adoptierte kinder sind nicht "die kinder" ihrer adoptiveltern ...

natuerlich wird es im alltag so gehandhabt, weil es einfacher ist, als staendig irgendwelche sprachlichen differenzierungen vornehmen zu muessen. auch adoptiv-familien haben einen berechtigten anspruch auf "so viel normalitaet als nur moeglich", auch mir - als adoptierter - war es immer wichtig, diese meine starke zugehoerigkeit zu meinen adoptiv-eltern durch "normalitäts-begriffe" zu untermauern, denn - im unterschied zu sherry, die eine adoptions-horrorgeschichte erlebt hat - habe ich von meinen a-eltern liebe erhalten und sie geliebt.


natuerlich haben wir das beduerfnis, die schoene und enge beziehung, die sich mit unseren adoptierten "verwandten" entwickelt, jenen gleichzuhalten, welche sich - auch in unserem umfeld - zwischen leiblich verwandten zeigen mag. jene, die mich schon laenger kennen, wissen, wie sehr ich immer bedacht war, meine a-eltern als "meine eltern" etc. zu transportieren ... dafuer stand meine liebe und dankbarkeit fuer sie pate, mein wunsch nach normalitaet und und und ...

ABER: trotz allem war ich ihr adoptiv-kind und sie waren meine mich liebenden adoptiv-eltern. der versuch "als äquivalent fuer ein LEIBLICHES kind" zu GELTEN, hat mich in die innere und in die aeussere katastrophe getrieben ...

wenn ich da staendig aus dem mund von adoptiv-eltern von "meinem kind", "meinem sohn", "meiner tochter" lese, dann sehe ich SOFORT die - auch mit mir verhaengnisvoll auf allen ebenen (auch rechtlich) praktizierte - TOTALVEREINNAHMUNG des adoptierten menschen, und darin erkenne ich auf a-seite den DRINGENDEN WUNSCH (allerdings fuer das a-kind auch BEDRAENGENDEN, ob nun eingestanden oder nicht), ELTERN zu sein, aber ich erkenne nicht mehr den ACHTUNGSVOLLEN UMGANG mit diesem adoptierten menschen ALS MENSCHEN, DER ZUGLEICH IMMER AUCH DURCH SEINE HERKUNFT MIT SEINER FREMDHEIT ER SELBER IST. mit unserer leiblichen herkunft sind wir auf existentielle form verbunden, sie beantwortet uns die frage, WARUM wir in dieser welt sind und beantwortet viele fragen darauf, WIE wir in dieser welt sind. HERKUNFT IST IMMER DA im adoptierten menschen.

LEIBLICHE ELTERN HABEN DIESES LEBEN GEGEBEN (wie, warum, unter welchen umstaenden etc. ist eine andere frage, die mit zahlreichen vorurteilen und vorverurteilungen durch den/die sog. "normalbuerger" oder den religioes orthodox orientierten bedacht werden mag ... was mich allerdings - gott sei dank - immer weniger interessiert und tangiert, denn im grunde kann ich - wenn ich weit genug entfernt bin - nur noch milde laecheln ueber ein derartiges ueber- bzw. unmass an beschraenktheit, kleingeistigkeit, lebensfeindlichkeit und verachtung anderen menschen gegenueber, mit DIESER durch und durch schuldverursachenden suendhaftigkeit will ich nichts mehr gemein haben!!!!) ...
wer also HERKUNFT versucht zu überspielen, herunterzuspielen, an den rand zu spielen, zu entwerten, wer gar herkunft vernichtet, DER NIMMT LEBEN, UND ZWAR DAS DES ADOPTIERTEN ...

ADOPTIV-ELTERN KOENNEN LEIBLICHE ELTERN NIEMALS VOLLSTAENDIG ERSETZEN!!! und das sollte auch nicht das ziel einer adoption sein, auf keiner ebene, auch nicht auf der rechtlichen ...
eine einigermassen geglueckte adoption kann m.e. bestenfalls aus einem staendig aufs neue gelebten SOWOHL - ALS AUCH (sowohl herkunft als auch adoptionales umfeld) entstehen ...
ENTWEDER - ODER MACHT KRANK ... jedenfalls hat es mich beinahe zerstoert!!!!!

keinem einzigen adoptierten, der gluecklich in seiner adoptiv-familie war, will ich aber dieses sein wohlbefinden zerstoeren!!!!

und noch etwas: jene adoptierte - zu denen ich mich auch zaehle - die ihre adoption im grossen und ganzen positiv erlebt haben (obwohl ich eben auf die mir so lange verschleierten moerderischen mechanismen und strukturen der formellen und informellen adoptionalen regelungen draufkomme ... zu meinem ABSLOUTEN entsetzen!!! aber auch zu meinem wesentlich groesseren verstaendnis meiner eigenen vergangenheit wie auch der lebensschicksale von anderen adoptierten, v.a. auch der herkunfts-eltern/muettern ...), ja, wir sollten nie vergessen, dass es SEHR VIELE adoptierte gab und gibt, die ihre eigene adoption nicht nur gefaengnis, sondern regelrecht als hoelle auf erden erlebten und erleben ... bonnie und sherry zaehlen zu diesen adoptierten ... insoferne besehe ich mein a-schicksal mit ein wenig bescheidenheit und denke mir, na ja, zu mir sind halt immer wieder engel geflogen gekommen ... und muss gleichzeitig denken, warum bloss sind sie nicht auch zu den anderen gekommen, um sie zu beschuetzen ...


und ... wir sollten nicht vergessen, dass in den wohl ALLERMEISTEN faellen (nicht in allen, das weiss ich aus meiner eigenen lebenserfahrung!) ebenfalls ein leben lang andauernde leiden (trauma und seine nachwirkungen etc.) auf seiten der herkunfts-muetter ... von muettern - wie zum beispiel hier bianka, brigitte, witha, claudia usw.) - die ihren zur adoption gegebenen kindern nach wie vor in grosser liebe verbunden sind!!!!

 

margaretha rebecca


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"DIE WAHRHEIT IST DEM MENSCHEN ZUMUTBAR." Ingeborg Bachmann