Dankbarkeit
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Während einer Forumsdiskussion über
Babyklappen / Anonyme Geburt, Spendersamen und Leihmutterschaft
wurde das Thema
„Dankbarkeit von Adoptierten“
angesprochen.
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Brigitte:
Die ganze Diskussion (Babyklappen / Anonyme Geburt) wird sich demnächst sowieso erledigt haben, da bei männlicher Zeugungsunfähigkeit bereits heute die „Familiengründung mit Spendersamen“ gesetzlich zulässig ist, siehe:
http://%20www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Elternschaft/s_1713.html#psycho
Im Zuge der Gleichberechtigung wird es wohl nicht mehr lange dauern, dass es bei weiblicher Geburtsunfähigkeit zur Leihmutterschaft kommen wird. Denn was dem einen recht ist, muss dem anderen billig sein. Ob dann noch Kinder aus Babyklappen oder anonymer Geburt so interessant sind, wage ich zu bezweifeln. Weltweit verhungern jeden Tag auch zehntausende von Kindern oder vegetieren am Rande der Gesellschaft und des Existenzminimums vor sich hin, hier greift das „Wohl des Kindes“ seltsamerweise nicht und die Ursachen hierfür scheren (fast) niemanden.
Unter dem Link:
http://www.familienhandbuch.de/cms/Gesundheit_Kinderlosigkeit.pdf
kann man etwas über die Ahnungslosigkeit von Expertinnen zum Thema Adoption nachlesen:
Autorin: Corinna Onnen-Isemann - auf Seite 7 steht:
Zum Kinderwunsch der Befragten und zur Kinderwunschbehandlung:
„… Mit enormer persönlicher Belastung strebten die Befragten nach einer Korrektur (ihrer Kinderlosigkeit): Ihr Wunsch bezog sich auf die Gründung einer „Normalfamilie“ mit eigenem leiblichen Kind. Selten wurde eine Adoption ins Auge gefasst. Aus diesem Ergebnis konnte ich eine neue Hypothese entwickeln, die die sinkende Bereitschaft ungewollt kinderloser Paare zur Adoption erklären könnte: Wenn das leibliche Kind zum Normalitätsmuster einer Ehe gehört, sich diese Leiblichkeit biologisch aber nicht einrichten lässt, dann wird heutzutage mit Hilfe der Reproduktionsmedizin versucht, dem Normalitätsmuster zu entsprechen; früher bot sich als einzige Möglichkeit hierfür nur die Adoption.“
1. scheint Frau Corinna Onnen-Isemann nicht über das seit Jahren schwindende Angebot auf dem heimischen Adoptionsmarkt informiert zu sein. Auslandsadoption ist teuer und nicht jeder kann sich diese Form der Kinderbeschaffung oder besser gesagt, des ORGANHANDELS IM GANZEN leisten.
2. ist wieder einmal ersichtlich, dass Adoption in den Köpfen von Expertinnen auch heute noch (2006) als normales Mittel zur Familienplanung existiert und ganz selbstverständlich in diese Richtung beraten wird, sowohl Adoptionswillige als auch Herkunftseltern!!!
3. gehen künstlich befruchtete Ehepaare wenigstens ehrlich mit ihrer Kinderlosigkeit um und bedienen sich nicht des Geschwafels „zum Wohle des Kindes“. Wie und ob die Kinder dann später als Erwachsene mit dieser Art Familienplanung zurecht kommen, wird sich erweisen, aber das ist dann ja ein Problem für die nächste Generation.
... der mensch in seinem ursprung auf biologisches potential reduziert ...
... präimplantiv/pränatal designt und diagnostisch selektiert ...
... die zucht-frucht - noch - in einem weiblichen brut-koerper ausgereift, um danach ihrer psycho-sozialen zweckbestimmung zugeführt zu werden ...
... narzisstische ewigkeitsphantasien durch endlos-klonungen befriedigt ...
ekelerregend für mich, WAS da "kreierten" und deshalb total beherrschbaren MENSCHEN schon HEUTE an IDENTITAETS-"ARBEIT" zugemutet wird ...
aber es gibt sie ja schon, diese diskussionen, wem denn noch überhaupt der status als "mensch" zugeordnet werden kann und wer als "artefakt" ("monster") anzusehen ist ...
frage: sind die heutigen "adoptierten" das experimentierfeld für die familienplanungsvisionen der zukunft?
