Aphorismen zur Adoption

 



Adoptiertsein

Wir fühlen mehr,
Wir sehen mehr,
Wir hören mehr,
Wir leben weniger.



Adoption


endet mit ihrem Anfang,
wenn wir Glück haben.
Dieses Glück ist
das Resultat
aus dem Unglück
unserer Geburt.


Herkunftssuche


Unser Glück ist
das Unglück der Anderen,
wenn sie nicht vergaßen,
was sie vergessen wollten.


Adoptiert


Mit unserer Geburt
wurde uns unsere Heimat entrissen.
Für Die, einen Augenblick lang,
für Uns, eine irdische Ewigkeit.


Adoptiveltern


Der schlimmste Feind
der Adoptiveltern ist
die Kinderlosigkeit,
aus der der Generalverdacht
der Verzweckung und Verdinglichung
verstoßener Kinderseelen
einer tatenlos beobachtenden
Gesellschaft Nahrung erhält.
Der schlimmste Feind
des Adoptivkindes ist
das Selbstmitleid.
Vorgeblich und wirklich
zugleich.


Der Fluch des Adoptierten


Der Fluch des Adoptierten,
ist das „als ob“.

Zuerst sind da zwei Menschen,
die „als ob“ zusammenfanden.

Dann kamen die, die uns lieben
„als ob“ wir eigene Kinder wären.

Uns schließlich leben wir unser Leben
„als ob“, wir wählen könnten,
zwischen den beiden „als ob“.

Doch das Leben hat längst für uns
entschieden.

Eine Wahl haben wir nicht.


Mutter


Die einzige Verbindung,
die ich je zu ihr hatte,
war die Wut darüber,
dass sie mich nicht
haben wollte und
ich das nicht
aussprechen durfte,
weil ich in einer
Welt aufgewachsen
war, die dies
verzieh,
ohne es zu kennen.

Meine Worte haben ihr
verziehen,
meine Seele nie.


Adoptivkind


Ich durfte am Leben riechen,
es aber nicht pflücken.

Ich durfte niemals,
niemandem zur Last fallen.


Der Fluch ungewollter Geburt

 

ist unser
Gepäck vom ersten
bis zum letzten Tag.

Und so vergeht das Leben,
mit dem Bau von Brücken,
die das Nichts überwinden
sollen und manchmal können.