Organhandel

 

 

Das Problem ist klar: Es gibt mehr Menschen, die eine neue Niere, Leber oder ein Herz brauchen, als Spendenwillige. In der nüchternen Sprache der ökonomischen Logik bedeutet dies: Die Nachfrage nach gesunden Organen ist größer als das Angebot.

 

http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/17/0,3672,3725009,00.html

 

Der Organhandel boomt. Allein in Europa warten derzeit rund 40.000 Menschen auf eine Spenderniere. Häufig funktioniert das Geschäft auf Kosten der Dritten Welt, sagt WHO-Expertin Nikola Biller-Andorno. Die Ärmsten der Armen geben für ein bisschen Geld ihre Organe - und riskieren dabei nicht zuletzt ihre Gesundheit. Forderungen nach einem liberalisiertem Organhandel hält Biller-Andorno deshalb für zynisch.

 

Heute.de: Ökonomen wie Nobelpreisträger Gary Becker plädieren dafür, den Organhandel zu liberalisieren. Wie steht die WHO zu dieser Forderung?

 

Biller-Andorno: Die WHO hat sich deutlich gegen die Kommerzialisierung der Organspende ausgesprochen. Ein freier Markt würde bedeuten, dass wir vermutlich zu recht günstigen Preisen Organe aus armen Ländern erwerben könnten, mit der Konsequenz, dass die Bereitschaft zur Lebend- und eventuell auch zur Postmortal-Spende bei uns noch weiter zurückginge.

 

Heute.de: Teilen Sie diese Einschätzung?

 

Biller-Andorno: Ich halte sie für richtig. Der reiche Teil der Weltbevölkerung würde sich andernfalls auf Kosten der Armen mit Ersatzorganen versorgen. Die Armen würden nur einen weiteren erfolglosen Versuch unternehmen, der Schuldenfalle zu entkommen und hätten negative gesundheitliche Folgen zu erwarten. Studien haben gezeigt, dass es ihnen nach dem Organverkauf auch ökonomisch noch schlechter geht: Eventuell fallen Kosten zur Nachbehandlung an, der Wert des Betreffenden auf dem Arbeitsmarkt sinkt. Wer das als "Option für die Armen" oder eine Art Entwicklungshilfe bezeichnet, ist in meinen Augen naiv oder zynisch.

 

         

 

 

 

 Adoption -

Organhandel im Ganzen

 

 

Trotz fortschreitender Verbesserung der Methoden zur künstlichen Befruchtung gelingt es der Medizin nicht, allen zeugungs- oder empfängnisunfähigen Menschen zu einem leiblichen Kind zu verhelfen.

 

Während bei sonstigen Organerkrankungen die Transplantation einzelner Organe ausreicht, brauchen Menschen, die an einer Erkrankung ihrer Geschlechtsorgane leiden, aufgrund derer sie sich nicht selbst fortpflanzen können, den kompletten Organismus eines Kindes, um ihr physisches und psychisches Defizit auszugleichen.

 

Die zweite Gruppe Menschen, die auf Adoption als Organhandel im Ganzen angewiesen ist, sind Homosexuelle, deren gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften Fortpflanzung ausschließt.

 

 

 

 

Weißes Baby - Schwarzmarktpreis: 25.000 - 75.000  Euro

 

Menschenhandel, was ist das?

 

 

Manfred Paulus – „Frauenhandel und Zwangsprostitution“ – 2003 - Verlag Deutsche Polizeiliteratur (Auszüge S. 11 - 21)

 

 

1.  Definitionen

 

Was man unter Menschenhandel zu verstehen hat, wurde von den Gesetzgebern, von Interpol, Europol und von verschiedenen Nichtregierungsorganisationen (NROs) in unterschiedlicher Weise definiert.

 

Während die einen Menschenhandel ausschließlich als Sexualdelikt verstehen (so zum Beispiel die deutsche Gesetzgebung, die sexuelle Handlungen oder die Prostitution voraussetzt), legen andere den Begriff weiter aus.

 

Nach einem Beschluss des Europarates im Jahr 1998 wird Menschenhandel im Anhang zum EUROPOL-Übereinkommen wie folgt definiert:

 

„Unter Menschenhandel versteht man die tatsächliche und rechtswidrige Unterwerfung einer Person unter den Willen anderer Personen mittels Gewalt, Drohung oder Täuschung oder unter Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses insbesondere mit folgendem Ziel:

 

Ausbeutung in der Prostitution, Ausbeutung von Minderjährigen, sexuelle Gewalt gegenüber Minderjährigen oder Handel im Zusammenhang mit Kindesaussetzung. Diese Formen der Ausbeutung umfassen auch die Herstellung, den Verkauf und die Verbreitung von kinderpornografischem Material.“

 

In einem Zusatzprotokoll der UN-Konvention zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität wurde der Begriff Menschenhandel von der UN-Crime-Commission im Dezember 2000 international definiert.