DIE WAHRHEIT IST DEM MENSCHEN ZUMUTBAR. Ingeborg Bachmann
Brigitte:
Dass die heutigen Adoptierten das Experimentierfeld für die Familienplanungsvisionen der Zukunft sind, kann man als gegeben hinnehmen, wenn man sich den Artikel im Familienhandbuch durchliest. Mehrfach werden in diesem Artikel die Erfahrungen mit Adoptierten angeführt, um sie auf Künstlich Befruchtete zu übertragen.
Besonders erfreulich für die Menscheningenieure ist die Zustimmung derartig kreierter Menschen oder von Adoptierten, wie ich sie im Gästebuch meiner Homepage gefunden haben. Natürlich ohne Angabe einer Absenderadresse!
„Ich bin heute 29 Jahre alt und wurde im Alter von 3 Monaten adoptiert. Ich liebe meine Eltern (meine Adoptiveltern sind für mich meine Eltern - sonst niemand) über alles. Wir sind eine tolle Familie. Da ich bereits im Alter von knapp 4 Jahren erfahren habe, dass ich adoptiert bin (meine Tante war schwanger und ich stellte die Fragen aller Fragen: Mama, war ich auch in deinem Bauch?) ist das für mich was völlig normales. Es kommt sogar vor, dass ich im Fernsehen irgendwelche Berichte sehe und noch nicht mal dran denke, dass ich "ja auch so ein Kind bin". Den Drang, meine Erzeuger zu suchen hatte ICH bisher noch nie. Das sind für mich fremde Menschen, die nicht zu mir gehören. DANKE MAMA UND PAPA, FÜR ALLES!!!“ Alex
Den Drang seinen Dank auf meiner Homepage loszuwerden hat dieser „MENSCH“ jedoch, der ansonsten noch nicht einmal daran denkt, dass er „ja auch „SO EIN KIND“ ist“. Merkwürdig wieso er den Weg zu meiner HP gefunden hat. Da bedankt sich ein Alex mit 29 Jahren öffentlich bei seiner Mama und seinem Papa. Wahrscheinlich stimmt es, dass Adoptierte durch Adoption nie so ganz erwachsen werden können, wie Betty Jean Lifton beschreibt und sie immer den Drang ausleben müssen, ihren Adoptiveltern gegenüber ihre Dankbarkeit zu bezeugen. Nur um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Das ist nicht ironisch gemeint, ganz im Gegenteil - ich finde es sehr sehr traurig.
ich als adoptierte, die ihre a-eltern ebenfalls buchstäblich "über alles" (offenbar mehr als mich selber :-((())) liebte und liebt, empfinde alex' (könnte auch eine junge frau sein!!!) kommentar aus mehreren perspektiven "schlüssig":
- alex liebt seine/ihre a-eltern: es muss offenbar ein band der liebe existieren (habe ich auch so erlebt!), die erwiesene dankbarkeit aus diesem motiv heraus ist etwas normales!!! (dankbarkeit ist nicht per se eine hündische unterwerfungshandlung, sondern auch ein akt freier zuneigung!!!).
es ist allerdings richtig, auch dies ist mir von mir selber nur allzu gut bekannt, adoptierte neigen dazu, übertrieben oft ihre dankbarkeit auszudrücken, und das hängt nun mit der "unselbstverständlichkeit", der x-beliebigkeit (es hätten ja auch ganz andere a-eltern eltern des adoptierten werden können) ihrer ganzen psycho-sozialen situation zusammen, und das geht - ich weiss das - mitunter in den pathologischen bereich ... und zwar als immerwährende unterwerfungshandlung in form einer "dauer-kompensation" für das "froh-sein-muessen, dass ... für ... alles ..."
- alex empfindet seine/ihre h-eltern als fremde: dies ist aus ENTWICKLUNGSpsychologischer sicht eine logische folge der fehlenden gemeinsamen sozialisation, trotz gemeinsamer ursprungsgeschichte und gemeinsamen anlagen (die ja bei einem nicht-kennen-lernen nicht als solche wahrgenommen und identifiziert werden können!!!!!)
