30 geraubte Jahre

 

Anita, Margrit und Nicole

Juni 2006

 

 

Ganz zu Anfang die Worte meiner Mutter und Großmutter von Nicole:

 

„Unser größter Fehler damals war, überhaupt mit dem Jugendamt Kontakt aufzunehmen. Hoffentlich kommt es einmal ans Tageslicht, welchen Missbrauch Jugendämter betreiben. Heute weiß ich, dass man Probleme nur innerhalb der Familie lösen sollte, um nicht Gefahr zu laufen, sein eigenes Kind oder sein Enkelkind zu verlieren.

Nachdem wir uns an das Jugendamt gewandt hatten, gaben wir, ohne dies auch nur im Geringsten zu ahnen, alle Karten aus der Hand. Wie es weiterging, bestimmte das Jugendamt.

Bei uns entpuppten sie sich als Kindesräuber!“

 

 

Warum trägt ein Amt diesen Namen? Um der Jugend hilfreich zur Seite zu stehen? Oder eher nicht! Das Jugendamt arbeitet unter einem Deckmantel. Es gibt vor, Hilfe leisten zu wollen. Aber welcher Verbrecher ist hilfreich nett freundlich und gütig? Niemand, und so war das auch bei mir. Oder bei uns als Familie.

 

Hilfe geleistet hat das Jugendamt, oh ja!!!:

Einem unfruchtbaren Ehepaar,

das glaubte alles sei käuflich, auch Kinder!


 

Meine Mutter wurde durch Nicoles Geburt eine normale Oma, so dachten wir einmal. Ich wurde beraubt Mutter sein zu dürfen und meine Mutter wurde beraubt ihre Oma sein zu dürfen. Meine Mutter lässt es heute nicht mehr zu, dass Ihr unterstellt wird "SIE wolle die Adoption damit ICH meine Jugend weiter genießen kann.“ so konnten wir es in einer unserer Akten lesen.


Meine Mutter hat 30 Jahre, so wie auch ich, gelitten wie ein Tier. Es war uns beiden niemals möglich, über das Thema Adoption zu sprechen. Wir waren beide, jedoch jeder für sich, so tief betroffen und verzweifelt, dass es unmöglich war, innerhalb der Familie eine Aussprache zu erwirken welche Klarheit über Nicoles Adoption gebracht hätte. Erst seit Nicole wieder in unserem Leben ist, wissen wir, dass unsere Akte vom Jugendamt manipuliert wurde.
Es gelang sogar irgendeinem Verbrecher (wir haben bisher nicht herausbekommen, wer es veranlasst und wer es durchgeführt hat - Nicoles Original-Abstammungsurkunde, die sie bei ihrer Heirat anforderte (wohlgemerkt: nicht nur die Geburtsurkunde!) zu fälschen und mit dem Namen der Adoptiveltern als leibliche Eltern zu versehen.

Was diesem Verbrecher allerdings nicht gelungen ist, war die Fälschung in der Familienchronik, die in diesem Dorf von jeder Familie geführt wird. Da wollte die Dorfgemeinschaft keinen Bastard aufnehmen! Nicole hat nur durch die Dörfler erfahren, dass sie adoptiert war, als erstes durch die Kinder des Pastors, als sie 4 Jahre alt war, mit den Worten: "Deine richtige Mama“ wollte Dich nicht haben!!!!! Diese Worte haben sich Nicole unauslöschlich eingebrannt.

Das sind Verbrechen die hier geschehen sind. Dafür gibt es Strafen in anderen Ländern. Und bei uns hier scheint es ja völlig normal zu sein, dass Ämter im Sinne der Adoptiveltern manipulieren dürfen.

Meine Tochter Nicole weiß heute, dass sie gegen eine großzügige Spende von den Adoptiveltern an „Eine Institution“ die mit unserer Geschichte bestens vertraut war, einfach so, eine neue Mutter bekam. Mit dieser Spende fanden die Adoptiveltern war alles rechtens und für sie sehr gelungen. Ich habe mein Kind nicht verkauft. Das haben völlig Fremde „Eine Institution“ erledigt und sich noch bereichert, an unserem Leid. Dafür gibt es keine Worte.


