Das Verbot von sexueller Freude, die über das Kinderzeugen hinausgeht
Aus: „Tödliche Lehre“ von Wendell W. Watters – 1992
In der christlichen Grunddoktrin hinsichtlich der Sexualität ist kein Platz für Lust. Paulus fasst es zusammen, wenn er sagt: „So sie aber sich nicht mögen enthalten, so lass sie freien; es ist besser zu freien denn Brunst zu leiden.“ (1 Kor. 7.9) Die Botschaft, die die christliche Doktrin vermittelt, ist, dass es besser wäre, wenn die Leute ohne Geschlechtsverkehr auskommen würden, außer, dass dieses der einzige Weg ist, mehr Christen zu erzeugen, um das Ziel der Kirche zu erfüllen, die anderen Nichtchristen demographisch zu überfluten, die sich weigern, zu dem einen wahren Glauben zu konvertieren.
Männer sind als einzige dazu ausersehen, körperlichen Genuss aus ihrer Sexualität zu ziehen, jedoch nur soviel, dass sie ihre Pflicht des Geschlechtverkehrs „erfüllen“ können; sexuelle Lust als Selbstzweck (nicht im Dienste der Zeugung) wurde getadelt. Von Frauen wird nicht erwartet, dass sie Lust empfinden, außer in dem Wissen, dass sie ihren Gatten in der Mutterrolle gefielen.
Paradoxerweise wurde Frauen beigebracht, obwohl sie den Liebesakt nicht genießen sollten, dass sie für die Erregung der Sexualität des Mannes verantwortlich seien, bei denen wiederum für die kleinste Lust, die sie beim Geschlechtsverkehr empfanden, ein Schuldgefühl geweckt wurde, so dass sie die Schuld auf die Frauen zu proijezieren hatten. Der schreckliche „Malleus Maleficarum (Der Hexenhammer), der von den Dominikanern Jakob Sprenger und Heinrich Institoris geschrieben und 1486 veröffentlicht wurde, lud die Schuld für „fleischliches“ Verlangen voll den Frauen auf die Schultern, die oft auf den Scheiterhaufen verbrannt wurden, wenn sie auch nur offen Anzeichen für sexuelle Regungen zeigten: „Die ganze Hexerei kommt von der Fleischeslust, die in Frauen unersättlich ist.“ Das Buch wurde von der Kirche völlig gutgeheißen, in jedem Lande Europas akzeptiert, und in den folgenden 250 Jahren über dreißigmal verlegt. Es wundert einen nicht, dass die Frauen noch einmal 200 Jahre brauchten, bevor sie anfingen sich sicher zu fühlen und sich von der Bedrohung zu erholen, auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden, wenn sie sexuelle Gefühle offen eingestanden.


Eine weit verbreitete Legende ist, dass Frauen öfter sexuelle Probleme haben als Männer, und tatsächlich gibt es in Kliniken für Sexualtherapie mehr weibliche als männliche Patienten. Jedoch gehören zu dem Problem vieler dieser gestörten Frauen Männer, die, obwohl bei ihnen alles gemäß dem Pro-Leben-Sexualkodex klappt, in Wirklichkeit große Beschränkungen in ihrer Fähigkeit haben, Lust zu erleben. Diese Männer waren oft völlig unfähig, die Nähe und Intimität ihrer Partnerinnen zu ertragen, was die Quelle der Lust in einer gesunden Sexualbeziehung ist.
Eine andere weit verbreitete Legende bezüglich männlicher Sexualität ist die, dass der Mann „es immer will“ oder „dass er es jede Nacht oder dreimal am Tage haben muss,“ dass er ein Wesen mit einem großen Sexualtrieb ist. Und in diesen Fällen ist es oft die Partnerin des Mannes, die sich „krankhaft“ über „einen Mangel an sexuellem Verlangen“ zeigt oder einer Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erlangen. In Wahrheit ist der Mann oft ein sexueller Krüppel, mit einem so begrenzten Sexualvermögen, dass er nur häufige körperliche Orgasmen, die koital hervorgerufen werden, tolerieren kann. Nicht in der Lage, eine vollkommen befriedigende sexuelle Erfahrung mit einer Partnerin zu genießen, benutzt er die Vagina seiner Partnerin als Ersatz für seine Hand, um die körperliche Spannung zu entladen, wie einer, der bei einem großen Festmahl nur nascht. Es ist üblich für so einen Partner einer sexuell „gestörten“ Frau, dass er nach einer Therapie, in der „ihr“ Problem beseitigt werden sollte, sagt, dass er nicht wusste, wie viel ihm entgangen war.
