Alle Jahre wieder …
24. Februar 2007
Alle Jahre wieder - das endlose Erinnern – der Schmerz verblasst nicht!
Dezember 1983: der Mann, der mich schlug vor und während der Schwangerschaft sitzt neben mir am Frühstückstisch. Es ist Sonntagmorgen: ich habe von einer auf die andere Sekunde den Gedanken im Kopf, meinen Sohn zur Adoption freigeben zu wollen. Ich spreche den Gedanken aus und breche sofort in Tränen aus. Der Vater des Kindes reagiert nicht.
Ich beschließe am nächsten Morgen das Jugendamt aufzusuchen und gehe davon aus, dort Rat und Hilfe zu bekommen, einen Ausweg zu finden. Ab diesem Montag ist unser Schicksal besiegelt.
Da Jugendamt rät mir dazu, mich von dem Baby zu trennen, welches ich seid acht Monaten in mir trage und unterstützt mich auf dem Weg zur Geburt. Die perfekten Eltern, natürlich auch Akademiker mit musikalischem Einschlag warten seit zehn Jahren auf „ihr Baby“.
Es folgen Wochen der Ohnmacht. Ich bin ein Automat, der auf die Wehen wartet.
Ich weiß: danach ist es vorbei, danach kann ich wieder ein normales Leben führen, danach geht es meinem Kind endlich gut: ohne mich.
Am 24. Februar 1984 bringe ich um 3 Uhr morgens einen gesunden Jungen zur Welt, mein Baby. Ich verzichte auf sämtliche Betäubungen, weil ich bis zuletzt für ihn da sein will: ungetrübt, ganz wach und bewusst. Ich höre seinen Schrei und dann ist er weg.

Ich entbinde ambulant und werde um 7 Uhr von meinem Mann abgeholt. Er setzt mich zu Hause ab und fährt zur Arbeit. Ich weiß nicht mehr wer ich bin und versuche mein Dasein durch eine enge Jeans zu manifestieren, die mich befähigt nach Feierabend in die Stadt zu gehen mit meinem Mann zusammen, als sei nichts geschehen.
Dem Jugendamt hatte ich ein kleines Büchlein für die A-Eltern beigelegt mit meinen Beweggründen, mit ganz persönlichen Zeilen an sie und „unser“ Kind.
Sie nahmen ihn um ca. 8.30Uhr im Krankenhaus entgegen, wie ich heute weiß, und zeigten ihm das Büchlein erst 20 Jahre später, nachdem ich ihn gesucht und gefunden hatte. Vorher fanden sie keine Gelegenheit dazu.