 

Im Sinne dieses UN-Protokolls

 

 

 

 

Unabhängig von der Auslegung oder Definition des Begriffs, ist Menschenhandel keine Erfindung aber eines der verabscheuungswürdigsten Verbrechen unserer Zeit.

 

Mit Menschen wurde gehandelt, so ist zu vermuten, seit es Menschen gibt. Aus den unterschiedlichsten Gründen, mit unterschiedlichstem Ziel. Spätestens nach der Aufklärung, so glaubte man, sei die Zeit der Sklaverei überwunden. Das aber schien nur so.

 

Die Geschäfte mit der Ware Mensch setzten sich fort. Heute präsentieren sie sich in neuen, moderneren Formen, den Verhältnisses in den Rekrutierungsländern und den Bedürfnissen der westlichen Industrienationen angepasst.

 

Menschenhandel ist ein strukturelles und zunehmendes Problem mit erheblichen Auswirkungen und sozialökonomischen Schäden für alle von ihm betroffenen Länder. Seine zunehmende Verbreitung wird durch die Globalisierung und durch moderne Techniken begünstigt.

 

 

Die Ursachen des Handels mit der Ware Mensch von heute sind einerseits wirtschaftlicher Verfall, soziale Not, Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Kriege und Kriegsfolgen, mangelnde Bildung und der fehlende Zugang zu Ressourcen in den Rekrutierungsländern und andererseits die zunehmenden ausbeuterischen Tendenzen in den Industriestaaten und das Bemühen, immer mehr und immer billigere und willigere „Arbeitskräfte“ zum Zwecke der Prostitution oder zur Herstellung und zum Handel mit Pornografie anzuheuern.

 

Menschenhandel ist in all seinen Erscheinungsformen eine Kriminalität, bei der Menschenrechte rücksichtslos missachtet und menschliche Würde zutiefst verletzt werden. Es ist eine Kriminalität, die von Politik und Gesellschaft in ihrem Ausmaß und in ihrer Bedeutung über lange Zeit hinweg unterschätzt wurde, eine Kriminalität, der auch von den Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden nicht immer und nicht überall der Stellenwert eingeräumt wurde, der ihr zusteht und zustehen muss.

 

Trotz zahlloser, fachspezifischer, nationaler und internationaler Seminare, Tagungen, Kongresse und Debatten, trotz einer Vielzahl bilateraler, multilateraler und internationaler Vereinbarungen, Übereinkommen, Konventionen, Beschlüsse und Verpflichtungen gelang es bis zum heutigen Tage nicht, der fortschreitenden Kriminalitätsentwicklung im Bereich des Menschenhandels wirksam zu begegnen.

 

Im Gegenteil: In Europa nimmt diese Kriminalität seit den Grenzöffnungen nach Osten hin in erschreckendem Ausmaß zu. Das Organisationsniveau wurde fortlaufend besser. Täter und Tätergruppierungen erzielen immer höhere Gewinne und sie agieren noch immer mit geringem und durchaus kalkulierbarem Risiko.

 

Zumindest in naher Zukunft ist mit einer Abnahme dieses Kriminalitätsaufkommens nicht zu rechnen. Vielmehr wird der Handel mit Menschen angesichts der fortschreitenden Globalisierung, angesichts der Armut und Perspektivlosigkeit zahlloser potentieller Opfer, angesichts der Gewinne, die für die Täter zu erzielen sind und angesichts des geringen Risikos bei den Tathandlungen, weiterhin dramatisch zunehmen, wenn nicht entschiedener als bisher in das Geschehen eingegriffen wird.

 

 

Auch beim Handel mit menschlichen „Ersatzteilen“ geht es um Menschenhandel. Die weltweite Nachfrage nach menschlichen Organen ist ungleich höher, als die nach jungen Sporttalenten (der Handel mit Sporttalenten wird im vorhergehenden Kapitel geschildert) und die Nachfrage ist erheblich größer als das vorhandene Angebot. Auch das verspricht Gewinne!

 

Kriminelle Täter und Tätergruppierungen haben nicht nur die Armenhäuser Lateinamerikas und Asiens als ergiebige „Ersatzteillager“ erkannt, aus denen man sich nur zu bedienen braucht. Die im wahrsten Sinne des Wortes ausgebeuteten Menschen sind zumeist die Hilf- und Wehrlosesten. Nicht selten sind es Kinder.

