Aus: „Wir brauchen keinen Gott“ von Michel Onfray – S. 147 ff.
Das Problem mit den Frauen
Ist der Hass auf die Frauen, der ja allen drei monotheistischen Religionen gemeinsam ist, eine logische Folge des Hasses auf die Intelligenz? Werfen wir erneut einen Blick auf die Texte: Die Erbsünde – dieses Verlangen nach mehr Wissen – geht auf die Entscheidung einer Frau zurück: EVA
Der Dummkopf Adam gibt sich mit einem Leben in Gehorsam und Demut zufrieden. Als die Schlange zu sprechen anfängt (ist ja völlig normal, alle Schlangen sprechen!), wendet sie sich der Frau zu und beginnt mit ihr ein Gespräch. Die Schlange ist der Verführer und die Frau die Verführte. Doch es genügt ein kleiner Schritt, und aus der Frau wird für alle Zeiten die Verführerin (im Koran ist es keine Schlange, sondern der Iblis; als aufrecht stehender Stein wird er in Mekka seit Jahrhunderten von Millionen von Pilgern gesteinigt).

Der Dschinn Iblis
Der Hass auf die Frauen scheint eine Variante des Hasses auf die Intelligenz zu sein, eine Variante des Hasses auf all das, was die Frauen für die Männer repräsentieren: Begierde, Lust und Leben, auch Neugierde (der französische Sprachwissenschaftler Paul Littré konstatiert, dass man eine neugierige Frau als „Tochter Evas“ bezeichnet). Über die Frau besteht die Erbsünde fort. Schon Augustinus wusste, dass diese Erbsünde über den väterlichen Samen in den Bauch der Mutter übertragen wird. Wir haben es hier mit einer Sexualisierung der Sünde zu tun.
Die Monotheismen mögen den Engel tausendmal mehr als die Frau. Lieber eine Welt der Seraphim und Erzengel als ein weibliches oder wenigstens gemischtes Universum. Bitte keine Geschlechtlichkeit, die vor allem nicht!
Fleisch, Blut und Lust werden von Natur aus mit der Frau assoziiert und sind für alle drei monotheistischen Religionen Gelegenheiten, um Verbote und Reinheitsvorschriften zu erlassen und die Kämpfe gegen den begehrenswerten Körper, gegen das Blut der vom Zwang zur Mutterschaft befreiten Frauen und gegen die hedonistische Energie zu entfesseln. Bibel und Koran ergehen sich frohen Herzens in Verwünschungen dieser Themen.
Die monotheistischen Religionen verabscheuen die Frauen – sie mögen nur Mütter und Ehefrauen. Damit die Frauen aus dieser angeborenen Negativität gerettet werden können, gibt es für sie nur zwei Möglichkeiten (eigentlich nur eine in zwei Schritten): Sie müssen einen Mann heiraten und diesem anschließend Kinder schenken. Solange sie für ihren Mann sorgen, für ihn kochen und den Haushalt regeln und sich darüber hinaus noch um die Ernährung, die Pflege und die Erziehung der Kinder kümmern, bleibt für das Weibliche in ihnen kein Platz mehr. Mit anderen Worten: Die Gattin und die Mutter töten die Frau. Darauf jedenfalls setzen die sich um die Ruhe des Mannes sorgenden Rabbiner, Priester und Imame.
Allen drei monotheistischen Religionen gemeinsam ist die Vorstellung, dass Eva erst an zweiter Stelle (Sure III 1) und zwar so nebenbei aus einer Rippe Adams (Genesis II 22) erschaffen wurde. Im Koran trägt die Frau Adams nicht einmal einen eigenen Namen, die Namenlose ist nicht zu benennen. Aus einer Rippe Adams also, aus einem minderen, zweckentfremdeten Teil des ursprünglichen Körpers: Zuerst kommt das Männliche und dann als losgelöstes Fragment oder herabfallender Krümel das Weibliche. Die Reihenfolge der Ankunft, die existentielle Modalität, nur ein Teil zu sein, und die Verantwortung für die Sünde: All das lastet schwer auf Eva. Sie zahlt dafür einen hohen Preis.