Nicoles Adoptivmutter hatte früher, während ihrer Ausbildung, mit den Leuten zu tun, welche mich damals in dem Mutter-Kindheim betreuten. Das ist kein Zufall, dass es genau zu dieser Adoption kam. Es war ein Plan. Unter dem Deckmantel der Nächstenliebe. Die Adoptiveltern mussten nur auf das passende Kind warten. Dieses, dann erworbene Kind, war MEINES. Nicole hasst heute diese Menschen für ihr so genanntes seriöses Vorgehen, einem Kind welches angeblich „niemand“ wollte, ein neues Zuhause gegeben zu haben.


Eines Tages komme ich von der Schule zurück und mein Kind ist weg! Einfach so! Als ob dieses Kind nie existiert hätte. Es wurde von anderen Menschen mehr gebraucht, befanden die Menschen die „Eine Institution“ leiteten.

Meine Mutter hat mich hingegen immer wieder gesehen, und konnte mir niemals helfen. Was muss das für ein furchtbares Gefühl gewesen sein? Und das auch noch über 30 Jahre lang.


Wir sind schockiert über das gesamte Vorgehen des Jugendamtes. Ich danke meiner Mutter von Herzen für ihre Worte an mich und Nicole. Wir sind alle so froh, dass noch niemand von uns in der Zwischenzeit verstorben ist und wir innerhalb der Familie alles Unerklärbare auflösen konnten. Meine Tochter hat akribisch gesucht und alles gefunden was ihren Verdacht erhärtete, dass unsere Zwangstrennung, sprich Adoption, niemals von mir oder meinen Eltern gewünscht war. Mein Kind weiß, dass ich sie immer vermisste, sie immer liebte und mein ganzes Leben nur auf sie gewartet habe.

 

Von mir/uns gibt es zwei Akten beim Jugendamt. Die Akte "Nicole" im Sinne oder für die Adoptiveltern geschrieben, sehr primitiv in Worten gehalten. Asoziale wären wir. Daran weideten sich die Adoptiveltern so oft und so gern. Von mir wurde gegenüber meinem Kind, wenn überhaupt, dann nur als „die da“ gesprochen. Aber wie „die da“ später aussah wollten sie doch wissen. Meine Anschrift hatten sie ja. Das ist auch so eine Ungeheuerlichkeit, dass Adoptiveltern von den leiblichen Eltern alle Daten haben, umgekehrt natürlich nicht. Eines Tages fuhren sie in die Stadt, wo ich lebte und warteten so lange im Auto auf der Straße, bis ich erschien. Die Adoptivmutter fing mich ab und fragte mich nach dem Weg, damit der Adoptivvater vom Auto aus Zeit hatte, mich heimlich zu fotografieren. Diese Bilder haben sie Jahre später meiner Tochter gezeigt, um ihr zu demonstrieren, wie glücklich ich doch ohne sie aussähe. Perverser geht es nicht mehr!!!

 

Es gibt auch eine korrekte Akte, die Akte "Margrit". Nämlich „dass ich mein Kind gern behalten möchte !!!“ Und nach der Adoption steht da „dass ich furchtbar unter der Trennung vom Kind leide!!!!“ Und niedergeschrieben steht auch „dass ich trotz so junger Jahre eine innige Beziehung zum Kind habe.“ Und es steht weiter geschrieben: „dass ich eine stolze junge Mutter bin!!!“

 

Das alles beim Jugendamt gelesen zu haben hat meine Tochter zutiefst verletzt und enttäuscht über die Menschen, die uns ohne Not und ohne einen Funken Mitgefühl getrennt haben. Trotzdem sind wir heilfroh, dass es diese andere Akte überhaupt noch gab.


Es muss jemand gewesen sein, der auch Positives schriftlich festhielt, der an Nicole und mich fest geglaubt hat. Es muss ein menschliches Wesen auf dem Amt gegeben haben, mit Feingefühl und mit Hoffnungen für ein glückliches Ende. Irgendjemand muss in diesem Sinne die beiden Akten zusammen gefügt und abgelegt haben. Mit dem glücklichen Ende, ist es damals nichts geworden. Heute sind wir froh das Schlimmste überstanden zu haben und, dass es uns gelang, den Missbrauch „unseres“ Jugendamtes aufzudecken.

"Wer zählt die Tränen, die aus Liebe man geweint, um das verlorene Glück?"

 


Und an dieser Stelle möchten wir uns bei "unserem" Jugendamt für 30 geraubte Jahre bedanken.

 

Anita, Margrit und Nicole