte. Sie stellten einen Adoptionsantrag und fingen an zu warten. In der ex DDR das muss man dazu sagen war die Aussicht ein Kleinkind zu bekommen sehr gering, die Wartezeiten überhaupt ein Kind zu bekommen sehr groß.
Der Antrag war gestellt, sie trauten ihren Augen kaum als schon nach 6 Wochen ! plötzlich ein Anruf in der Firma eintraf: “Frau .... wir haben ein Kind für sie. Freu... super...wann können wir es für einen ersten Kontakt das erste mal sehen ? Erstes mal sehen ?? Nee, nichts da, erstmal sehen. Wollen sie das Kind, dann müssen sie binnen 4 Stunden hierher nach D. kommen und es mitnehmen. .....
Verdutzte Gesichter. Wie, jetzt ein Kind adoptieren ohne es vorher zu sehen und einen Kontakt aufgebaut zu haben ?? Gleich hinkommen und es mit nach Hause nehmen für immer ?? Seltsam....
Mit diesen etwas verwunderten Gedanken machte sie sich mit ihrem Mann dennoch auf den Weg, denn sie wünschten sich ja sehr ein Kind und wollten die Chance, die andere erst nach vielen Jahren bekamen, auch wahrnehmen und sie rechneten selbstverständlich damit, bei der Ankunft an der genannten Adresse vor einem Kinderheim zu stehen.
Sie kamen an, doch von einem Kinderheim war weit und breit nichts zu sehen. Erneutes Erstaunen. O.K. dann mussten sie vielleicht das Kind beim Jugendamt abholen. Auch da Fehlanzeige.
Der Weg führte sie direkt in eine Kinderkrippe, gleichzusetzen hier mit einer Kindertagesstätte. Für gewöhnlich holten dort die Eltern ihre Kinder jeden Nachmittag wieder nach Hause ab. Nochmals hoch erstaunte Gesichter - Adoption ?? - eine Kinderkrippe - ?? kein Heim ??
Erklärungen der Leute vom Jugendamt vor Ort = null - trotz Fragen. Sie wurden in ein Zimmer geführt wo alle dort betreuten Kinder spielten, man zeigte auf einen kleinen Jungen 3 Jahre alt, mit den Worten: “Das ist er.” Sie hatten genau 30 Minuten Zeit ihn sich anzusehen und eine Entscheidung zu treffen. Kind mitnehmen oder es lassen und auf ein anderes warten.
Sie waren irritiert und wussten erst nicht was tun, weil ihnen die ganze Situation, die Art des Ablaufes dieser vermeintlichen Adoption komisch vorkam und gleichzeitig wussten sie, dass sie, wenn sie hier nein sagen, unter Umständen 10 Jahre und mehr auf eine Neue Chance warten müssen. Mein Onkel entschied sich zu fragen, warum dieses Kind zur Adoption frei gegeben ist. Die Antwort war die Mutter sei verschwunden, treibe sich irgendwo umher und habe das Kind einfach nie wieder aus der Kinderkrippe abgeholt und habe der Adoption zugestimmt, ihr Lebenswandel lasse keine Versorgung des Kindes zu. Es würde schon einige Zeit hier leben und normal müsse es nun in ein Heim, aber da der Adoptionsantrag bekannt war und sie fast um die Ecke wohnten, hätte man ihren Besuch jetzt noch abgewartet. Wenn sie ihn jetzt allerdings nicht nehmen, würde er dann ins Heim transportiert. Das klang logisch ! (Klang mehr auch nicht)
Nach kurzer Beratung entschieden sich mein Onkel und meine Tante, das Kind zu nehmen. Papiere ?? Keine !! Diese sollten sie dann vom Jugendamt in M. bekommen, am darauf folgendem Tag, wo sie vorsprechen müssten. Kleidung für das Kind ? Keine ausser der, die er am Leib trug und ein paar Spielsachen. Sie versuchten sich mit dem Kleinen etwas bekannt zu machen, schliesslich war er ja überrumpelt. Plötzlich Hektik, es war etwa 16 Uhr (das Detail fiel meiner Tante erst Jahre später auf, es war die Uhrzeit zu der die meisten Mütter ihre Kinder aus der Kinderkrippe nach Hause abholten - da in den meisten Firmen 16 Uhr Feierabend war). Sie sollten sich beeilen, man würde gleich schließen wollen etc. sie wurden gedrängt mit dem Kind den Heimweg einzuschlagen. (Gleich schließen wo noch um die 20 Kinder da waren ?? aber auch dieses Detail fiel erst später wirklich auf).