- der fehlende wunsch, den h-eltern zu begegnen, mag im gefühl der fremdheit liegen, aber genauso gut resultiert es m.e. aus einer posttraumatischen reaktion: vermeidung der begegnung mit einer ehemals als extrem traumatisch erlebten situation (und das ist die trennung von den leiblichen eltern IMMER) ... es mag auch eine folge davon sein, dass eine unter survival-stress-bedingungen erbrachte sozialisations-anpassungsleistung durch den/die adoptierten die neu erworbene psycho-soziale und materielle sicherheit nicht mehr durch eine begegnung mit der instinktiv erspuehrten und als traumatisch erfahrenen vergangenheit in frage gestellt werden will. im grunde also auch eine posttraumatische reaktion mit dem zweck der vermeidung einer begegnung mit dem trauma bzw. einem instinktiven ausweichen einer möglichen REtraumatisierung!!!!!!! zudem ist das weggegeben-worden-sein ja auch i.d.r. mit dem gefühl einer KOLOSSALEN DEMUETIGUNG verbunden, der man/frau sich als solcher ja auch tunlichst nicht mehr aussetzen möchte!!!! (ich spreche hier ebenfalls aus meiner subjektiven erfahrung.)
das unentwegte versichern der liebe zu den a-eltern ist auf diesem hintergrund auch gleichzuhalten mit einer offenbar psychisch notwendigen ununterbrochenen vergewisserung und rückversicherung der "gesicherten" position hier und heute und hoffentlich auch in zukunft.
... bei diesen seelischen "hintergründen" kennen sich die psycho-techniker, die sozial-techniker und ... wohl so manche a-eltern sehr, sehr gut aus ... und vervollkommnen ihre MACHTTECHNIKEN gegenüber der/dem ja im grunde RESTLOS ausgelieferten adoptierten (welchen hintergrunds immer!!!!) ... der allergroesste SIEG über ein/e unterworfen/e besteht ja darin, wenn diese/r sich mit der SICHTWEISE des siegers identifiziert und seine rolle mehr oder weniger "zufrieden", vielleicht sogar hie und da "glücklich" akzeptiert. auch dies haben machttechniker aller zeiten zur perfektion ausgereift und natürlich souverän angewendet!!!! deshalb wohl auch diese fortwährenden hinweise, wie dankbar und zufrieden so viele adoptierte mir ihrem status denn seien!!! m.e. ein gezielter apell an den schuld-dank-komplex des/r adoptierten, drohender fingerzeig i.s. "was wäre, wenn ..." und "rute im fenster" als "wir koenn/ten ja auch noch "ganz anders mit dir verfahren ...". all dies vermag wohl die meisten adoptierten, deren selbstbewusstsein (noch) im unteren bereich der skala angesiedelt ist, in sekundenbruchteilen buchstäblich innerlich "erstarren" lassen!!!
- dass ein solches a-"kind" (in der tat, wir sind durch die gesamte a-konstruktion zum kind-sklaven-bleiben regelrecht verurteilt, psychisch, sozial, rechtlich etc.) sich mit seinen dbzgl. gedanken in das gaestebuch einer h-mutter bewusst einschreibt, drückt m.e. nichts als seine "nackte"sehnsucht nach den eigenen h-eltern aus, nach dem eigenen ursprung, nach der eigenen geschichte und somit der EIGENEN IDENTITÄT ... es ist ein SCHREI nach den h-eltern und die verzweifelte FRAGE, WARUM IST MIR DAS ALLES GESCHEHEN, WARUM HABT IHR DAS ZUGELASSEN ...
DIE WAHRHEIT IST DEM MENSCHEN ZUMUTBAR. Ingeborg Bachmann
Brigitte:
Diese Interpretation (des Gästebucheintrages) werden Familien-/ Menscheningenieure nicht zulassen. Sie nehmen die Worte so, wie sie geschrieben sind, als Beweis für die Richtigkeit ihres Handelns. Und werden weiter an der gesellschaftlichen Produktion von Unbewußtheit (Mario Erdheim) arbeiten, um den Mittel- und Oberklassen der Gesellschaft ein angenehmes Leben zu ermöglichen, denn:
Was man in einer Gesellschaft nicht wissen darf, weil es die Ausübung von Herrschaft stört, muss unbewusst gemacht werden.
deshalb, aber nicht nur deshalb, sehe ich EINEN möglichen sinn meiner beitraege darin, um zu einer DIFFERENZIERUNG DER SICHTWEISEN IN ALLE MIR MOEGLICHEN RICHTUNGEN beizutragen
DIE WAHRHEIT IST DEM MENSCHEN ZUMUTBAR. Ingeborg Bachmann