Die Erschaffung Evas aus Adams Rippe
Eva in ihrer Gesamtheit – nicht nur ihr Körper – wird verflucht. Das nicht befruchtete Ei ist die Übersteigerung des nicht seiner Bestimmung folgenden Weiblichen, weil es die Mutterschaft verneint. Daher die Unreinheit der weiblichen Regel. Mit der Monatsblutung beginnt zudem die gefährliche unfruchtbare Periode. Denn eine sterile, unfruchtbare Frau ist für den Monotheisten ein unerträglicher Widerspruch. Wer nämlich keine Schwangerschaft riskieren muss, kann eine Sexualität ohne Angst, d.h. eine Sexualität um ihrer selbst willen praktizieren. Die nicht mit einer Zeugung verbundene Sexualität – die pure Sexualität – ist jedoch das Böse schlechthin.
Dieser Grundsatz erklärt auch, warum die drei monotheistischen Religionen die Homosexuellen scharf verurteilen. Denn ihre Homosexualität macht – bis jetzt zumindest – die Bestimmung als Vater, Mutter, Ehemann oder Ehefrau unmöglich. Und sie besteht eindeutig auf dem Vorrang und dem absoluten Wert des freien Individuums. Für den Talmud ist der Unverheiratete nur ein halber Mensch. Auch der Koran äußert sich ähnlich (XXIV 32), während Paulus beim Alleinlebenden die Gefahr von Lüsternheit, Ehebruch und freier Sexualität sieht. Deshalb auch seine Mahnung zur Ehe, die ja - wenn schon eine absolute Keuschheit nicht möglich ist – die beste Form ist, die Libido zu zügeln.
Auch die kritische Haltung gegenüber der Abtreibung ist allen drei monotheistischen Religionen gemeinsam. Die Familie bildet den Horizont, der nicht überschritten werden darf, die Grundzelle der Gemeinschaft. Die Familie steht für Kinder, und Kinder sind für das Judentum die Grundvoraussetzung für das Überleben des auserwählten Volkes. Aber auch die Kirche möchte die Zahl der Kinder wachsen sehen. Und für den Islam sind die Kinder ein Zeichen für das Wohlwollen des Propheten. Alles, was diese metaphysische Demographie behindert, zieht den monotheistischen Zorn auf sich. Gott mag keine Familienplanung.
Trotz alledem: Kurz nach der Entbindung durchläuft die junge jüdische Mutter eine Phase der Unreinheit. Das Blut, immer wieder das Blut! Hat sie einen Sohn geboren, darf sie den heiligen Tempelbezirk 40 Tage lang nicht betreten. Nach der Geburt einer Tochter sind es 60 Tage! So steht es im Levitikus. Ein Blick noch auf das jüdische Morgengebet: Es fordert jeden Mann auf, Gott während des Tages dafür zu danken, dass er ihn zum Juden, nicht zum Sklaven und nicht zur Frau gemacht hat (Men. 43 b). Wie man weiß, distanziert sich der Koran auch nicht explizit von der vor-islamischen Stammestradition, die es für rechtmäßig erachtet, wenn der Vater einer frisch geborenen Tochter sich schämt und sich die Frage stellt, ob er das Kind behalten oder lieber im Staub begraben will (XVI 58). (Die voreingenommene Pléiade-Ausgabe des Korans weist – wahrscheinlich um die Barbarei etwas zu verharmlosen – in einer Anmerkung auf die Angst vor der Armut hin … aber trotzdem!).
Als fröhliche Kumpane diskutieren die Christen ihrerseits 585 auf dem Konzil von Mâcon über ein Buch von Alcidalus Valeus. Sein Titel: „Paradoxe Dissertation, in der man zu beweisen versucht, dass die Frauen keine menschlichen Geschöpfe sind.“ Es ist nicht klar, worin denn das Paradoxe besteht und ob der Beweis tatsächlich erbracht wurde. Wir wissen auch nicht, inwieweit Alcidalus sein Publikum noch überzeugen musste, denn die Kirchenoberen standen eigentlich von vornherein auf seiner Seite, denken wir doch nur an Paulus’ unzählige frauenfeindliche Äußerungen. Die Voreingenommenheit der Kirche gegenüber Frauen ist nach wie vor traurige Aktualität.
Und drinnen waltet die züchtige Hausfrau.