Sie nahmen den Kleinen und fuhren nach Hause, sie waren Eltern binnen weniger Stunden und wussten garnicht, wo sie das Glück einordnen mussten, so schnell eine Adoption zu bekommen wo andere Jahre warten mussten. Von der Kinderkrippe wusste man das Kind hieß Tobias. Also Willkommen Tobias im neuen Leben.
Am kommenden Tag ging man wie vereinbart zum Jugendamt, man wollte ja schließlich die Unterlagen und auch ein wenig informiert sein über das Kind und dessen Herkunft. Es war der Moment in dem meinen Verwanden klar wurde, dass an der ganzen Sache irgendetwas nicht stimmt, aber man konnte es nicht wie heute als Zwangsadoption bezeichnen, denn das gab es zu DDR Zeiten natürlich niemals !!! Adoptionen waren immer alles Kinder von schlampigen Eltern etc.. Sie konnten nur ahnen.
Sie betraten das Jugendamt, sie hatten den Kleinen mitgenommen. Sie waren nicht einmal richtig drin wurden sie aufgehalten. Sie mögen doch bitte das Kind so lange das Gespräch ginge in die Obhut einer Mitarbeiterin geben, es sei nicht gut wenn das Kind hier gesehen würde. ??? Die Erklärung folgte, ja die Oma des Kindes arbeitet in diesem Gebäude und es gebe ein Dilemma wenn beide aufeinander treffen würden, das dann vieleicht das Kind nach der Oma schreien würde etc. teils logisch, teils nicht, denn es war unüblich, dass Kinder so nah am Wohnort der richtigen Eltern vermittelt wurden...also erneut verdutzte Gesichter ....

Im weiteren Gespräch kam es noch besser. Das Kind trug den Namen Tobias. Das Jugendamt teilte OHNE NENNUNG VON GRÜNDEN mit, dass zwar der Name Tobias sei, aber es aber handfeste Gründe gäbe, dass dieser Name sofort geändert werden müsse, sie möchten sich bitte jetzt gleich einen neuen Vornamen für das Kind ausdenken. ??? Mein Onkel fragte wieder hoch erstaunt nach, warum das denn nun nötig sei. Wieder folgte eine logische Erklärung. Die richtigen Eltern würden ja so nah an ihrem Wohnort leben und so wolle man vermeiden, dass sie Probleme mit der schwer alkoholkranken und asozialen Mutter bekommen.
Kurzum sein Name Tobias wurde in nur 2 Stunden aus dem Leben gestrichen und er hiess fortan Lars. Danach gab es die Geburtsurkunde für das Kind und die Abstammungsurkunde. In der Geburtsurkunde hat es ab diesem Zeitpunkt niemals ein Kind gegeben was Tobias hieß, es wurde eine Geburtsurkunde an meine Tante gereicht in der das Kind den gerade von ihnen neu gewählten Namen Lars trug. Die Adoptiveltern und der Geburtstag standen mit darin aber damit konnte man zu diesem Zeitpunkt ja ohnehin nichts mehr anfangen. Geschwister keine !
Es folgten für meine Verwanden drei harte Monate der Eingewöhnung des Kindes, denn der Kleine stieg bei jeder Gelegenheit auf das Fensterbrett, setzt sich dahin und schrie aus vollem Hals immer wieder nach seiner Mutter. Man hörte beinahe nichts anderes als die Mutti, Mutti Rufe. Näherte sich meine Tante wurde sie hart zurück gewiesen. Ein sehr seltsames Verhalten für ein Kind was von den Eltern total im Stich gelassen wurde und vernachlässigt sein sollte ...