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Konkrete Hinweise auf den Handel mit menschlichen Organen in den EU-Staaten sind bislang selten. Das kann daran liegen, dass es ihn nicht oder nur sehr vereinzelt gibt. Aber auch daran, dass die Täter und Tätergruppierungen sehr geschickt agieren, um unentdeckt, unerkannt und unverfolgt zu bleiben und dass dieses Geschehen bei den zuständigen Behörden zu wenig Beachtung findet, was zu einem entsprechend hohen Dunkelfeld führt. Sicher erscheint, dass die Lieferländer für den kommerziellen Handel mit menschlichen Organen nicht mehr nur in Südamerika oder Südostasien, Indien oder China zu vermuten sind.

 

Es gab in jüngster Vergangenheit wiederholt Hinweise darauf, dass auch Osteuropa „Material“ für die Transplantationsindustrie liefert.

 

Dabei scheint das „Armenhaus“ Europas, die Republik Moldau, eine so herausragende wie traurige Rolle zu spielen. Um ihr Elend zu mindern, verkaufen die Moldawier alles: Die Männer ihre Nieren, die Frauen ihren Körper, die Eltern ihre Kinder und Obdachlose Klinkabfälle, Menschenfleisch als Hundefutter, wie in der Hauptstadt Chisinau geschehen.

 

 

Über das gesamte Ausmaß, das der Organhandel in Moldawien angenommen hat, kann nur spekuliert werden. Es besteht jedoch der begründete Verdacht, dass sich die Ausbeutung der Menschen in diesem armen Land längst zur Massenkriminalität entwickelt hat, der auch Hunderte von verschwundenen und nie mehr aufgetauchten Kinder zum Opfer gefallen sein könnten.

 

Die Entnahme von und der Handel mit menschlichen Organen sind also auch von ausbeuterischen, korrupten und damit kriminellen Praktiken geprägt. Es ist jedoch nicht hinnehmbar, dass Arme und Wehrlose von Reichen und Mächtigen in dieser Weise missbraucht werden können. Dadurch werden elementare menschliche Werte in Frage gestellt und letztlich zerstört.

 

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Deutsche Paare adoptieren jährlich etwas 1.100 Kinder aus dem Ausland. Nur ein kleiner Teil dieser Adoptionen erfolgt über seriöse und amtlich anerkannte Vermittlungsstellen. Unbekannt ist, wie viele Kinder an diesen Vermittlungsstellen und an den Gesetzen vorbei nach Deutschland gebracht werden. Fest steht, die Nachfrage nach gesunden und möglichst hellhäutigen Kindern ist während der letzten Jahre ständig gestiegen. Die Zahl der Kinder, die in Deutschland zur Adoption freigegeben werden, ist dagegen gesunken.

 

So kommen derzeit in Deutschland 20 bis 30 Bewerber auf ein zur Adoption freigegebenes Kind. Diese Situation führt, gepaart mit der Einstellung, dass alles käuflich sei, dazu, dass sich nicht wenige den Wunsch nach einem Kind über unseriöse Vermittler und Geschäftemacher erfüllen. Erfolgt eine solche Vermittlung gegen Bezahlung oder eine andere Form der Bereicherung, so ist das für alle Beteiligten strafbar. Dies gilt auch dann, wenn eine schwangere Frau unter der Bedingung, das Kind später zur Adoption freizugeben, finanziell unterstützt wird.

 

Die Tathandlungen werden je nach Schwere der Tat mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe, in schweren Fällen mit Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren, geahndet (Kinderhandel, § 236 StGB).

 

Die oft extreme Armut in einigen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas begünstigt diese Praktiken der illegalen Adoption. Die politischen und sozialen Umwälzungen der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass immer mehr Kinder aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion illegal oder nur scheinbar legal adoptiert werden.

 

Welche dramatische Entwicklung hier im Gange ist, verdeutlichte vor kurzem ein Vertreter der italienischen Nichtregierungsorganisation (NRO) „Amici die bambini“, der davon sprach, dass es in bestimmten Gebieten der Ukraine kaum mehr Kinder unter 6 Jahren gebe. Diese Aussage wurde von einem Vertreter der ukrainischen Vereinigung „Children of Chernobyl for surviving“ bestätigt.

 

Untersuchungen in EU-Ländern bestätigen die Existenz von Einrichtungen, die das Adoptionssystem missbrauchen. Kriminelle Personen und Organisationen stellen den Kontakt zwischen Kunden und Einrichtungen in den Rekrutierungsländern her und sorgen für die notwendige Logistik und für die Transfers.

 

Eine deutsch-italienische Polizeikooperation hat erst kürzlich eine Organisation enttarnt, die schwangere Prostituierte nach Deutschland eingeschleust hat, um die Säuglinge an wohlhabende kinderlose Paare zu verkaufen.

 

(Quellenangabe: EUROPOL „Trafficking in Human Beings – General Situation Report 1999, Flie-No. 2565-35, Dez. 2000, Seite 12)