Doch es legte sich und so seltsam mancher Hergang meiner Tante und meinem Onkel damals auch vorkam, so schnell geriet es dann mit der Freude an dem Kleinen in den Hintergrund und in Vergessenheit.
Es folgte die Wende und aus dem kleinem Kind wurde mehr und mehr ein fragendes älteres Kind. Meine Verwanden hatten nie vor ihm ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie nicht die richtigen Eltern sind, klärten ihn sehr früh darüber auf, um zu vermeiden, dass später der große Schock darüber eintrifft.
Dann war es soweit das bei ihm die Frage aufkam: Woher stamme ich, wer sind meine richtigen Eltern, warum haben sie mich weg gegeben. Die Fragen, die so viele Adoptierte quälen. Man hatte inzwischen von Zwangsadoptionen gehört, erinnerte sich an die seltsame Art wie hier die Adoption zu Stande gekommen war, aber man hatte keine Klarheit darüber.
Ich selbst machte mich dann für das Kind auf die Suche nach den leiblichen Eltern. Die alte Geburtsurkunde lag ja vor, konnte ja also nicht schwer sein. Man wusste eigentlich hieß er Tobias, man hatte die Namen von Vater und Mutter und das Geburtsdatum. Ein leichtes dachte ich mir und ging zielstrebig ins Internet, um zunächst mit der Namenssuche per Telefonbücher etc.. zu beginnen.
Egal was ich anstellte, es war nichts zu finden. Wochen habe ich damit verbracht. Dann schrieb ich das damalige Jugendamt an und schilderte die Hergänge von der Adoption und bat um Mitteilung der evt. vorhandenen heutigen Wohnadressen der leiblichen Eltern. Null Chance, nachdem sie sich xxx mal um alles gedrückt hatten gab es die bekannte Portion gefakte Geburtsurkunde mit Namen Lars und den schon bekannten Daten.
Ich ahnte immer mehr, dass die ganze Sache stinkt und habe angefangen zu improvisieren. In der Geburtsurkunde waren auch 2. Vornamen enthalten und ich drehte die Suche um, setzte den 2. Namen als Vornamen ein, tauschte die Nachnamen von Vater und Mutter und suchte neu. Und plötzlich stieß ich auf einen Namen der passte und noch einen und noch einen. Am Ende hatte ich um die 80 Namensübereinstimmungen...eigentlich so gesehen gar keinen weil ich ja alle Namen in der Reihenfolge gedreht hatte.

Versuch macht klug, meinte ich und druckte also 80 Briefe an all die halbwegs in Frage kommenden Namen im Telefonbuch, schrieb kurz angerissen die Adoptionsgeschichte und die wichtigsten Stationen rein und ab ging die Post. Es meldeten sich fast täglich welche jedoch meist nur um Glück zu wünschen und mitzuteilen, dass sie nicht die gesuchten Personen sind.
Dann klingelte das Telefon wieder und ich hatte eine ziemlich alte Frau dran, viel zu alt um seine leibliche Mutter zu sein. Sie beteuerte Tobias (Lars) zu kennen. Es folgten ein paar Fragen hin und her zur Sicherheit der Identität und dann folgte die wahre Story.
Ich war hier auf die Oma von ihm gestoßen, die zum großen Glück noch lebte, sonst hätte er nämlich niemals seine wirklichen Eltern finden können. Es stellte sich nämlich im Laufe des Gespräches und beim vergleichen der Unterlagen sehr schnell heraus, dass hier beinahe alles vom werten Jugendamt gefälscht war, einzig das Geburtsdatum stimmte.
Der Geburtsort war falsch, der Name das war oben schon beschrieben sowieso, in den Unterlagen war zu lesen er habe 0 Geschwister sei ein Einzelkind, jetzt hatte er plötzlich 3 Geschwister, die Mutter wie sie in der Geburtsurkunde stand, gab es mit diesem Namen nie, es wurde (mein Gott was doch dusslige Gedanken oft an Glück auslösen können) genau das getan was ich als kleine Idiotie in meinem Köpfchen probierte, es wurde alles verdreht. Der in der Urkunde genannte Name der Mutter setzte sich zusammen aus dem Vornamen der Oma und dem Nachnamen der leiblichen Mutter (die neu geheiratet nicht mehr mit dem Namen auffindbar war), der Name des Vaters war verdreht, 2. Vorname = Vorname Nachname stimmte der Geburtsort frei erfunden.
Mit dem neuen Wissen attackierte ich erneut das Jugendamt und erhielt schlussendlich nach mehr als 17 Monaten Drängen die wahren Auskünfte.
Das Kind wurde niemals von seiner Mutter zur Adoption frei gegeben, genauso wenig wie die anderen 3 Kinder, die auf gleiche Weise an andere Adoptiveltern vergeben wurden und deren Namen genauso auf Verlangen sofort geändert wurden. Die Mutter war allein erziehend, sorgte aber gut für ihre Kinder. Sie hatte nur einen Fehler, sie konnte mit der Politik der ex DDR nichts anfangen und wurde auf Grund dessen vom lieben Staat verfolgt. Sie wollte weg und das beste Druckmittel für Vater Staat waren ihre Kinder.
Sie hatte nie eine einzige Unterschrift gegeben, dass ihre Kinder zu anderen Eltern sollten. Es gab in der ex DDR die Pflicht zu arbeiten, so musste sie ihre Kinder logischerweise in der Kinderkrippe oder im Kindergarten unterbringen, was sie auch tat. Vater Staat entschied dann, mal eben ihr die Kinder von genau dieser Stelle aus zu entziehen, ohne eine Einwilligung. Kurzum es wurde bei allen 4 Kindern das fabriziert, was meine Tante und mein Onkel dort erlebt hatten.
Adoptiveltern wurden zur Kinderkrippe oder dem Kindergarten bestellt, angehalten das Kind sofort mitzunehmen, ohne Anlaufzeit und weg waren sie. Nachmittags kam die leibliche Mutter zum Kindergarten und zur Kinderkrippe und hatte keine Kinder mehr. Keinen Anhaltspunkt über den Verbleib ihrer Kinder, keine Information dazu, lediglich eine schlichte Information: Ihre Kinder wurden durch uns zur Adoption freigegeben und sind bei neuen Eltern. Nachforschen in diesen Fällen zwecklos da null Auskunft. Aufregen oder dagegen angehen ? Null Chance, Klappe halten und artig weiter leben und fein im Sinne des Staates oder ab in den Knast mit denen, die mit der Politik des so super funktionierenden Staates nicht im Einklang sehen.
Sie sah ihren Sohn das erste mal nach der Wende wieder, wusste erst da wo ihr Kind von der Kinderkrippe weg abgeblieben war und baute einen sehr guten Kontakt zu ihm und den Adoptiveltern auf, ein weiteres ihrer auf die Art "gestohlenen" Kinder fand sich ein Jahr davor auch durch Suche auf eigene Hand, zwei ihrer Kinder sind bis heute verschwunden und wissen nicht um die Geschichte und die Mutter nichts über ihren Verbleib.
Soweit die Geschichte die in unserer Familie in Sachen Zwangadoption statt gefunden hat..
Und derer gab es Tausende und dazu kamen noch beinahe alle Fälle in denen Eltern Ausreiseanträge in den Westen stellten, denn unsozialistische Eltern kann man doch nicht auf ein Kind loslassen. Die armen Kinder müssen ja in geordneter staatstreuer Umgebung zu einem ordentlichen sozialistischen Staatsbürger erzogen werden. Dem tat man dann des öfteren Genüge durch eine Adoptionsfamilie, die selbst Stasitreu war, um keine Gefahr zu laufen aufzufliegen und Fragen der Kinder später gleich im Keim zu ersticken.
Manu
